Politik

USA prüfen und genehmigen zahlreiche Luftangriffe Israels auf Ziele in Syrien

Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat Israel in den letzten Jahren viele seiner Luftangriffe in Syrien heimlich mit den USA koordiniert.
18.06.2022 17:20
Lesezeit: 2 min
USA prüfen und genehmigen zahlreiche Luftangriffe Israels auf Ziele in Syrien
Ein F-15 I-Kampfjet der israelischen Luftwaffe wirft Leuchtraketen ab. Angriffe in Syrien sind mit den USA koordiniert. (Foto: dpa) Foto: Atef Safadi

Israel bombardiert regelmäßig Ziele in Syrien und rechtfertigt dies als Angriffe auf den Iran oder die Hisbollah. Allerdings werden bei den zahlreichen israelischen Luftangriffen oft auch syrische Regierungstruppen und Mitglieder der irakischen Schiitenmilizen getötet. Bei den jüngsten israelischen Luftangriffen auf Syrien wurde sogar der internationale Flughafen von Damaskus lahmgelegt.

Viele dieser Luftangriffe auf Ziele in Syrien hat Israel hinter den Kulissen heimlich mit den USA koordiniert. Hochrangige Beamte des US-Zentralkommandos CENTCOM haben in den letzten Jahren zahlreiche Angriffspläne des israelischen Militärs auf Ziele in Syrien geprüft und genehmigt, wie das Wall Street Journal berichtet.

Aktuellen und ehemaligen US-Beamten zufolge liegt der Schwerpunkt der Koordinierung mit Israel auf Luftangriffen, die in der Nähe der al-Tanf-Garnison stattfinden, einer US-Militärbasis im Süden Syriens nahe der Grenze zu Jordanien. Die überwiegende Mehrheit der Angriffe in diesem Gebiet seien von den USA genehmigt worden.

Die Israelis begannen ihre Luftangriffe in der Nähe von al-Tanf im Jahr 2017, um die syrische Luftabwehr zu umgehen. Den Beamten zufolge wird das CENTCOM vorab über die Pläne informiert. Das Kommando führt eine Überprüfung der Operation durch und benachrichtigt auch den US-Verteidigungsminister und den Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff.

Israel hat im Übrigen auch die russischen Streitkräfte auf dem Luftwaffenstützpunkt Khmeimim im Westen Syriens über geplante Angriffe informiert, um eine direkte Konfrontation mit Moskau zu vermeiden.

In mindestens zwei Fällen haben die USA Israel gebeten, Angriffe zu unterbrechen, damit sensible Operationen des US-Militärs nicht kompliziert werden. Ein solcher Fall ereignete sich, als die USA den Delta Force-Angriff 2019 im Nordwesten Syriens planten, bei dem ISIS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi getötet wurde. Ein anderer Fall ereignete sich, als die USA gegen ISIS-Kämpfer im Euphrat-Tal besonders aktiv war.

Dem Bericht des Wall Street Journal zufolge überprüfen die USA aber nicht alle israelischen Operationen in Syrien und helfen Israel auch nicht bei der Auswahl seiner Ziele. Eine beträchtliche Anzahl israelischer Luftangriffe in Syrien geht nicht über al-Tanf hinaus, darunter auch der Angriff auf den Flughafen der Hauptstadt Damaskus in Südwestsyrien.

Der Iran hat bereits versucht, die USA unter Druck zu setzen, damit sie Israel dazu zu bewegen, die Angriffe auf iranische Ziele in Syrien zu reduzieren. Im Oktober führte der Iran einen Drohnenangriff auf die al-Tanf-Garnison durch, den amerikanische Beamte als Reaktion auf einen israelischen Angriff auf iranische Truppen werteten. Bei diesem Angriff wurden keine Amerikaner verletzt.

"Die Amerikaner unterstützen stillschweigend die Israelis in ihren Bemühungen, die Iraner an der Verbreitung von Waffen und am Ausbau ihres Einflusses in der Region zu hindern. Aber es gibt auch ein ständiges Zögern, wenn es darum geht, irgendwelche Fingerabdrücke zu hinterlassen", sagte Dennis Ross, ein ehemaliger US-Friedensbeauftragter für den Nahen Osten, der jetzt Berater am Washingtoner Institut für Nahostpolitik ist, einer Denkfabrik in Washington.

Die USA haben etwa 1.000 Soldaten im Osten Syriens stationiert. Offiziell geht es bei der Präsenz um die Unterstützung der kurdisch geführten SDF im Kampf gegen ISIS. Jedoch geht es bei der militärischen Präsenz auch darum, Druck auf Syrien auszuüben. Die USA haben auch umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Syrien verhängt.

Washington hat die israelischen Militäroperationen gegen Syrien in der Vergangenheit stets stillschweigend gebilligt. Der Bericht des Wall Street Journal vom Donnerstag ist jedoch das erste Mal, dass eine große amerikanische Zeitung über die enge Koordinierung der Luftangriffe zwischen Israel und den USA in Syrien berichtet.

Bereits im Jahr 2019 schrieb Brett McGurk, der heute oberster Nahost-Beauftragte im Nationalen Sicherheitsrat von Präsident Joe Biden ist, in der Washington Post, dass der damals von Präsident Donald Trump angedachte Rückzug aus Syrien ein Fehler sei und dass die USA stattdessen die israelischen Luftangriffe in Syrien unterstützen sollten.

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