Politik

Auf der Suche nach Erdgas: Deutschland blitzt in Norwegen ab

Norwegen kann seine Gaslieferungen nach Deutschland nicht ausweiten. Damit fällt ein weiteres Land als Energie-Lieferant aus.
16.08.2022 09:55
Aktualisiert: 16.08.2022 09:55
Lesezeit: 1 min
Auf der Suche nach Erdgas: Deutschland blitzt in Norwegen ab
Bundeskanzler Olaf Scholz und Jonas Gahr Store, Ministerpräsident von Norwegen. (Foto: dpa)

Norwegen hat nach Angaben von Ministerpräsident Jonas Gahr Store derzeit keine Möglichkeiten, seine Gaslieferungen an Deutschland und Europa auszuweiten. „Norwegen liefert maximal das, was wir liefern können“, sagte Store am Montag in Oslo nach einem Treffen mit Kanzler Olaf Scholz. Damit zerschlägt sich nach Katar auch bei einem weiteren Land die Hoffnung, schnell zusätzliche Lieferanten als Ersatz für russisches Gas zu finden. Scholz dankte Store dafür, dass Norwegen aber ein sehr verlässlicher Lieferant sei.

Man habe die Produktion nach dem russischen Angriff auf die Ukraine bereits um fast zehn Prozent erhöht, betonte der norwegische Ministerpräsident. Es sei zudem nicht an der norwegischen Regierung zu entscheiden, ob eine Produktion sicher ausgeweitet werden könne. „Wir können nicht politisch bestimmen, wir machen einfach noch mehr.“ Dies sei eine Entscheidung der Firmen. Für eine höhere Produktion müssten neue Gasvorkommen erschlossen werden.

Hoffen auf Norwegen

Scholz betonte, dass man sehr dankbar sei, dass das skandinavische Land die Produktion ausgereizt habe. Wichtig sei die Zusage, dass Norwegen an dem hohen Produktionsniveau festhalten wolle, weil man auch 2023 einen hohen Bedarf habe. Denn nicht nur dieser Winter werde eine Herausforderung. Auch im kommenden Jahr müssten die Speicher erneut gefüllt werden. Und deshalb brauche man neben den neuen LNG-Terminals für Flüssiggas das norwegische Gas, das über eine Pipeline kommt. Deshalb sei eine verlässliche norwegische Lieferzusage so wichtig.

Die EU importiert rund 20 Prozent seines Gases aus Norwegen. In Deutschland beträgt der Anteil norwegischen Erdgases mittlerweile etwa 30 Prozent. Das Land hat damit Russland als wichtigstes Lieferland überholt. Aus Russland kommen derzeit etwa über die Nord Stream 1 Pipeline nur noch etwa 20 Prozent der zugesagten Menge. Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte sich – bisher vergeblich – auch beim großen Gasproduzenten Katar um zusätzliche Lieferungen bemüht. Kanzler Scholz reist zusammen mit Habeck Ende der Woche nach Kanada. Auch dabei wird es um die Frage gehen, ob Deutschland LNG-Gas für die neuen Terminals einkaufen kann.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
25.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pflege statt Arbeit: Immer mehr pflegende Erwerbstätige gehen Arbeitsmarkt verloren
25.10.2026

Die wachsende Zahl pflegender Angehöriger könnte den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren laut einer Prognose spürbar belasten: Bis 2045...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umsatzwarnungen: Lindt & Sprüngli entlässt Konzernchef Lechner
25.10.2026

Der Schokohasen-Hersteller leidet unter teuren Kakaopreisen und dem heißen Sommer. Nun soll ein alter Bekannter vorm Weihnachtsgeschäft...

DWN
Politik
Politik Frankreich führt Aufschläge für Medikamente ein. Was bedeutet das für die Preise in Deutschland und für Generika?
25.10.2026

In Frankreich wurde eine neue Vereinbarung mit der Pharmaindustrie über Arzneimittelpreise erzielt, die dazu führen könnte, dass einige...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Rüstungsfirma Covenant: Protest gegen Marschflugkörper-Produktion ab 2027 in Leipzig
24.10.2026

Die US-Rüstungsfirma Covenant will in Leipzig Marschflugkörper herstellen. Der Standort soll weltweit die größte Basis für Europas...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
24.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wachstum in Europa: EIB-Ökonom rät Unternehmen, stärker nach Süden zu blicken
24.10.2026

Deutschland erholt sich, doch Europas Wirtschaft kämpft weiter mit Bürokratie, Investitionsschwäche und einem fragmentierten...