Wirtschaft

Das WEF als Selbstbedienungsladen: Die Nebengeschäfte des Klaus Schwab

DWN-Kolumnist Ernst Wolff zeigt auf: Der Chef des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, ist ein umtriebiger Geschäftsmann.
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avtor
26.06.2022 11:22
Aktualisiert: 26.06.2022 11:22
Lesezeit: 5 min
Das WEF als Selbstbedienungsladen: Die Nebengeschäfte des Klaus Schwab
WEF-Vorsitzender Klaus Schwab (l) zu Besuch bei Saudi-Arabiens absolutistischem König Salman ibn Abd al-Aziz (r). (Foto: dpa)

Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum (WEF), hat eine hohe Meinung von sich und seiner Stiftung. In seinen Augen verfolgen beide das Ziel, „den Zustand der Welt zu verbessern“ und dabei für „Offenheit und Transparenz“ zu sorgen.

Wie die vergangenen zweieinhalb Jahre gezeigt haben, ist das erste Ziel klar verfehlt worden. Die Corona-Krise und der Ukraine-Krieg haben die Welt nicht besser, sondern um einiges schlechter gemacht, und die Verantwortung dafür tragen zum großen Teil Politiker aus der WEF-Kaderschmiede „Young Global Leaders“. Kein Wunder also, dass Schwab und seine Stiftung in den vergangenen Wochen und Monaten zunehmend in die Kritik geraten sind.

Die Öffentlichkeit scheint sich dabei allerdings mehr für die politischen Aspekte und weniger für Klaus Schwabs persönliche Aktivitäten und sein zweites Ziel „Offenheit und Transparenz“ zu interessieren. Das ist schade, denn schon ein kurzer Blick auf seine Unternehmungen vor Gründung des WEF genügt, um erhebliche Zweifel an Schwabs Offenheit und seinem Bemühen um Transparenz aufkommen zu lassen.

Klaus Schwab in den 1960er Jahren – Atomwaffen für Südafrika

Nach dem Studium der Ingenieurswissenschaften und der Volkswirtschaft arbeitete Schwab von 1963 bis 1966 für den Verband „Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ in Frankfurt. 1967 erwarb er an der Harvard Business School einen Master-Abschluss in Öffentlicher Verwaltung (Master of Public Administration).

Anschließend wurde er Assistent des Verwaltungsratspräsidenten beim Schweizer Industrie-Betrieb „Escher-Wyss“. Dort half er mit, die Fusion mit der Firma „Sulzer“ zu organisieren und den entstehenden Konzern zu einem Technologie-Unternehmen umzubauen.

Dank eines Berichts der Schweizer Behörden wissen wir heute, dass genau dieses Technologie-Unternehmen in den 1960er Jahren heimlich begann, an einem äußerst brisanten Projekt teilzunehmen: Es erstellte Schlüsselteile für das von den USA im Zuge des Wettrüstens mit der Sowjetunion geförderten Atomwaffenprogramms – und zwar zugunsten des südafrikanischen Apartheid-Regimes.

Schwab plädiert seit über fünfzig Jahren im Rahmen des WEF für eine atomwaffenfreie Welt. Es ist mehr als erstaunlich, dass er vor seiner Zeit als dessen Chef ganz offensichtlich keine Hemmungen hatte, eine rassistische Regierung bei der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen zu unterstützen.

Das WEF und das Konzept des “Stakeholder-Kapitalismus“

1971 gründete Schwab das „European Management Forum“, das 1987 in World Economic Forum umbenannt und zu einer historisch einmaligen Erfolgsstory wurde. Noch nie in der Geschichte ist es einem einzelnen Menschen gelungen, die politische und korporative Elite der Welt so eng mit der ultrareichen Elite rund um den Globus zu vernetzen.

Besonders hilfreich war dabei Schwabs medienwirksam inszenierte Abkehr vom Neoliberalismus, der ab 1973 wegen des blutigen Putsches in Chile und der drastischen Reorganisation der chilenischen Wirtschaft durch Milton Friedmans „Chicago boys“ immer stärker in die Kritik geriet. Schwab setzte stattdessen auf den „Stakeholder-Kapitalismus“. Ihm zufolge sollen Unternehmen so geführt werden, dass sie nicht ihren Aktionären, sondern dem Wohl von Kunden, Arbeitnehmern und der Gemeinschaft dienen.

Bei diesem geschickten ideologischen Schachzug handelte es sich allerdings um eine reine Täuschung der Öffentlichkeit, denn keines der im WEF organisierten Unternehmen hat diese Ansprüche je ernst genommen oder gar erfüllt. Dafür aber hat das Propagieren des „Stakeholder-Kapitalismus“ dem WEF ein überaus nützliches Feigenblatt verliehen und ihm bis heute ermöglicht, die Weltöffentlichkeit vom wichtigsten Trend der vergangenen fünfzig Jahre abzulenken - der immer höheren Konzentration von Vermögen und Macht in immer weniger Händen.

Schwab und seine Auslegung der „Public Private Partnership“

Schwabs zweites Lieblingsthema neben dem „Stakeholder-Kapitalismus“ ist die „Public Private Partnership“, also die Partnerschaft zwischen Behörden und Unternehmertum, die er in unzähligen Reden als wichtigsten Baustein für die Zukunft der Welt angepriesen hat.

Was er tatsächlich darunter versteht, hat er im Rahmen der Geldbeschaffung für das WEF selbst gezeigt. Um die Finanzen der Stiftung aufzubessern, bot er Konzernen „Partnerschaften“ an, welche mit der Zeit immer teurer wurden und dazu beitrugen, dass es in der Kasse des WEF kräftig klingelte. Aber nicht nur dort: Schwab selbst nutzte seine Beziehungen auch, um sein Einkommen, das zurzeit etwa eine Million Franken pro Jahr beträgt, aufzubessern.

So übernahm er als Chef einer vermeintlich gemeinnützigen Stiftung zahlreiche Posten, zum Beispiel im Aufsichtsrat der SMH (heute Swatch) und beim Schweizer Investmenthaus Vontobel. Nebenbei verschaffte er mehreren Familienmitgliedern, unter anderen seinen Kindern Olivier und Nicole, seinem Neffen Hans Schwab und seinem Halbneffen Hans-Jörg Schwab, hochdotierte Posten innerhalb des WEF. Zudem gründete er 1998 zusammen mit seiner Frau Hilde eine weitere Stiftung - die „Schwab Foundation for Social Entrepreneurship“ (zu Deutsch: Schwab Stiftung für soziales Unternehmertum).

Laut dem Registrierungsformular besteht ihr Zweck darin, "spezielle Projekte des WEF zu unterstützen, die außerhalb der normalen Aktivitäten des Forums liegen.“ Das allerdings geschah, wie die folgenden Beispiele zeigen, offensichtlich nicht ganz uneigennützig.

Interessenskonflikte? Gab es für Schwab nie

Bereits 1997 hatte Schwab im US-Staat Massachusetts das Unternehmen „Advanced Video Communications Inc.“ (AVC) gegründet. Dessen Ziel war es, ein globales Desktop-Videokonferenzsystem für Mitglieder des WEF zu entwickeln.

Als Anfang 1998 durchschimmerte, dass die Kerntechnologie hinter AVC durch das Internet überholt werden würde, fädelte Schwab über seine neue Stiftung ein Geschäft mit einem anderen AVC-Investor ein. „USWeb“, ebenfalls WEF-Mitglied, gab im Juni 1998 bekannt, dass das WEF ihm einen langfristigen Vertrag über acht Millionen Dollar zur Übernahme des Projekts von AVC erteilt habe. Im Rahmen dieser Vereinbarung erwarb USWeb auch die Vermögenswerte von AVC.

Knapp zwei Wochen später trat Klaus Schwab in den Vorstand von USWeb ein und erhielt wie andere Vorstandsmitglieder Optionen für 25.000 Aktien. Der Kritik an seinem Verhalten begegnete Schwab mit dem Hinweis, dass er zur Vermeidung eines Interessenkonflikts den Geschäftsführer des WEF, also seinen eigenen Untergebenen, mit der Prüfung des Vertrags beauftragt habe.

Ein besonderes Licht auf die vielen geschickten Schachzüge des Klaus Schwab wirft auch sein Engagement bei den Firmen „Think Tools“ und „Industry-to-Industry“ (i2i).

Bereits kurz nach ihrer Gründung übernahm die Schwab Foundation vom WEF das Eigentum an der von Schwab selbst 1988 gegründeten „World Link Communication Development AG“. Auf die Frage nach dem Preis wurde nur angegeben, dass es sich um den Buchwert des Unternehmens handele. World Link erwarb noch im selben Jahr eine Beteiligung an einem privaten, in Zürich ansässigen Problemlösungs-Unternehmen namens „Think Tools AG“.

Think Tools ernannte Klaus Schwab einige Zeit darauf zu seinem stellvertretenden Vorsitzenden, ging im Frühjahr 2000 an die Schweizer Börse und machte Schwabs Stiftung über Nacht um mehrere Millionen Franken reicher.

Nicht weniger dubios sind die Umstände von Schwabs Investment in die US-Auktions-Site Industry to Industry (i2i). Als SAP-Chef Hasso Plattner 1999 40 Prozent der Anteile erwarb, pumpten weitere Unternehmen 16 Millionen Dollar in die Firma, darunter die Züricher Bank „Vontobel“. Mit beteiligt an dieser Entscheidung war Klaus Schwab, der im Verwaltungsrat saß und kurz darauf zu dessen Vizepräsidenten ernannt wurde.

Das Stiftungsrecht begünstigt Menschen wie Klaus Schwab

Wer die Geschichte des WEF kennt, weiß, dass Klaus Schwab seit mehr als fünfzig Jahren im globalen Politgetriebe eine durchaus umstrittene Rolle spielt. Dass er das WEF auch für andere Zwecke benutzt hat, ist bisher kaum bekannt.

Rechtliche Schritte gegen ihn sind allerdings höchst unwahrscheinlich, denn Schwab hat einen hervorragenden Verbündeten: das Stiftungsrecht. Es wird der breiten Öffentlichkeit immer als ein gesetzliches Instrument präsentiert, das es wohlhabenden Menschen ermöglicht, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und sich als Philanthropen zu betätigen.

Das jedoch ist reine Augenwischerei. Das Stiftungsrecht dient international vor allem dazu, wohlhabenden Menschen dabei zu helfen, Steuern zu sparen und Geschäfte, die der Öffentlichkeit vorenthalten werden sollen, hinter ihrem Rücken (zum Beispiel über Briefkastenfirmen) zu tätigen und sie so vor den Aufsichtsbehörden und der Justiz zu verstecken.

Die Kritik an Klaus Schwabs intransparenten Geschäften sollte deshalb nicht bei seiner Person haltmachen, sondern den Fokus unbedingt auf gesetzliche Regelungen lenken, die alles andere als gerecht sind und im Interesse der Allgemeinheit unbedingt abgeschafft werden sollten - und zwar international.

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Ernst Wolff, 69, befasst sich mit der Wechselbeziehung zwischen internationaler Politik und globaler Finanzwirtschaft.

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