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Tausende Euro Ersparnis: Wie sich Auswandern finanziell lohnt

Jedes Jahr wandern hunderttausende Deutsche aus. Finanziell gesehen dürfte es sich für viele richtig lohnen. Doch es gibt auch Nachteile. 
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07.08.2022 10:01
Aktualisiert: 07.08.2022 10:01
Lesezeit: 4 min
Tausende Euro Ersparnis: Wie sich Auswandern finanziell lohnt
Eine Auswanderung muss gründlich vorbereitet sein. Wir haben Tipps vom Steuerberater. (Foto: iStock.com/Choreograph) Foto: Choreograph

Peter* hat sich im Jahr 2019 entschieden, nach Zypern auszuwandern. Damals hatte die Auswanderung vor allem finanzielle Gründe, berichtet der 30-jährige Online-Unternehmer. „In Deutschland würde ich effektiv über 40 Prozent an Steuern und Abgaben zahlen, in Zypern fallen rund 15 Prozent an. Außerdem muss ich mich bloß 60 Tage im Jahr auf Zypern aufhalten, um eine Steuerpflicht auszulösen.“

Wie Peter wandern jedes Jahr hunderttausende Deutsche aus – vor allem in die Schweiz, Österreich und die USA. Seit dem Jahr 2004 verließen jährlich mehr Staatsbürger das Land, als zurückkehrten. Allein im Jahr 2019 lag der Saldo bei 58.000 Personen. Die Mehrheit geht aus beruflichen Gründen weg, etwa die Hälfte will wieder zurückkehren und 30 Prozent sind unentschieden, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) herausgefunden hat. Auch finanziell profitieren die Auswanderer massiv.

Laut dem Steuerberater Michael Wohlfart kann sich eine Auswanderung bereits bei relativ geringen Einkünften rechnen. „Wenn man sich auf die steuerlich attraktiven Zielländer fokussiert – in Europa ist das vor allem Zypern – dann kann sich eine Auswanderung sehr lohnen“, sagt der Experte für internationales Steuerrecht der Bonner Kanzlei kwpartners. Bereits ab 40.000 Euro könne sich das rechnen, ab 60.000 Euro Bruttoeinkommen lohne es sich „massiv“.

Mehr netto vom brutto

Wohlfart rechnet es am Beispiel von Zypern vor: Ein lediger Selbstständiger unterliege in Deutschland bei Einkünften von 40.000 Euro einem Durchschnittssteuersatz von 21 Prozent. Das entspreche einer Steuerlast von 8.100 Euro, wozu noch Ausgaben für die Sozialversicherungen kämen. In Zypern würden Unternehmensgewinne mit 12,5 Prozent besteuert. Die Sozialabgaben lägen bei 2,65 Prozent. „Ein Selbstständiger mit einem steuerpflichtigen Einkommen von 40.000 Euro müsste .5000 Euro an Steuern und Abgaben zahlen und würde somit mindestens 3.100 Euro pro Jahr sparen.“

Dabei sei grundsätzlich egal, ob der Auswanderer Unternehmer, Freiberufler oder Angestellter sei. Jeder könne von einem günstigeren Steuersystem profitieren, erklärt Wohlfart. „Es hängt vor allem von dem Steuersystem des Ziellandes ab und dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen“, sagt er. In Dubai, Panama und anderen Ländern sei es sogar im Einzelfall möglich, gar keine Steuern zu bezahlen.

Außerdem sind auch die Sozialabgaben entscheidend. Viele Länder lassen die Bürger selbst entscheiden, ob oder wie sie sich sozialversichern. Mit einer internationalen Krankenversicherung kommen Auswanderer teils deutlich billiger weg. Die Kosten liegen je nach Auswanderungsland bereits bei 100 Euro pro Monat. „Allerdings steigen die Beiträge im Alter deutlich“, sagt Wohlfart.

Vorteil von 1.200 Euro pro Monat

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) hat bereits im Jahr 2019 herausgefunden, wie sehr Auswanderer profitieren. Die Bundesanstalt befragte 10.000 deutsche Staatsbürger, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 auswanderten. Demnach stieg der Nettoverdienst von Vollbeschäftigten kaufkraftbereinigt innerhalb eines Jahres um durchschnittlich 1.200 Euro pro Monat.

Zwar waren die Auswanderer überdurchschnittlich qualifiziert – drei Viertel hatten einen Hochschulabschluss –, aber die Nichtakademiker konnten das Einkommen sogar noch kräftiger steigern als die Akademiker. Insgesamt sagten 60 Prozent aller Befragten, dass sich das Einkommen und der Lebensstandard verbessert habe.

Gleichwohl hatte der finanzielle Gewinn einen Preis: Viele Auswanderer berichteten von einem kleineren Bekannten- und Freundeskreis im Ausland. Das zeige sich über verschiedene Berufs- und Einkommensgruppen hinweg, erklärt das BiB in einer weiteren Untersuchung aus dem Jahr 2015. Besonders Familien mit Kindern und die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen berichteten von sozialen Einschnitten. Personen über 50 Jahre und besonders Rentner fühlten sich sozial besser integriert, schreiben die Forscher.

Fokus auf Netzwerken

„Einflussreicher ist vermutlich, ob die Auswanderer im Zielland über Netzwerke verfügen oder nicht“, vermuten die Autoren. Personen mit Migrationshintergrund würden sich nämlich viel öfters sozial verankert fühlen. Das deute einerseits auf ein soziales Netzwerk hin, weil sie möglicherweise in ihr Herkunftsland zurückkehrten. Andererseits hätten Leute mit Migrationshintergrund womöglich eine besondere „Mobilitätskompetenz“, weil sie an ein Leben in einem fremden Land gewohnt seien.

Michael Wohlfart rät davon ab, bloß aus finanziellen Gründen auszuwandern. „Zuallererst sollte man sich im Zielland wohlfühlen“, sag tder Steuerberater, der selbst vor Jahren nach Zypern ausgewandert ist. Auch Peter warnt davor, die kulturellen Unterschiede zu unterschätzen. „Man sollte sich fragen: Wiegen die steuerlichen Vorteile die kulturellen Nachteile auf“, sagt er. Etwa Korruption im Alltag, eine schlechtere Infrastruktur oder die fremde Sprache.

Ein weiteres Risiko ist der sogenannte Paternoster-Effekt: Bei der Rückkehr nach Deutschland müssen viele Auswanderer Gehaltsverluste hinnehmen. Bloß die Einkommen von sehr hoch Qualifizierten – also Wissenschaftlern oder Führungskräften – würden zumeist nicht fallen, berichtet das BiB.

Was müssen Auswanderer beachten?

Jeden einzelnen Schritt der Auswanderung solle man sauber dokumentieren, erklärt Michael Wohlfart. „Wenn das Finanzamt Fragen stellt, passiert das in der Regel erst nach drei bis fünf Jahren“, erklärt er. Erstens gelte das für die Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht. Hier reiche es nicht, seinen Wohnsitz in Deutschland abzumelden. „Ich muss zum Beispiel meine Mietwohnung kündigen, alle Vereinsmitgliedschaften beenden, weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland sein und meinem Lebensmittelpunkt in einem anderen Land haben – und das alles nachweisen können“, erklärt Wohlfart.

Zweitens drohen Unternehmern hohe Wegzugssteuern. „Wenn ich mein Unternehmen ins Ausland verlagere, entziehe ich dem deutschen Staat Besteuerungssubstrat“, sagt Wohlfart. „Dann führt das automatisch zu einer Besteuerung.“ Entscheidend sei der Wert des Unternehmens, den man unbedingt zum Zeitpunkt der Auswanderung sauber dokumentieren müsse. Bei Unternehmensgewinnen von über 200.000 Euro pro Jahr sei es am besten, ein Gutachten von einem Wirtschaftsprüfer erstellen zu lassen.

Drittens müsse man ein Unternehmen oder die freiberufliche Tätigkeit im Ausland rechtlich sicher aufzusetzen. Unter Umständen könne eine sogenannte beschränkte oder eine erweitert beschränkte Steuerpflicht ausgelöst werden.

Als Angestellter auszuwandern sei besonders schwierig, erklärt Wohlfart. „Die Unternehmen scheuen sich, das zuzulassen. Arbeitsrechtlich sind Homeoffice oder Arbeit aus dem Ausland nicht klar geregelt. Außerdem ist der Aufwand für die Unternehmen bei Steuern und Sozialabgaben höher.“ Hier müsse ein Angestellter sich gut informieren und dem Unternehmer die Angst nehmen. Im Zweifel sei es besser, als Freelancer für den Arbeitgeber vom Ausland aus weiterzuarbeiten.

*Name von der Redaktion geändert

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