Technologie

Experte: Ukraine-Krieg macht Elektroautos teurer

Es sind weniger gute Aussichten für die E-Autobranche: Teures Nickel und auch die Chipknappheit dürften die Produktion aus Sicht eines Marktforschers bremsen. Aber auch für Autos mit Verbrennungsmotor werden Beeinträchtigungen vorhergesagt.
05.04.2022 13:20
Lesezeit: 1 min
Experte: Ukraine-Krieg macht Elektroautos teurer
Ein Stecker einer Ladesäule für E-Autos des Energieversorgers Enercity. (Foto: dpa) Foto: Christophe Gateau

Russlands Krieg in der Ukraine wird aus Expertensicht Elektroautos teurer machen - und könnte damit dem aktuellen Wandel der Branche einen Dämpfer verpassen. Grund sei vor allem der Anstieg der Preise für Nickel, sagte Branchenanalyst Pedro Pacheco vom IT-Marktforscher Gartner der Deutschen Presse-Agentur. Russland ist eine zentrale Quelle des Metalls, das eine wichtige Rolle für die meisten Batterien von Elektrofahrzeugen spielt.

Die Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren werde ebenfalls beeinträchtigt: Denn vor allem für viele europäische Hersteller war die Ukraine bisher ein Zulieferer von Kabelverbindungen - und Russland ein Lieferant von Palladium für Katalysatoren.

Das teure Nickel „bedroht die Ausbreitung von Elektroautos“ - gerade während der aktuelle Preissprung bei Treibstoffen das Interesse an alternativen Antrieben verstärke, sagte Pacheco. Die Folgen dürften nicht nur in diesem, sondern auch im kommenden Jahr zu spüren sein: „2022 und 2023 werden ganz anders verlaufen als es noch zu Jahresbeginn aussah.“ Auch die Chipknappheit, die den Autobauern in der Corona-Pandemie schwer zu schaffen machte, könne sich weiter verschärfen - denn die Ukraine ist ein wichtiger Lieferant des Gases Neon, das in der Halbleiter-Produktion eingesetzt wird.

Durch die Halbleiter-Probleme seien die Autohersteller finanziell recht glimpflich gekommen, da sie mehr teurere Fahrzeuge verkauft hätten, sagte Pacheco. „Doch das Problem ist, in diesem Jahr schrumpft der Spielraum dafür, da letztlich entscheidend ist, wie sehr die Kunden bereit sind, mehr zu bezahlen.“ Der Preisauftrieb in den Lieferketten dürfte den Autobauern zugleich kaum die Möglichkeit geben, Autos günstiger zu verkaufen, ohne Verluste in Kauf zu nehmen, insbesondere bei Elektroautos. „Und das wird mit Sicherheit die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen beeinträchtigen.“ Bei Verbrennern könne das mittlere Preissegment besonders stark schrumpfen. Die Nutzungszeit von Fahrzeugen könne sich weiter verlängern.

Der Gartner-Analyst schließt zugleich nicht aus, dass chinesische Autobauer versuchen könnten, bei einem längeren Konflikt den Zugang zu für sie günstigeren russischen Rohstoffen für den Ausbau ihrer Position sowohl in Russland als auch auf dem Weltmarkt zu nutzen.

Für die Hersteller werde angesichts potenziell sinkender Autoverkäufe nun noch wichtiger, das Geschäft mit digitalen Diensten auszubauen. „Denn letztlich, wenn man keine Autos verkaufen kann, muss man etwas anderes verkaufen.“ Pacheco rechnet als Folge der Entwicklung auch mit neuen Fusionen und Übernahmen in der Branche.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Der größte Kryptowährungsdiebstahl der Geschichte begann mit einem gefälschten Vorstellungsgespräch
06.11.2026

Ein vermeintliches Vorstellungsgespräch, manipulierte Software und ein internes KI-System wurden der Kryptobörse Binance zum Verhängnis....

DWN
Finanzen
Finanzen Ausverkauf von Tech-Aktien: Südkoreas Börse bricht ein
06.11.2026

Der Ausverkauf von Tech-Aktien in den USA belastet auch die Börsen in Asien. Besonders betroffen ist der südkoreanische Aktienmarkt. In...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 50: Die Woche im Rückblick – KW 45
06.11.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lufthansa in der Krise: Billigflieger sollen Gewinne retten
06.11.2026

Steigende Treibstoffpreise, hohe Betriebskosten und die Folgen vergangener Streiks setzen Lufthansa zunehmend unter Druck. Trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nationale Reserven: Goldkäufe der Notenbanken steigen deutlich
06.11.2026

Notenbanken haben ihre Goldkäufe im dritten Quartal deutlich ausgeweitet, während Anleger weniger Barren und Münzen kauften. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen E-Rechnung ab 2027: Wie KMU die Umstellung wirtschaftlich gestalten
06.11.2026

Die E-Rechnung wird für noch mehr Unternehmen Pflicht – doch wo lässt sich sparen? Christian Mehrtens, Geschäftsführer von Sage...

DWN
Finanzen
Finanzen Ist das das Geräusch einer platzenden KI-Blase?
06.11.2026

Die größten Technologiekonzerne investieren immer höhere Summen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Doch Anleger beginnen, die...

DWN
Politik
Politik Sozialreformen: Hohe Bereitschaft der Deutschen zu persönlichen Einschnitten
06.11.2026

Der Reformbedarf ist groß in Deutschland, darüber herrscht Einigkeit. Doch wie steht es um die Opferbereitschaft der Bevölkerung? Eine...