Politik

Erdoğan nervös: Botschafter in wichtigen Ländern ausgetauscht

Der türkische Premier vertraut seinen Diplomaten nicht mehr. In einer großen Rochade wurde die Botschafter in zahlreichen Staaten abberufen. Der türkische Botschafter in Berlin darf vorerst noch weitermachen.
08.01.2014 00:19
Lesezeit: 1 min

Nicht nur in den Reihen der türkischen Polizei gibt es dieser Tage umfassende Veränderungen. Auch in internationalen Diplomatenkreisen dreht sich das Rad. Zwei türkische Botschafter werden von Japan abgezogen. Sie sollen die Türkei zukünftig in den Vereinigten Staaten bzw. im Vereinigten Königreich vertreten. Doch damit nicht genug: In diesem Jahr erfolgt ein umfangreicher Austausch diplomatischer Vertretungen.

Mehr als 1000 türkische Polizisten wurden im Zuge des Korruptionsskandals bisher von ihren ursprünglichen Posten abgezogen und versetzt. Völlig aus dem Blick gerät dabei das internationale Personalkarussell der Türkei. Zwei vormalige Botschafter von Japan, Serdar Kılıç und Abdurrahman Bilgiç, werden zukünftig in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich als Vertreter tätig sein. Beide gelten als besonders erfahren im Umgang mit westlichen Ländern.

Der zukünftige Botschafter in London, Bilgiç, ist gegenwärtig als Untersekretär für auswärtige Beziehung beim türkischen Geheimdienst (MİT) tätig. Bilgiç wird den langjährigen Botschafter Ünal Çeviköz ersetzen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Auch der gegenwärtige Botschafter Tokios, Serdar Kılıç, war vorher in einem Organ für innere Sicherheit zuständig. Er bekleidete das Amt des Generalsekretärs des Nationalen Sicherheitsrates MGK in der Türkei.

Die Botschafter der Auslandsvertretungen in der Schweiz, Italien, Litauen, Bosnien-Herzegowina, der Elfenbeinküste, dem Sitz der UNESCO in Paris, Mali und Mauretanien werden ebenfalls ausgetauscht. Keiner dieser designierten Botschafter war zuvor in einem Sicherheitsorgan tätig.

Zuletzt waren die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und den USA deutlich angespannt. Ende Dezember gab die US-Administration einen Warnschuss in Richtung Türkei. Die bilateralen Beziehungen dürften nicht für die türkische Innenpolitik instrumentalisiert werden. Nachdem Premier Recep Tayyip Erdoğan dem US-Botschafter Francis Ricciardone indirekt mit einer Ausweisung drohte, feuerten die Amerikaner zurück. Von türkischer Seite werde das Klima mit gewissen Aussagen „vergiftet“.

Erdoğan hatte dem US-amerikanischen Botschafter Einmischung in die inneren Angelegenheiten und provokatives Verhalten vorgeworfen. Die US-amerikanische Botschaft wies in einer Stellungnahme die Vorwürfe als „komplette Lügen“ zurück. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, Ricciardone habe gegenüber EU-Vertretern erklärt, Washington dränge die staatliche türkische Halkbank, ihre Geschäfte mit dem Iran zu stoppen. Darüber hinaus wurden Vorwürfe laut, dass die US-Botschaft sich für Ermittlungen gegen die Halkbank einsetzen würde.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen Saab-Aktie: Neue Drohnenkiller-Rakete Nimbrix soll den Markt revolutionieren
31.08.2025

Saab hat eine neue Waffe entwickelt, die Drohnen und ganze Schwärme zerstören soll. Mit dem Projekt „Nimbrix“ hofft der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zwischen Stagnation und Rezession: Was es konkret heißt, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft
31.08.2025

Deutschlands Wirtschaft steckt weiter fest: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft stärker als erwartet, die Rezession dauert an. Während...

DWN
Immobilien
Immobilien House Flipping: Wie Sie mit sanierungsbedürftigen Objekten Geld machen können
31.08.2025

Der USA-Trend findet auch hierzulande immer mehr Anklang: Beim House Flipping geht es darum, möglichst günstig Immobilien zu erwerben,...

DWN
Technologie
Technologie Fachkräftemangel? Roboter bauen schon heute Häuser – schneller, günstiger, sicherer
31.08.2025

Die Baustelle der Zukunft: Roboter, Drohnen und autonome Helfer übernehmen Aufgaben rund um den Bau – präzise, effizient und 24 Stunden...

DWN
Politik
Politik Was will Trump, der „amerikanische Erdogan“?
31.08.2025

Donald Trump greift die Fed und Amerikas Institutionen frontal an – mit Folgen, die weit über die USA hinausreichen. Droht Europa ein...

DWN
Politik
Politik Trump-Krise: Rebellion im Herzen der MAGA-Bewegung
31.08.2025

Donald Trump sieht sich mit der größten internen Rebellion seiner Amtszeit konfrontiert. Der Epstein-Skandal droht, seine Machtbasis in...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienerwerb: Umfrage offenbart Wissenslücken beim Immobilienkauf
31.08.2025

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung kann schnell Hunderttausende Euro kosten, doch viele Menschen kennen wichtige Bedingungen nicht....

DWN
Finanzen
Finanzen Polen setzt auf Atomenergie: Orlen verspricht den Bau des ersten SMR-Reaktor Europas
31.08.2025

Polen baut Europas ersten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300. Während Warschau auf Kernkraft setzt, könnte Deutschland bald...