Wirtschaft

DIHK: Deutsche Exporteure verzeichnen massive Einkommensverluste

Der Exportsektor gerät unter massiven Druck - und damit die maßgebliche Triebkraft der ganzen Volkswirtschaft.
24.08.2022 13:00
Aktualisiert: 24.08.2022 13:32
Lesezeit: 2 min

Die deutschen Exporteure bleiben dem DIHK zufolge auf Milliardenkosten durch stark gestiegene Import- und Erzeugerpreise sitzen. "Die daraus resultierende Belastung für die deutsche Außenwirtschaft beträgt allein für das erste halbe Jahr 70 Milliarden Euro", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Nach Berechnungen und Unternehmensbefragungen des Verbands hoben die deutschen Unternehmen die Preise für ihre Exportgüter im ersten Halbjahr zwar um 14,7 Prozent an. Zugleich legten aber sowohl die Erzeuger- als auch die Importpreise etwa doppelt so stark zu. Zugutekomme dies vornehmlich ausländischen Lieferanten von Rohstoffen, Energieträgern und verarbeiteten Vorprodukten wie Halbleitern.

"Die deutsche Außenwirtschaft befindet sich in einer extremen Kostenklemme, aus der sie sich auch in den nächsten Monaten nicht wird befreien können", sagte Treier dazu. Die notwendigen importierten Vorleistungen - die immerhin über 40 Prozent an den deutschen Exportwerten ausmachten - und andere Kostenfaktoren seien preislich weit stärker gestiegen als die Ausfuhren. "Nicht zuletzt, weil der mittlerweile äußerst schwache Euro-Außenwert die Importpreise merklich verteuert hat", sagte der DIHK-Experte. Der Euro ist zuletzt zum Dollar unter die Parität und auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen, was die auf Weltmärkten häufig in der US-Währung abgerechneten Waren teurer macht.

Auf den ersten Blick fällt die deutsche Außenhandelsbilanz im ersten Halbjahr nicht schlecht aus: So konnten etwa die Exporte trotz des russischen Krieges gegen die Ukraine, Materialengpässen und strickten Dauer-Lockdowns beim wichtigsten Handelspartner China um 13,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesteigert werden. Nach DIHK-Berechnungen ergeben sich in inflationsbereinigter, realer Betrachtung allerdings negative Werte: Die Exporte seien um 1,5 Prozent gesunken, die Importe sogar um 2,5 Prozent. "Damit befindet sich der deutsche Außenhandel bereits jetzt in einer rezessiven Phase", sagte Treier. Im Gesamtjahr könnte es gerade noch für eine Stagnation der realen Exporte auf dem Niveau des Vorjahres reichen.

Ein Teil der vornehmlich importierten höheren Kosten bleibt bei den Unternehmen hängen, wie aus der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage hervorgeht. Vor allem in besonders wichtigen Exportbranchen befinden sich demnach viele Firmen in einer Kostenklemme: So geben 17 Prozent der Kraftfahrzeugbauer an, Kostensteigerungen nicht weiterzugeben, in der Pharmazeutischen Industrie sind es sogar 35 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Alterssicherung: Wie viele Ältere nutzen die umstrittene Frührente?
07.11.2026

Die meisten Menschen gehen laut einer neuen Untersuchung früher in Rente. Wie lange das noch in heutiger Form möglich ist, ist in der...

DWN
Politik
Politik Klimapolitik: Zehn Jahre Pariser Klimaabkommen – "unbeherrschbare Zukunft"
07.11.2026

Eigentlich gibt es einen Plan, um die Krise in den Griff zu bekommen: das Pariser Klimaabkommen, das nun seit zehn Jahren in Kraft ist....

DWN
Finanzen
Finanzen Brutale Woche für Tech-Branche endet mit kurzer Verschnaufpause, doch KI-Zweifel bleiben
06.11.2026

Erfahren Sie, wie Schnäppchenjäger die Märkte kurzzeitig stabilisieren und welche unberechenbaren Risiken die Börsen weiterhin bedrohen.

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
06.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Politik
Politik Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier: Union und SPD für Ilse Aigner als Bundespräsidentin
06.11.2026

Ein Versorgungsposten zwischen den Unionsparteien und der SPD? Es herrscht anscheinend Einigung zwischen Union und SPD, dass Aigner...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt West Transport: Mit 22 Lastwagen gegen die Krise der Transportbranche
06.11.2026

Die Transportbranche kämpft mit steigenden Kosten, Fahrermangel und wachsendem Wettbewerbsdruck. Doch ein kleines Familienunternehmen aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold vs. Bitcoin: Welcher Vermögenswert schützt in der Krise?
06.11.2026

Ende August bewegten sich Bitcoin und Gold so stark im Gleichlauf wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Dr. André Dragosch, Head of...

DWN
Politik
Politik Arbeitslosenversicherung: Milliardenloch steigt und immer mehr Arbeitslose: Kommen höhere Beiträge?
06.11.2026

Im Oktober gibt es knapp drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung gerät...