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Winnetou: Des Deutschen liebster Indianer

Lesezeit: 3 min
25.08.2022 16:25  Aktualisiert: 25.08.2022 16:25
Nachdem der Ravensburger Verlag zwei Winnetou-Bücher vom Markt genommen hat, scheiden sich die Geister an dem Wort Indianer. Ein Kommentar.
Winnetou: Des Deutschen liebster Indianer
Helden der Kindheit: Winnetou und Old Shatterhand. (Foto: dpa)

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Des Deutschen liebster Indianer ist derzeit Mittelpunkt einer hitzigen Rassismus-Debatte. Der Auslöser: Rassismus-Vorwürfe gegen den Ravensburger Verlag und seinen zwei Büchern „Der Junge Häuptling Winnetou“ zum gleichnamigen Film. Das Resultat: Der Verlag hat die Bücher vom Markt genommen und sorgt damit für ordentlich Zündstoff.

Wie schön waren doch die Zeiten, als es in erster Linie um Winnetou und seiner Blutsbrüderschaft mit Old Shatterhand ging, oder um seine schöne Schwester Nscho-tschi und anderen komischen Käuzen und hintertückischen Bösewichten. Als das Gute immer siegte, und die Blutsbrüderschaft zwischen dem Indianer und dem Bleichgesicht zu einer Art Völkerverständigung beitrug.

Zumindest bei den vielen kleineren und größeren Knirpsen, die die Bücher gelesen und die Filme gesehen haben und von denen kaum einer nicht auch einmal ein Indianer sein wollte – so wie Winnetou. Aus einer unverfälschten emotionalen Regung heraus, die noch nichts gemein hatte, mit den neurotisch angehauchten, politisch korrekten Wertvorstellungen einer erwachsenen Welt, die das soziale Drama sucht, wie der Teufel das Weihwasser meidet.

Karl May und die Weltverbesserer

Zwar ist es kein Geheimnis, dass es in Karl Mays Werken einige heute als rassistisch angesehene Formulierungen gibt und als solche wohl den Wertvorstellungen seiner Zeit unterlagen. Aber ist Winnetou deshalb aus der Zeit gefallen, nur weil sich jemand an dem Begriff Indianer stört?

Fernab von der Wirklichkeit indigener Völker und selbst gefangen in einer Wertvorstellung, die sich letztendlich auf einen Sprachgebrauch einschießt, ohne wirklich einen positiven Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Zumindest hat man nicht das Gefühl, dass durch die vielfach kleinlich geführten Debatten wirklich jemandem geholfen ist. Ganz im Gegenteil: Sie führen vielerorts noch mehr zu einer gesellschaftlichen Spaltung, wo es eigentlich nichts zu spalten gibt.

Eine Sache ist es, im Rahmen einer Kunstschau wie es die Documenta in Kassel ist, gegen aggressive antisemitische Darstellungen vorzugehen, eine andere, unverhohlen in die fiktive Welt der Kinderliteratur einzubrechen, und sich über das Wort Indianer zu echauffieren. Sich dabei auf weithergeholte Vergleiche stützend, und ohne davor zurückzuschrecken, des Deutschen liebsten Indianer am besten auf immer und ewig unter Verschluss zu halten.

Die Welt der Erwachsenen

Irgendwie können Kinder nichts dafür, dass die Welt der Erwachsenen von Stereotypen verseucht ist, sie selbst gefangen in Klischees und Vorurteilen, stets auf der Suche nach neuen Projektionsflächen, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Noch ein I-Tüpfelchen draufzusetzen. Im Namen einer Menschlichkeit, die genauso schnelllebig zu sein scheint, wie das Leben vergänglich ist, der Hausverstand nicht mehr als ein auf der Strecke gebliebener altmodischer Begriff, der in einer postmodernen Welt nichts mehr zu suchen hat. Und die Sprache selbst nur Mittel zum Zweck.

Denn: Niemand hat mit dem Wort Indianer im Sinn, sie zu beleidigen, rassistisch anzugreifen oder den Leidensweg eines Urvolkes auszublenden. Wohl aber scheint der Verstand auf der Strecke zu bleiben, wenn die pädagogische Bildungskeule geschwungen wird, um jedem Winnetou-Fan, der sich beim Wort Indianer nichts weiter dabei denkt, einen Schuss vor dem Bug zu verpassen.

Michael Helbig und Winnetou

Genügt es denn nicht, dass der Münchner Komiker und Regisseur Michael Helbig im Jahr 2001 in seiner Winnetou-Parodie „Der Schuh des Manitou“ Winnetou und seine Entourage ordentlich durch den Kakao zog. Und ihm zu allem Überfluss auch noch einen homosexuellen Zwillingsbruder andichtete, der seine Puder Rosa Ranch zu einer Beauty-Farm umbaute. Und trotz aller Kritik ob der Demontage eines Kindheitshelden gezeigt hat, dass es sich hier um eine spielerische Handlung und nicht um eine todernste Angelegenheit handelt. Auch ist nichts bekannt darüber, dass Homosexuellenbewegungen oder einer der über 574 staatlich anerkannten indianischen Stämme wegen der Darstellung ihrer jeweiligen Gruppe eine soziale Debatte entfacht hätten.

Es mag zwar stimmen, dass die verschiedenen indigenen Stämme, die wir als Indianer abstrahieren, wenig gemeinsam haben, aber ist dieser Begriff deshalb ehrverletzend? Ebenso wenig hätte wohl ein Portugiese aus dem südlichsten Zipfel Portugals etwas daran auszusetzen, im gleichen Atemzug mit dem nördlichsten Finnen Finnlands als Europäer bezeichnet zu werden.

Herbert Theveßen auf Spurensuche

Letztendlich aber scheint alles nichts zu nutzen. Auch nicht, dass der ZDF-Reporter und US-Experte Elmar Theveßen in seinen Recherchen bei den Stämmen und Völkern noch niemandem begegnet ist, der an der Bezeichnung Indianer Anstoß genommen hätte.

Aber vielleicht geht es gar nicht darum. Vielleicht geht es letztendlich nur darum, Winnetou, nachdem ihm Michael Helbig in seiner Persiflage schon einmal fiktiv vom hohen Ross stieß, jetzt auch in der Wirklichkeit das Handwerk zu legen. Weil die Helden der Kindheit und frühen Jugend einigen Erwachsenen ein Dorn im Auge sind, in ihrer vermessenen Vorstellung von öffentlicher Moral und ideologischer Ordnung und ihnen nichts anderes einfällt, als zugegebenermaßen einer mancherorts antiquierten fiktiven Darstellung endgültig den Garaus zu machen. Weil es auf dieser Welt sonst keine Probleme gibt.


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