Finanzen

Russland antwortet auf US-Blockade - und zahlt Anleiheschulden erstmals in Rubel

Erstmals hat Russland seine Staatsschulden nicht in Dollar sondern in der Landeswährung beglichen.
06.04.2022 13:00
Aktualisiert: 06.04.2022 13:20
Lesezeit: 2 min

Russland hat am Mittwoch erstmals Zahlungen für zwei Fremdwährungsanleihen nicht in Dollar, sondern in Rubel geleistet. Wegen der westlichen Blockade seiner immensen Devisenreserven infolge des Krieges gegen die Ukraine will Moskau dies auch künftig so handhaben. "Russland hat alle notwendigen Ressourcen, um seine Schulden zu bedienen", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow. "Wenn diese Blockade fortgesetzt wird und die Zahlungen zur Bedienung der Schulden blockiert werden, könnten sie in Rubel erfolgen."

Zuvor hatte das Finanzministerium entschieden, die eigentlich fälligen Zahlungen von 649,2 Millionen Dollar an die Gläubiger der bis 2022 und 2042 laufenden Staatsanleihen in der Landeswährung Rubel zu leisten. Experten zufolge bleibt Russland nun noch eine Frist von 30 Tagen, um dieses Geld doch noch in Dollar zu überweisen. Andernfalls werde der Vorgang "zum formalen Zahlungsausfall Russlands bei Auslandsschulden", wie der Russland-Experte Gerhard Mangott von der Uni Innsbruck twitterte.

Das US-Finanzministerium blockiert Zahlungen Russlands in Dollar derzeit, um das Land in einen formalen Zahlungsausfall zu treiben. "Theoretisch könnte eine Ausfallsituation geschaffen werden, aber das wäre eine rein künstliche Situation", sagte Kreml-Sprecher Peskow deshalb. "Es gibt keine Gründe für einen echten Zahlungsausfall."

Die USA hatten zuvor den wirtschaftlichen Druck auf Russland wegen der Invasion erhöht. Sie bringen Moskau einer historischen Staatspleite damit näher. Das Finanzministerium in Washington hinderte die russische Regierung daran, die fälligen Zahlungen an ihre Gläubiger aus den bei US-Banken gehaltenen Devisenreserven zu leisten. Die von der russischen Zentralbank gehaltenen Reserven im Umfang von rund 300 Milliarden Dollar waren nach Kriegsbeginn eingefroren worden, doch durfte Moskau bislang für Zahlungen auf in Dollar lautende Staatsanleihen noch darauf zurückgreifen.

Mit der Blockade soll Russland zu einer Entscheidung gezwungen werden: Die Dollar, auf die er im Inland zugreifen kann, entweder für Zahlungen an seine Gläubiger zu nutzen oder für andere Zwecke wie die Finanzierung des Krieges einzusetzen. "Russland muss sich entscheiden, ob es die verbleibenden wertvollen Dollarreserven aufbraucht oder neue Einnahmen erzielt - oder ob es in Verzug gerät", sagte ein Sprecher des US-Finanzministeriums. Wird den Verpflichtungen nicht nachgekommen, droht Russland der erste Zahlungsausfall seit der Russischen Revolution 1917, als die Bolschewiken Schulden aus der Zarenzeit nicht anerkannten.

Die US-Großbank JPMorgan Chase hat bisher die russischen Zahlungen als Korrespondenzbank abgewickelt. Sie wurde nun vom Finanzministerium gestoppt, wie ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Die Zwangsmaßnahmen des amerikanischen Finanzministeriums sind nicht ohne Risiko für die USA selbst. Denn die massive Ausnutzung des Dollar-Status als Weltleitwährung für geopolitische Zwecke dürfte viele andere Staaten veranlassen, sich schrittweise aus Dollar-Anlagen zurückzuziehen und alternative Wertanlagen und Zahlungswege auszuprobieren. Dies würde letztendlich auf einen Bedeutungsverlust des Dollar hinauslaufen.

Nach jüngsten Daten der Deutschen Bundesbank vom November 2021 beliefen sich die Forderungen deutscher Banken gegenüber Russland auf rund 6 Milliarden Euro. Einschließlich der Forderungen ihrer Auslandsfilialen und -töchter waren es etwa 7,5 Milliarden Euro. Das sind laut Bundesbank nur knapp 0,4 Prozent der gesamten Auslandsforderungen deutscher Institute. Die Wertpapiere von öffentlichen Haushalten in Russland, zu denen auch Staatsanleihen zählen, bei deutschen Banken beliefen sich auf 119 Millionen Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch Gewinneinbruch: Operatives Ergebnis fast halbiert
30.01.2026

Bosch verdient so wenig wie seit Jahren nicht. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne belasten den Gewinn. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldanlage: Warum Aktien langfristig keine Rendite bringen – und was Investoren tun können
30.01.2026

An den Börsen hält sich die Vorstellung, dass Geduld langfristig zum Erfolg führt. Doch was, Aktien langfristig keine Rendite bringen...

DWN
Politik
Politik US-Iran-Konflikt: Steigende Spannungen wirken sich auf den Ölpreis aus
30.01.2026

Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben die Ölpreise spürbar steigen lassen und die geopolitischen Risiken am Energiemarkt neu in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunktur: Deutsche Wirtschaft wächst Ende 2025 stärker als gedacht
30.01.2026

Nach zwei Jahren Rezession wächst die deutsche Wirtschaft 2025 wieder leicht. Das Schlussquartal fällt sogar positiver aus als erwartet....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt: Mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland
30.01.2026

Die Zahl der Arbeitslosen steigt im Januar saisonüblich an. In diesem Jahr wurde eine wichtige Schwelle überschritten.

DWN
Finanzen
Finanzen Amazon-Aktie: Riesen-Investition in KI-Entwickler OpenAI im Gespräch
30.01.2026

Amazon verhandelt laut Medienberichten über eine mögliche Investition von bis zu 50 Milliarden US-Dollar in den KI-Entwickler OpenAI....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher in Deutschland ungewöhnlich leer – droht im Winter eine Versorgungslücke?
30.01.2026

Die deutschen Gasspeicher sind derzeit deutlich weniger gefüllt als in den vergangenen Jahren. Mit einem Füllstand von rund 35 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand enttäuscht von Bundesregierung: Mehrheit zweifelt an Wirtschaftswende
30.01.2026

Der deutsche Mittelstand blickt zunehmend kritisch auf die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Eine aktuelle Befragung des...