Deutschland

Rhein-Pegel fällt unter die Nullmarke, Schiffe fahren dennoch

Bei der Rhein-Pegel-Messung am Mittwochmorgen bei Emmerich wurde das Rekordtief von minus zwei Zentimetern gemessen. Schiffahrt bleibt dennoch möglich.
17.08.2022 09:22
Aktualisiert: 17.08.2022 09:22
Lesezeit: 1 min

Der Pegelstand am Niederrhein bei Emmerich ist unter die Nullmarke gefallen. Bei der Messung am Mittwochmorgen um 05.00 Uhr wurde das Rekordtief von minus zwei Zentimetern gemessen, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) über das Portal Elwis mitteilte. Im nahe der Grenze zu den Niederlanden gelegenen Emmerich war am Dienstag erstmals ein Pegelstand von null Zentimetern gemessen worden, womit das aus dem Oktober 2018 stammende alte Rekordtief unterboten wurde.

Schifffahrt blieb trotz der Ausnahmesituation bis zuletzt aber weiterhin möglich: Der Pegelstand ist nicht gleichbedeutend mit der für die Schifffahrt entscheidenden Fahrrinnentiefe. Diese lag in Emmerich zuletzt bei knapp unter zwei Metern.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing bereitet die Lage Sorge. "Wir sind in einer Situation, in der die Infrastruktur extrem herausgefordert ist", sagte der FDP-Politiker in der ARD. Auf die Frage, ob dies zu Kurzarbeit oder ähnlichen gravierenden Konsequenzen führen könne, antwortete er: "Ich hoffe nicht".

In den vergangenen Jahrzehnten sei zu wenig in die Infrastruktur investiert worden - etwa in die Rhein-Vertiefung, mit der auch bei sehr niedrigem Wasserstand die Binnenschifffahrt am Laufen gehalten werden könne. "Das gehen wir jetzt an", sagte Wissing.

Bislang kann die Binnenschifffahrt auf dem Rhein weitergehen. "Auf dem kompletten Rhein, auch Emmerich, kann passiert werden", sagte der Prokurist der Schifffahrtsgenossenschaft DTG mit mehr als 100 angeschlossenen Frachtschiffen, Tobias Engels, am Dienstag zu Reuters. "Allerdings können die Güterschiffe aktuell weniger als ein Drittel ihrer normalen Lademenge aufnehmen." Es sei teilweise die dreifache Anzahl an Transporten nötig, um die gleiche Menge zum Kunden zu bringen.

Die deutsche Industrie warnt angesichts rekordniedriger Pegelstände am Rhein vor verheerenden Folgen für die Wirtschaft. "Die anhaltende Trockenperiode und das Niedrigwasser bedrohen die Versorgungssicherheit der Industrie", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch.

"Die Unternehmen stellen sich auf das Schlimmste ein. Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage in den Unternehmen verschärft sich." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Anlagen in der chemischen oder Stahlindustrie abgeschaltet werden, Mineralöle und Baustoffe ihr Ziel nicht erreichen oder Großraum- und Schwertransporte nicht mehr möglich sein werden. Lieferengpässe, Produktionsdrosselungen oder sogar Stillstände und Kurzarbeit wären die Folge.

Der Rhein ist ein wichtiger Schifffahrtsweg für Rohstoffe wie Getreide, Chemikalien, Mineralien, Kohle und Ölprodukte wie Heizöl. Das seit Wochen anhaltende Niedrigwasser beeinträchtigt bereits die Leistung von zwei deutschen Kohlekraftwerken. (rtr)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krise am Kerosinmarkt: Steht Europa vor Flugausfällen und steigenden Ticketpreisen?
02.04.2026

Steigende Kerosinpreise und gestörte Lieferketten setzen den globalen Luftverkehr zunehmend unter Druck. Droht durch die Krise am...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street steigt aufgrund von Hoffnungen auf Iran-Waffenstillstand vor Trump-Ansprache
01.04.2026

Ein plötzlicher Stimmungswandel sorgt für grüne Vorzeichen an den Börsen, doch ein anstehendes politisches Statement könnte alles...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Steigende Spritpreise in Europa: Bekommt das Elektroauto neuen Rückenwind?
01.04.2026

Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise rücken Elektroautos und den europäischen Automarkt erneut in den Fokus wirtschaftlicher Debatten....

DWN
Politik
Politik Geht uns der Sprit aus? Deutsche Top-Ökonomin plädiert für Verzicht auf Autofahrten
01.04.2026

Nach Ansicht der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer sollten Verbraucher und Wirtschaft mit Verzicht auf knapperes Öl reagieren:...

DWN
Finanzen
Finanzen Trotz steigender Steuereinnahmen: Kommunen mit Rekordausgaben von 31,9 Milliarden Euro
01.04.2026

Trotz steigender Steuereinnahmen wachsen die Ausgaben der Gemeinden noch schneller. Wofür besonders viel Geld ausgegeben wurde und wie die...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg spitzt sich zu: Erwägt Trump einen Rückzug?
01.04.2026

Die Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump sind so niedrig wie seit Beginn seiner zweiten Amtszeit nicht mehr. Das wirkt sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Prognose Wirtschaftsinstitute für 2026: Iran-Krieg halbiert Wachstum und treibt Inflation
01.04.2026

Höhere Spritpreise, höhere Inflation: Ifo und DIW sprechen von einem Energiepreisschock - ausgelöst durch den Iran-Krieg. Sie erwarten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmer Wolfgang Grupp: Was die Biografie über den Ex-Trigema-Chef verrät
01.04.2026

Wolfgang Grupp spricht in einer Biografie offen über Machtkämpfe in der Familie und den Kampf gegen die Altersdepression. Was das neue...