Wirtschaft

China bereitet sich mit Hochdruck auf drohende US-Sanktionen vor

Auf einer Dringlichkeitssitzung hat Chinas Notenbank mit den großen dort tätigen Banken besprochen, wie sich das Land gegen drohende US-Sanktionen wehren kann.
04.05.2022 10:05
Aktualisiert: 04.05.2022 10:05
Lesezeit: 2 min

Die chinesische Aufsichtsbehörden haben am Freitag, den 22. April eine Dringlichkeitssitzung mit in- und ausländischen Banken abgehalten. Dort erörterten sie Insidern zufolge verschiedene Möglichkeiten, Chinas Auslandsguthaben zu schützen, falls die USA Finanzsanktionen gegen das Land verhängen sollten, wie sie Russland nach dem Angriff auf die Ukraine auferlegt wurden.

Zwar hat die Regierung von Präsident Xi Jinping hat Russland seit Beginn des Ukrainekriegs unterstützt. So Am kritisierte China im Einklang mit Russland, dass die USA 26 Biolabore in der Ukraine betreibe, wo "gefährliche" Viren gelagert würden. Doch im Hinblick auf Geschäfte mit russischen Unternehmen, die US-Sanktionen auslösen könnten, sind Chinas Banken und Unternehmen weiterhin vorsichtig.

An der Dringlichkeitssitzung am 22. April nahmen neben Beamten von Chinas Zentralbank und Finanzministerium auch Führungskräfte Dutzender chinesischer und internationaler Kreditinstitute teil, darunter HSBC, wie die Insider der Financial Times mitteilten. Das Finanzministerium erklärte demnach bei dem Treffen, dass alle großen in- und ausländischen Banken, die in China tätig sind, vertreten waren.

Den Insidern zufolge begann das Treffen mit Bemerkungen eines hohen Beamten des Finanzministeriums, dass die Regierung von Präsident Xi Jinping durch die Fähigkeit der USA und ihrer Verbündeten, die Dollar-Guthaben der russischen Zentralbank einzufrieren, in Alarmbereitschaft versetzt worden ist.

Tatsächlich hat der Westen russischen Währungsreserven im Umfang von rund 300 Milliarden beschlagnahmt. Das entspricht knapp der Hälfte der zuvor rund 640 Milliarden an russischen Währungsreserven. Nicht beschlagnahmen konnte der Westen die russischen Goldreserven, die sämtlich in Russland lagerten und nun immerhin rund 40 Prozent der noch übrigen Devisenreserven von rund 340 Milliarden ausmachen.

Die Teilnehmer der Dringlichkeitssitzung am 22. April nannten keine konkreten Szenarien, aber ein möglicher Auslöser für vergleichbare Sanktionen gegen China dürfte ein Angriff auf Taiwan sein, das dem China bereits mit einer Invasion gedroht hat, falls sich der Inselstaat auf Dauer weigern sollte, in den Machtbereich Chinas überzugehen.

"Wenn China Taiwan angreift, wird die Entkopplung der chinesischen und der westlichen Wirtschaft weitaus schwerwiegender sein als die Entkopplung mit Russland, da Chinas wirtschaftlicher Fußabdruck jeden Teil der Welt berührt", sagte einer der Personen, die über das Treffen informiert wurden.

Hochrangige Regulierungsbehörden wie Yi Huiman, Vorsitzender der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde, und Xiao Gang, der die Behörde von 2013 bis 2016 leitete, fragten die anwesenden Banker, was getan werden könne, um die ausländischen Vermögenswerte des Landes zu schützen, insbesondere die 3,2 Billion Dollar an Währungsreserven.

Chinas Fremdwährungsreserven sind etwa fünfmal so hoch wie die russischen vor der Beschlagnahmung knapp der Hälfte durch den Westen. Allein die chinesischen Bestände an US-Staatsanleihen haben einen Wert von mehr als einer Billion Dollar. Hinzu kommen Vermögenswerte wie New Yorker Bürogebäude. Der staatlichen Dajia Insurance Group gehört zum Beispiel das Waldorf Astoria New York.

"Keiner der Anwesenden konnte sich eine gute Lösung für das Problem vorstellen", sagte eine andere Person, die über das Treffen informiert war. Und weiter: "Chinas Bankensystem ist nicht auf ein Einfrieren seiner Dollar-Guthaben oder einen Ausschluss aus dem Swift-Telekommunikationsnetz vorbereitet, wie es die USA mit Russland gemacht haben."

Einige Banker schlugen vor, dass die Zentralbank von den Exporteuren verlangen könnte, ihre gesamten Deviseneinnahmen in Renminbi umzutauschen, um ihre Onshore-Dollar-Bestände zu erhöhen. Gegenwärtig dürfen Exporteure einen Teil ihrer Deviseneinnahmen für eine spätere Verwendung zurückbehalten.

Andere Banker schlugen vor, das Kontingent von 50.000 Dollar, das chinesische Staatsangehörige jedes Jahr für Auslandsreisen, Bildungsmaßnahmen und andere Einkäufe im Ausland erwerben dürfen, "erheblich" zu kürzen. Als ein Beamter chinesische Banker fragte, ob sie in mehr Yen- oder Euro-gedeckte Anlagen diversifizieren könnten, antworteten sie, dass diese Idee nicht praktikabel sei.

Einige der anwesenden Banker bezweifelten jedoch, dass Washington es sich jemals leisten könnte, die wirtschaftlichen Beziehungen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu kappen. Denn China besitzt nicht nur riesige Bestände an Dollar-Anlagen, sondern unterhält vor allem enge Handelsbeziehungen zu den USA, deren abrupter Abbruch wohl für beide Seiten katastrophale Folgen hätte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie KI im E-Learning: Wie ChatGPT Kursanbieter entlarvt
06.04.2026

Was früher niemand las, prüft heute eine Maschine in Sekunden. Kunden lassen Verträge, E-Books und Onlinekurse von KI analysieren und...

DWN
Panorama
Panorama Die unsichtbaren Schatzkammern der Welt: 10 Rohstoffquellen unter dem Radar
06.04.2026

Rohstoffe sind zurück im Zentrum der Weltpolitik – doch die größten Konflikte entstehen nicht in Venezuela, Iran oder China. Tiefsee,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektrischer Mercedes GLC: Preise, Technik und Reichweite im Überblick
06.04.2026

Mit dem elektrischen GLC will Mercedes den Umstieg in die Elektromobilität attraktiver machen und kombiniert moderne Technik mit...

DWN
Politik
Politik AfD-Erfolg im Westen: Trotz Skandalen ist die Partei auf dem Vormarsch
06.04.2026

Trotz Vetternwirtschaftsdebatten, Extremismus-Vorwürfen und interner Konflikte gewinnt die AfD weiter an Zustimmung, auch im Westen. Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Techpreise steigen: Günstige PCs und Smartphones vor dem Aus
06.04.2026

Günstige Technik verschwindet schleichend aus dem Markt. Chipmangel, geopolitische Krisen und der KI-Boom treiben die Preise nach oben....

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? "Fiktives Realsplitting": Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
05.04.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...

DWN
Technologie
Technologie Chinas Vorherrschaft bei Batterien ist eine Tatsache. Was bleibt Europa noch?
05.04.2026

Europa erhält keine Energiespeicher höchster Qualität. Diese werden vom heimischen chinesischen Markt absorbiert, ähnlich verhält es...

DWN
Panorama
Panorama Klimawandel verändert Deutschlands Wälder und die Forstwirtschaft grundlegend
05.04.2026

Der Wald, wie wir ihn kennen, verschwindet langsam. Steigende Temperaturen, Wassermangel und Schädlingsbefall setzen ihm zu. Fachleute...