Finanzen

Fed-Chef Powell bleibt hart, will Zinsen weiter stark anheben

Fed-Chef Jerome Powell hat in Jackson Hole bekräftigt, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter stark anheben wird. Damit riskiert er Rezession und Börsencrash.
26.08.2022 16:38
Aktualisiert: 26.08.2022 16:38
Lesezeit: 3 min
Fed-Chef Powell bleibt hart, will Zinsen weiter stark anheben
Fed-Chef Powell machte am Freitag in Jackson Lake deutlich, dass er die Zinsen weiter kräftig anheben will. (Foto: dpa) Foto: Amber Baesler

Die US-Notenbank Fed stimmt Investoren auf einen langen Kampf gegen die Inflation ein. Die Wiederherstellung der Preisstabilität werde für "einige Zeit" eine restriktive Geldpolitik nötig machen, sagte Fed-Chef Jerome Powell am Freitag auf dem Zentralbank-Symposium von Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Dazu müssten die Werkzeuge "kraftvoll" genutzt werden.

Die Äußerungen gelten als Signal, dass die Federal Reserve (Fed) ihren Zinserhöhungskurs eisern fortsetzen wird und Lockerungen vorerst nicht in Frage kommen. Mehrere US-Währungshüter haben betont, es sei voreilig von den Märkten, Zinssenkungen im kommenden Jahr zu erwarten.

Ein unmittelbares Ende der geldpolitischen Straffung sei nicht in Sicht, lautet das Fazit von LBBW-Ökonom Elmar Völker. "Eine weitere Abschwächung der US-Konjunktur nimmt die Fed dabei bewusst in Kauf – als kleineres Übel in Relation zur Alternative dauerhaft hoher Inflation." Wo die Schmerzgrenze mit Blick auf eine mögliche Rezession liege, sei eine der entscheidenden Fragen der kommenden Monate.

Gerätselt wird auch, wie hoch der nächste Zinsschritt ausfallen wird. Powell sagte, dies hänge von der Datenlage ab, womit insbesondere die Inflations- und Arbeitsmarktdaten gemeint sein dürften. Händler sahen zuletzt für die Fed-Sitzung im September eine etwas größere Chance auf eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte als auf eine Anhebung um einen halben Prozentpunkt.

Reaktion auf Powell: Börsen weiten Verluste aus

An den Börsen weiteten die Aktienindizes in Europa und den USA ihre Kursverluste in Reaktion auf die Powell-Aussagen aus. Anleger warfen in Erwartung großer Zinsschritte Anleihen aus den Depots. An den Finanzmärkten geht die Furcht um, dass die Notenbank mit einem zu aggressiven Kurs eine Rezession auslösen könnte - also eine wirtschaftliche Schwäche auf breiter Front. Die USA stecken nach zwei Minuszeichen bei der Wirtschaftsleistung in den ersten beiden Quartalen bereits in einer sogenannten technischen Rezession.

"Die Fed sorgt sich weiterhin mehr über eine Verfestigung der außergewöhnlich hohen Inflation als vor einer Rezession", sagte Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Trotz der eingetrübten Konjunkturaussichten steht die Notenbank geldpolitisch unter Zugzwang. Denn sie hat den starken Preisauftrieb zunächst unterschätzt.

Die Verbraucherpreise sind im Juli um 8,5 Prozent gestiegen und damit nicht mehr ganz so stark wie noch im Juni mit 9,1 Prozent. Doch damit ist das Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent noch immer meilenweit entfernt. Die Federal Reserve hat seit der Zinswende im März das geldpolitische Niveau stetig erhöht und es zuletzt zwei Mal in Folge kräftig um 0,75 Prozentpunkte angehoben - auf nun 2,25 bis 2,50 Prozent.

Powell hat Leitzinsen von 3,0 bis 3,5 Prozent bis Jahresende als anzustrebendes "moderat restriktives Niveau" bezeichnet, wobei die Wirtschaft bereits leicht gebremst wird. Der Präsident des Fed-Ablegers Atlanta, Raphael Bostic, betonte in Jackson Hole, die Zentralbank müsse geldpolitisch weiter kräftig Gas geben. Er hoffe, dass das Zinsniveau bis zum Jahresende auf ein Niveau steigen werde, mit dem die Wirtschaft spürbar abgebremst wird. Er verortet dieses in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Es sei wichtig, die geldpolitischen Zügel so stark zu straffen, um die Inflation drücken zu können.

Auch bei der EZB großer Zinsschritt im Gespräch

Auch innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) wird mittlerweile über größere Zinsschritte nachgedacht. Einige Währungshüter wollen Insidern zufolge aufgrund sich verschlechternder Inflationsaussichten auf der Sitzung des EZB-Rats im September eine besonders kräftige Erhöhung diskutieren. Zwar hat sich bislang noch niemand aus der Führungsriege öffentlich für eine Anhebung um 0,75 Prozentpunkte ausgesprochen. Doch das Vorbild der Fed und ein ungebrochener Inflationsschub im Euro-Raum lieferten dafür Argumente.

"Ich werde 75 nicht unbedingt unterstützen, aber es gibt keinen Grund, warum das nicht diskutiert werden sollte", sagte einer von fünf Insidern der Nachrichtenagentur Reuters. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab. An den Märkten wird inzwischen fest mit einer Erhöhung um einen halben Punkt auf 1,0 Prozent auf der Zinssitzung am 8. September gerechnet. Für die folgenden beiden EZB-Zinstreffen in diesem Jahr wird eine Erhöhung von zusammen 0,75 weiteren Prozentpunkten erwartet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen BYDFi im ausführlichen Test 2026

In deutschsprachigen Krypto-Foren hält sich eine Überzeugung besonders hartnäckig: Börsen ohne KYC-Pflicht sind unseriös, unsicher und...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Technologie
Technologie KI-Einsatz in Unternehmen: Warum der Produktivitätsschub ausbleibt
19.04.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant, doch die wirtschaftlichen Effekte bleiben bislang hinter den Erwartungen vieler Unternehmen...

DWN
Finanzen
Finanzen Chips als neue Anlageklasse: Wie GPUs die Finanzmärkte erobern
19.04.2026

Chips und Rechenleistung rücken zunehmend in den Fokus der Finanzmärkte, da Investitionen in KI-Infrastruktur massiv steigen. Kann die...

DWN
Politik
Politik Staatsschulden: Warum Deutschland über seine Verhältnisse lebt
19.04.2026

Deutschland steckt tief in der Wirtschaftskrise: kaum Wachstum, explodierende Sozialausgaben und eine Politik, die große Reformen scheut...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schweigepflicht im Job: Diese Regeln gelten wirklich
19.04.2026

Ein kurzer Plausch über den Arbeitsalltag wirkt harmlos, kann aber rechtliche Folgen haben. Denn nicht alles darf nach außen dringen....

DWN
Technologie
Technologie KI-Modelle im Visier von Nachahmern: OpenAI, Google und Anthropic bauen Kooperation aus
19.04.2026

Große KI-Unternehmen verstärken ihre Zusammenarbeit, um ihre Technologien vor unbefugter Nutzung und wachsender internationaler...

DWN
Panorama
Panorama Klimaschutz 2030: Deutschland drohen hohe Strafen
19.04.2026

Deutschland hat sein Klimaziel für das Jahr 2025 knapp erreicht, verliert jedoch deutlich an Geschwindigkeit. Die Treibhausgasemissionen...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz außer Kontrolle? Forscherin warnt vor gefährlicher Entwicklung
18.04.2026

Künstliche Intelligenz wiederholt bereits bestehende Fehlinformationen und verstärkt vorhandene Ungleichheiten. Am gefährlichsten ist...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt unter Druck: Kosten der Arbeitslosigkeit steigen dramatisch an
18.04.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt steht unter erheblichem finanziellem Druck. Nach aktuellen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und...