Politik

Neue Eskalation: Türkei fordert Nato-Partner USA zum Abzug aus Syrien auf

Zwischen den Nato-Partnern Türkei und USA kommt es zu neuen Spannungen. Die türkische Regierung fordert die in Syrien stationierten US-Truppen auf, umgehend das Land zu verlassen.
27.07.2022 11:56
Lesezeit: 2 min
Neue Eskalation: Türkei fordert Nato-Partner USA zum Abzug aus Syrien auf
Im Juni 2022 trafen sich Tayyip Erdogan und Joe Biden beim Nato-Gipfel in Madrid. (Foto: dpa)

Die türkische Regierung hat die US-Armee öffentlich zu einem Abzug aus Syrien aufgerufen. Wie der englischsprachige Dienst von Hürriyet Daily News berichtet, sollen die US-Truppen nach dem Willen der Regierung in Ankara ihre Präsenz östlich des Euphrats aufgeben und auch die Unterstützung der kurdischen YPG-Miliz einstellen.

Bemerkenswert ist, dass der türkische Präsident diesen Wunsch nach seiner Rückkehr von einem Treffen mit dem russischen Präsidenten und der iranischen Regierung in Teheran vergangene Woche vortrug: „Amerika sollte den Osten des Euphrats jetzt verlassen. Dies ist eine Erkenntnis des Astana-Prozesses. Sie sagen, dass Amerika seine Truppen östlich des Euphrats abziehen sollte. Dies ist auch die Erwartung der Türkei“, zitiert Hürriyet Daily News Recep Tayyib Erdogan.

Erdogan sagte weiter: „Weil Amerika Terror-Organisationen (wie die YPG – die Red.) unterstützt und weil wir gegen diese Terror-Organisationen kämpfen, wäre unsere Arbeit leichter, wenn sie sich dort zurückziehen oder ihre Unterstützung einstellen. (…) In unseren Treffen mit Herr Biden sagten wir dies: ‚Sie beliefern sie mit Lastwagen voller Waffen. Sie geben diesen Terroristen Unterstützung. Dann sagen Sie aber, dass wir alle gemeinsam in der Nato im Kampf gegen den Terror zusammenstehen. Stehen wir wirklich zusammen?“

Bemerkenswert ist, dass Erdogan offensichtlich keinen Abzug von US-Truppen aus dem südlichen Syrien fordert. Dort verfügt die US-Armee über einen großen Stützpunkt nahe der Ortschaft Al-Tanf.

Baerbock kritisiert Foto mit Putin und Raisi

Die Türkei bereitet eigenen Angaben zufolge derzeit eine neue Militäroperation in Syrien gegen die Kurden-Milizen im Norden vor. Zudem ist ihr Militär seit Wochen im nördlichen Irak aktiv, um gegen PKK-Milizen zu kämpfen.

Lesen Sie dazu: Türkei beschießt Touristenregion im Irak - Bagdad bestellt Botschafter ein

Außenministerin Annalena Baerbock hat den türkischen Staatschef für dessen Pose auf einem Gruppenfoto mit den Präsidenten Russlands und des Irans kritisiert. Das Bild, entstanden am vergangenen Dienstag bei einem Gipfeltreffen Erdogans mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi in Teheran, zeigt die drei Staatsoberhäupter, wie sie sich lächelnd an den Händen halten. „Dass der türkische Präsident mit auf diesem Foto ist, das ist eine Herausforderung, um es mal freundlich zu sagen“, sagte Baerbock am Freitagabend im Bild-Format «Die richtigen Fragen».

Die Türkei als Nato-Staat gebe der Ukraine militärisch „massive Unterstützung“ im Krieg gegen den Angreifer Russland und sei auch am jüngsten Abkommen zur Sicherung ukrainischer Getreideexporte beteiligt, merkte die Grünen-Politikerin an. „Deswegen ist mir dieses Foto mehr als unverständlich, gerade aus Sicht eines Nato-Mitglieds.“ Die Konstellation auf dem Bild zeige zudem, wie wichtig es sei, „dass wir mit Wertepartnern zusammenstehen“, die „an die internationalen Regeln nicht nur glauben, sondern für sie eintreten“, fügte Baerbock hinzu. „Weil es gibt andere Akteure, die nicht für unsere Werte einstehen, und die verbünden sich im Zweifel auch.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Saatgutproduzent Christopher Rudloff im Interview: „Wir können keine Sonderschichten fahren“
04.10.2026

Hitze erreicht die Bilanz von Saatgutproduzenten mit zwei Jahren Verzögerung. Christopher Rudloff führt die RUDLOFF GmbH in Sereetz bei...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienvermögen: Warum Erben Arbeit schlägt
04.10.2026

Deutschlands Wohlstandsversprechen gerät ins Wanken: Während Immobilien- und Erbschaftsvermögen immer wichtiger werden, lässt sich mit...

DWN
Politik
Politik Handwerkerbonus wird gekappt: Bis zu 300 Euro weniger – Fiskus profitiert
04.10.2026

Mehr Geld im Portemonnaie – das verspricht die Einkommensteuerreform 2027. Beim Handwerkerbonus passiert das Gegenteil: Statt 1.200 Euro...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....

DWN
Politik
Politik Bundesregierung sucht Erfolgsgeschichten: Klingbeils schwierige Mission
04.10.2026

Lars Klingbeil will zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung inzwischen auf Baustellen oder in der Forschung...

DWN
Panorama
Panorama In Polen wächst die Zahl der Ultrareichen weltweit am schnellsten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
04.10.2026

In keinem anderen untersuchten Land ist die Zahl der Ultrareichen zuletzt so stark gestiegen wie in Polen. Dahinter stehen ein stärkerer...