Deutschland

Wegen des Kriegs und seiner Folgen: Insolvenzwelle rollt auf Deutschland zu

Noch sehen Insolvenzexperten keine grundsätzliche Trendwende. Das könnte sich jedoch bald ändern.
11.05.2022 13:37
Aktualisiert: 11.05.2022 13:37
Lesezeit: 1 min
Wegen des Kriegs und seiner Folgen: Insolvenzwelle rollt auf Deutschland zu
Besonders Unternehmen mit erhöhtem Energieverbrauch könnten künftig Insolvenzen drohen. (Foto: dpa)

Insolvenzexperten erwarten einen Anstieg der Firmenpleiten in Deutschland. Derzeit zeichne sich zwar noch keine grundsätzliche Trendwende ab, da Insolvenzen immer ein nachgelagerter Effekt seien, erklärte der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) am Mittwoch. Mit dem Andauern des Ukraine-Krieges und seinen Auswirkungen würden wirtschaftliche Folgen aber künftig auch deutsche Unternehmen mehr belasten.

Die im Verband organisierten Insolvenzverwalter berichten von einem gestiegenen Beratungsbedarf bei Firmen mit erhöhtem Energieverbrauch. "Die Nervosität ist spürbar", sagte der VID-Vorsitzende Christoph Niering. "Die Investoren- und Bankenseite sind gerade bei diesen Unternehmen zunehmend zurückhaltender."

Die Zahl der beantragten sogenannten Regelinsolvenzen in Deutschland sank im April zum Vormonat um 20,8 Prozent, nach plus 27 Prozent im März, wie das Statistische Bundesamt zu vorläufigen Daten mitteilte. Diese geben frühe Hinweise auf die künftige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen. Hier liegen bisher Zahlen für Februar vor.

Damals meldeten die Amtsgerichte 1132 Unternehmensinsolvenzen und damit 5,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Firmenpleiten waren in der Corona-Pandemie durch gesetzliche Sonderregelungen und Wirtschaftshilfen zeitweise deutlich zurückgegangen. Seit Mai 2021 sind keine Sonderregeln aufgrund der Corona-Pandemie mehr in Kraft.

Der VID mahnte einen vorsichtigen Umgang mit weiteren staatlichen Hilfen infolge des Ukraine-Kriegs an. "Angesichts der bevorstehenden Transformationsprozesse, die Wirtschaft und Gesellschaft bewältigen müssen, muss man hinterfragen, ob die Rettung von insolventen Unternehmen um jeden Preis noch zukunftsfähig ist", sagte Niering.

"Durch die Zahlung von Hilfsgeldern nach dem Gießkannenprinzip bleiben dringend benötigte Fachkräfte in Unternehmen gebunden, die kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell mehr haben." Notwendige Strukturveränderungen dürften nicht durch staatliche Eingriffe hinausgezögert werden.

Der sogenannte Gravenbrucher Kreis sprach sich dagegen aus, die Insolvenzantragspflicht erneut auszusetzen. Die Gruppe von Experten, die viele große Insolvenzverfahren leiten, plädiert dafür, in Reaktion auf die aktuelle Krise Fristen für die Finanzplanung von Firmen zu verkürzen.

Nach geltendem Recht müssen Führungskräfte einen Insolvenzantrag stellen, wenn sie nicht in der Lage sind, eine positive Fortführungsprognose für ihr Unternehmen für die nächsten zwölf Monate darzulegen. "Nach Ansicht des Gravenbrucher Kreises sollte diese Planungsfrist in der aktuellen Krisensituation auf sechs Monate halbiert werden."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Kohle erlebt Comeback durch Trumps Iran-Krieg
15.09.2026

Nach den Prognosen der IEA aus dem vergangenen Jahr hätte das Wachstum des globalen Kohleverbrauchs in diesem Jahr zum Stillstand kommen...

DWN
Technologie
Technologie Rekord: 100.000 Kunden bestellen den neuen BMW iX3
15.09.2026

Der neue BMW iX3 entwickelt sich in Europa zum Verkaufserfolg und erreicht bereits 100.000 Bestellungen. Damit legt das erste Modell der...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Vor Fed-Entscheidung Gold kaum bewegt – droht der nächste Rückschlag?
15.09.2026

Der Goldpreis zeigt sich unmittelbar vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank kaum bewegt. Steigende Renditen, ein fester Dollar und...

DWN
Finanzen
Finanzen Tesla-Aktie: Elektro-Lkw Tesla Semi startet verspätet 2027 in Europa
15.09.2026

Jahre nach der ursprünglichen Ankündigung soll der Tesla Semi den Sprung nach Europa schaffen. Der Elektro-Lkw verspricht hohe Reichweite...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI und Stellenabbau treffen Akademiker: Berufseinstieg immer schwieriger
15.09.2026

Jung, gut gebildet und trotzdem arbeitslos: Immer mehr Akademiker sind in Deutschland auf Jobsuche trotz Fachkräftemangel. Vor allem...

DWN
Finanzen
Finanzen Chip-Ausverkauf drückt Wall Street ins Minus – Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen steigt über 5 Prozent
14.09.2026

Erfahren Sie, welche Entwicklungen die US-Märkte belasten und warum Tech-Anleger jetzt vorsichtig werden.

DWN
Politik
Politik Eisbrecher und Rohstoffe: Europas Pläne für die Arktis
14.09.2026

Europas hoher Norden rückt sicherheitspolitisch und wirtschaftlich ins Zentrum. Mehrere EU-Staaten planen neue Investitionen, engere...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Europa: Der Osten gewinnt, der Westen besitzt
14.09.2026

Fabriken gehen nach Osten. Arbeitsplätze gehen nach Osten. Wo liegen die wertmäßig größten Projekte? Wem gehört das Kapital?