Unternehmen

Kunstmarkt: Berlin und München konkurrieren um Spitzenposition

Ein starker Mittelstand: Die deutschen Auktionshäuser kommen gut über die Corona-Pandemie hinweg, während sich das Interesse der Käufer zunehmend auf hochwertige „Stücke“ konzentriert.
Autor
16.05.2022 16:40
Lesezeit: 2 min
Kunstmarkt: Berlin und München konkurrieren um Spitzenposition
Der Schein trügt: trotz fehlender Bestuhlung läuft das Auktionsgeschäft in 'Deutschland. (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Ein spannendes Kopf-an-Kopf Rennen: Die bayrische Metropole und die Bundeshauptstadt sind mit Abstand die bedeutendsten Kunst-Auktionszentren in Deutschland. Von den vierzig im Bundesverband deutscher Kunstversteigerer e.V. eingetragenen Auktionshäuser führt München die Liste mit acht Häusern an, dicht gefolgt von Berlin mit sieben. Dahinter platzieren sich Köln, Hamburg und Düsseldorf mit jeweils zwei. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 500 Auktionshäuser.

Hierbei weisen einzelne im Bundesverband organisierte Auktionshäuser einen jährlichen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich auf. Die Umsatz-Krösusse sind "Kletterer Kunst" in München, "Villa Grisebach" in Berlin sowie "Van Ham Kunstauktionen" und "Kunsthaus Lempertz" in Köln.

„Um überhaupt in den Verband aufgenommen zu werden, müssen die Häuser bestimmte Qualitätskriterien erfüllen“, sagt Norbert Munsch, Geschäftsführer des Bundesverbandes, gegenüber den DWN. Konkret heißt das: Kunst wird im Gegensatz zu Häusern, die nicht im Bundesverband organisiert sind, nicht verhökert. Bei einigen Häusern kann es durchaus passieren, dass ein Bild auch mal für fünf Euro den Besitzer wechselt. Das ist weder für den Auktionator noch für den Verkäufer ein Geschäft, allerdings handelt es sich dabei meistens um Haushaltsauflösungen. „Unvorstellbar für unsere Häuser“, stellt Munsch klar.

Ein Umstand allerdings vereint alle Auktionshäuser: Sie sind meist starke Familienunternehmen des deutschen Mittelstandes, die auch der Corona-Pandemie erfolgreich die Stirn geboten haben. Zwar weisen verschiedene Auktionshäuser darauf hin, dass die Bestuhlung im Saal weniger geworden sei, gleichzeitig habe man aber die Angebotsabgabe vermehrt ins Internet, auf das Telefon und auf die schriftliche Abgabe eines Gebots verlagert.

So gelang es zum Beispiel dem Auktionshaus "Arnold" aus Frankfurt während der Pandemie, von 100 angebotenen Artikeln durchschnittlich zwischen 90 und 92 Prozent zu verkaufen. Durchaus ein Spitzenwert und ein Beispiel dafür, dass das Geschäft der Auktionshäuser von der Pandemie oder dem Ukraine-Konflikt weitgehend verschont geblieben ist. Ebenso wie die Preisentwicklung von Gold oder Edelsteinen kaum Einfluss auf das Auktionsgeschäft nimmt.

Das Frankfurter Auktionshaus "Höchst Bauer", ein Spezialauktionshaus für Schmuck und Uhren, stellt seit rund fünf Jahren zwar eine insgesamt eher rückläufige Tendenz des Auktionsgeschäfts fest, allerdings wirke sich die Entwicklung des Goldpreises nur bedingt auf das Geschäft aus. Denn: Der Auktionator richtet sich in erster Linie nach den Wünschen der Kunden, weniger nach aktuellen Marktpreisen. Dazu kommt, dass das Auktionsgeschäft nicht ein typisches Geldanlage-Geschäft ist, sondern die „Ware“ dem Käufer auch gefallen muss.

Dagegen stellen einige Auktionatoren fest, dass sich die Käufer verstärkt auf hochpreisige Produkte konzentrieren, die ihren Wert und ihren Markt haben. Auch informieren sich die Käufer im Vergleich zu früher durch das Internet besser über die einzelnen Gegenstände. Dennoch: Die allesentscheidende Frage für den Bieter, aber bleibt: Wie hoch kann ich gehen?

Die Auktionshäuser selbst verlangen für die Versteigerung von Kunst und Antiquitäten durchschnittlich eine Provision zwischen 15 und 27 Prozent auf den sogenannten Hammerpreis, Mehrwertsteuer inbegriffen.

Übrigens sind die deutschen Auktionshäuser im internationalen Maßstab klein: Marktführer Sotheby´s erzielte 2021 einen Umsatz von über sieben Milliarden Dollar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Steuerfalle Online-Slots: Wie die 5,3-Prozent-Abgabe Spieler in den Schwarzmarkt treibt

Seit Mitte 2021 besteuert Deutschland virtuelle Automatenspiele auf den Einsatz statt auf den Gewinn. Ökonomen warnen, dass dieses Modell...

 

DWN
Politik
Politik Ärger um Entgelttransparenz: Deutschland setzt EU-Richtlinie nicht um
18.06.2026

Die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz, die die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen verkleinern soll, gilt bereits. Doch Deutschland...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Evonik streicht weitere 3.200 Jobs und schließt Werk
18.06.2026

Der Chemiekonzern Evonik verschärft seinen Sparkurs und streicht bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen. Gleichzeitig zieht das Unternehmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW verschärft Sparkurs: 28.000 Jobaustritte bereits vereinbart
18.06.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und treibt den Stellenabbau trotz erster Erfolge weiter voran. Konzernchef Oliver Blume sieht das...

DWN
Technologie
Technologie KI treibt die Energiewende voran und erhöht den Druck auf Netzbetreiber
18.06.2026

Millionen neue Stromquellen machen die Steuerung der Netze komplexer denn je – Künstliche Intelligenz soll den Umbau bewältigen und den...

DWN
Panorama
Panorama Elektronische Gesundheitskarte: Gericht stoppt Kassen-Sperre
18.06.2026

Wer seine Krankenkassenbeiträge nicht zahlt, muss Einschränkungen hinnehmen – den Entzug der elektronischen Gesundheitskarte aber...

DWN
Politik
Politik Was könnte billiger werden, wenn der Krieg im Iran tatsächlich zu Ende geht?
18.06.2026

Eine belastbare Waffenruhe zwischen den USA und Iran könnte die Rohstoffmärkte deutlich entlasten. Neben Öl und Gas wären auch Dünger,...

DWN
Politik
Politik Rente, Steuern, Flüge — was sich im Juli ändert
18.06.2026

Wer kann sich über mehr Geld freuen, und was ist neu beim Online-Shopping? Der Juli bringt Änderungen für Millionen Deutsche.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Aughinish Alumina: Die Raffinerie in russischem Besitz, auf die Europa nicht verzichten kann?
18.06.2026

Die irische Raffinerie Aughinish Alumina gehört dem russischen Konzern Rusal und ist zugleich für Europas Aluminiumversorgung zentral....