Wirtschaft

Brände in Südeuropa wüten weiter, Hitzewelle erreicht Deutschland

Hitze und Trockenheit haben in Südeuropa Waldbrände begünstigt. Auf Deutschland kommt in den kommenden Tagen eine Hitzewelle mit Höchstwerten von 40 Grad zu.
16.07.2022 14:31
Lesezeit: 4 min
Brände in Südeuropa wüten weiter, Hitzewelle erreicht Deutschland
Feuerwehrleute bemühten sich am Freitag zwei Waldbrände in der Region Bordeaux einzudämmen, die mehr als 7.000 Hektar Land verwüstet haben. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Hitze, Trockenheit und Waldbrände setzen weiten Teilen Südeuropas weiterhin schwer zu. In Portugal starb ein Pilot beim Absturz seines Löschflugzeugs. Im italienischen Adria-Badeort Bibione flohen Touristen wegen eines Waldbrandes ins Meer und wurden dort von der Küstenwache gerettet. Auch in Deutschland könnte es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) am Dienstag örtlich bis zu 40 Grad heiß werden.

Das einmotorige Wasserflugzeug sei am Freitagnachmittag aus ungeklärter Ursache in der Nähe der Stadt Vila Nova de Foz Côa im Nordosten Portugals, etwa 200 Kilometer östlich von Porto, abgestürzt, berichtete die Zeitung "Público" unter Berufung auf den Zivilschutz. Der 38-jährige Pilot André Serra habe nur noch tot geborgen werden können. "Er wird für seinen Mut, seine Tapferkeit und seinen Einsatz in Erinnerung bleiben", würdigte das Präsidentenamt in Lissabon den verunglückten Piloten.

Die Maschine war an der Bekämpfung eines Waldbrandes in der Region Torre de Moncorvo beteiligt. Zurzeit wüten in dem beliebten Urlaubsland 13 größere und Dutzende kleinere Feuer, wie der Zivilschutz mitteilte. Touristen- und größere Wohngebiete waren allerdings vorerst nicht in Gefahr. Insgesamt sind etwa 1000 Brandbekämpfer im Einsatz.

Die vor einer Woche begonnene Brandserie wird von einer bereits seit vielen Monaten anhaltenden Dürre und Hitze begünstigt. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF zerstörten die Flammen in nur einer Woche mehr als 25 000 Hektar - das entspricht einer Fläche von ungefähr 35 000 Fußballfeldern.

Portugal leidet wie das Nachbarland Spanien unter Temperaturen von in der Spitze über 40 Grad. In Spanien wurden am Samstagmorgen insgesamt 33 Waldbrände registriert, von denen 14 außer Kontrolle waren. In der Nähe von Málaga mussten 2300 Menschen wegen nahender Flammen ihre Häuser in der Stadt Alhaurín el Grande verlassen, wie die Zeitung "El País" berichtete.

Im norditalienischen Adria-Badeort Bibione sind Touristen wegen eines Waldbrandes ins Meer geflohen und wurden dort von der Küstenwache gerettet. Der Brand in der bei deutschen Urlaubern beliebten Gegend brach laut Medienberichten am Freitagnachmittag aus. Ob Deutsche unter den Geretteten seien, konnte die Küstenwache am Samstag auf Nachfrage zunächst nicht bestätigen. Mehrere Feuerwehren und auch ein Löschhubschrauber kämpften gegen die Flammen an der Grenze zwischen den Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien. Am Samstag lief der Einsatz weiter.

Auf Videos war zu sehen, wie sich Feuer an den Bäumen hoch fraß und dichter Qualm in den Himmel stieg, der noch aus kilometerweiter Entfernung zu sehen war. "Wir hoffen, dass es nicht in den kommenden Stunden widerrufen wird, aber es sollte keine Vermissten geben", sagte der stellvertretende Bürgermeister von San Michele al Tagliamento, Pierluigi Grosseto, der Nachrichtenagentur Ansa. Die Polizei ermittle zur Brandursache. Wegen der Dürre ist es laut Grosseto möglich, dass sich die Flammen selbst entzündeten. Vier Feuerherde hätten die Einsatzkräfte bekämpft.

Im Zusammenhang mit der extremen Dürre kämpfen derzeit in Italien landesweit Feuerwehren gegen Wald- und Buschbrände. In der Kommune Gereut (Frassilongo) im norditalienischen Trentino rückten am Freitag 90 Feuerwehrleute, zwei Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge wegen eines Waldbrandes in einem Gebiet von rund 70 Hektar aus. Am Samstag wurden die Löscharbeiten fortgesetzt. Der Zivilschutz mahnte, sich dem Gebiet nicht zu nähern. Das Wander- und Skigebiet liegt östlich von Trient.

In der Toskana musste die Feuerwehr von Lucca am Freitag in einem brennenden Olivenhain Brände löschen. Auf Sizilien und Sardinien loderten ebenfalls Wald- und Buschbrände, bei deren Bekämpfung Löschflugzeuge zum Einsatz kamen.

Der Waldbrand, der seit Freitag auf der Urlaubsinsel Kreta südlich der Hafenstadt Rethymno tobte, wurde am Samstagmorgen unter Kontrolle gebracht. Man habe die ganze Nacht über den Kampf gegen die Flammen geführt, teilte die griechische Feuerwehr mit. Sechs Dörfer seien evakuiert worden. Obwohl das Feuer nah an die Siedlungen herankam, seien keine Häuser beschädigt worden, sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Agios Vasilios, am Samstag dem Sender Skai.

Das Ministerium für Klimakrise und Bürgerschutz warnte für Samstag erneut vor "sehr hohem Waldbrandrisiko" in fünf Regionen in Griechenland. Die Warnstufe vier (von fünf) gilt unter anderem für die Region Attika mit der Hauptstadt Athen sowie die Inseln Euböa, Kreta, Chios und Samos. Die Behörden appellieren an die Menschen, im Freien unter keinen Umständen mit Feuer zu hantieren.

An der französischen Atlantikküste südlich von Bordeaux gibt es nach tagelangen Löscharbeiten Hoffnung auf eine Beruhigung eines der zwei großen Waldbrände. Die verbrannte Fläche bei Teste-de-Buch habe über Nacht nicht zugenommen, teilte die Präfektur der Gironde am Samstagmorgen mit. Das Feuer sei aber noch nicht unter Kontrolle und das Risiko hoch, dass es wieder aufflamme. Der Bürgermeister des Orts, Patrick Davet, sagte dem französischen Sender France Info: "Die Situation ist besorgniserregend, aber wir haben viel Hoffnung."

Anders sieht es bei dem zweiten großen Waldbrand in der Gegend aus. Das Feuer bei Landiras verbrannte in der Nacht etwa 1000 weitere Hektar Land. Die Situation bleibe ungünstig, Winde brächten das Feuer Richtung Südosten. Feuerwehrleute sind bereits seit Dienstag im Einsatz, um die beiden großen Waldbrände zu löschen. Insgesamt wurden mehr als 9600 Hektar Land zerstört. Mehr als 12 000 Menschen wurden vorsichtshalber aus ihren Wohnungen oder von ihrem Ferienort in Sicherheit gebracht.

Hitzewelle erreicht Deutschland - Bis zu 40 Grad am Dienstag erwartet

Auf Deutschland kommt in den kommenden Tagen eine Hitzewelle mit Höchstwerten bis zu 40 Grad zu. Am Sonntag verbreite sich landesweit viel Sonne, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Samstag mit. Nur im Norden könnten dichtere Wolken durchziehen. Den Meteorologen zufolge werden im Südwesten die höchsten Temperaturen erreicht. Dort sollen sie auf 25 bis 31 Grad klettern. Im Norden und Osten liegen die Höchstwerte zwischen 20 und 24 Grad. In der Nacht zu Montag kühle es auf 16 bis 8 Grad ab.

Die Woche startet sonnig mit lockeren Schleierwolken. Am Montag steigen die Temperaturen laut DWD auf 29 bis 34 Grad, während es im Westen und Südwesten bis zu 36 Grad werden soll. Die Küsten blieben hingegen von der Hitze verschont. In diesen Regionen erwarten die Meteorologen 20 bis 25 Grad.

Am Dienstag rechnet der DWD mit dem vorläufigen Höhepunkt der Hitzewelle. Im Südwesten und Westen soll eventuell die 40-Grad-Marke geknackt werden. Im Nordosten liegen die Maximalwerte zwischen 30 und 34 Grad. In der Nacht zu Mittwoch könnten im äußersten Westen und Südwesten Schauer aufziehen, einzelne Gewitter seien nicht ausgeschlossen.

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