Wirtschaft

Unerwarteter Auftrieb: Deutsche Industrie trotzt den Prognosen

Entgegen den Erwartungen vieler Ökonomen setzt die deutsche Industrie ihren Erholungskurs fort. Bereits zum dritten Mal in Folge legt die Produktion zu und widerspricht damit den Prognosen, die zuletzt von einer erneuten Abschwächung ausgegangen waren. Die aktuellen Zahlen werfen die Frage auf, welche Faktoren den überraschenden Aufschwung tragen.
09.01.2026 09:16
Aktualisiert: 09.01.2026 09:16
Lesezeit: 1 min
Unerwarteter Auftrieb: Deutsche Industrie trotzt den Prognosen
Die Produktion stieg im November 2025 um 0,8 Prozent – der dritte Anstieg in Folge. Automobilbranche treibt Erholung an, Analysten zeigen sich positiv überrascht (Foto: dpa). Foto: Jens Büttner

In der deutschen Industrie mehren sich die Anzeichen für ein Ende der Krise. In den Betrieben des verarbeitenden Gewerbes ist die Produktion im November dank starker Zuwächse in der Autoindustrie überraschend weiter gestiegen.

Im Monatsvergleich legte die Fertigung um 0,8 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Dies war der dritte Anstieg in Folge. Analysten hatten hingegen einen Dämpfer erwartet und waren im Schnitt von einem Rückgang zum Oktober um 0,7 Prozent ausgegangen.

Zudem wurden die Produktionsdaten für den Vormonat nach oben revidiert. Im Oktober war die Fertigung demnach um 2,0 Prozent gestiegen. Zuvor war ein Zuwachs um 1,8 Prozent gemeldet worden.

Vor allem Zuwächse in der Automobilindustrie

„Die positive Entwicklung der Produktion im November 2025 ist maßgeblich auf die Zuwächse in der Automobilindustrie zurückzuführen“, hieß es. Hier meldete das Bundesamt einen Anstieg um 7,8 Prozent im Monatsvergleich. Auch der Bereich Maschinenbau habe zum positiven Ergebnis beigetragen. Negativ habe sich ein Rückgang in der Energieerzeugung um 7,8 Prozent ausgewirkt.

Auch die Entwicklung im Jahresvergleich überraschte positiv. Hier wurde für November ein Zuwachs um 0,8 Prozent ermittelt, während Analysten mit einem Rückgang um 1,0 Prozent gerechnet hatten.

Bereits am Donnerstag waren Daten zum Auftragseingang in der Industrie überraschend stark ausgefallen, was bei Ökonomen die Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt in der deutschen Industrie weckte.

Ifo: Autohersteller weniger pessimistisch

Nach Angaben des Ifo-Instituts hat sich die Stimmung in der Automobilindustrie im Dezember 2025 leicht verbessert. Der Geschäftsklimaindex stieg demnach auf minus 19,8 Punkte von saisonbereinigt minus 20,2 Punkten im November. Während die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage dem Ifo zufolge schlechter beurteilen, sehen sie den kommenden Monaten weniger pessimistisch entgegen. „Einen Lichtblick stellt die Entwicklung bei der Elektromobilität dar“, sagt Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.

Ökonomen: Es geht langsam aufwärts

Die jüngsten Daten unterstreichen, „dass es langsam aufwärts geht mit der Konjunktur der deutschen Industrie“, kommentierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, lässt die Industrieproduktion darauf schließen, dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im vierten Quartal klar über der Nullmarke liegen werde.

Die positiven Signale aus der Industrie würden zwar durch schwache Exporte und einen geringen privaten Konsum überschattet, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING Bank. „Die ersten Anzeichen einer industriellen Wende, zusammen mit der vollständigen Umsetzung der Konjunkturprogramme, bestärken jedoch unsere Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr endlich wieder wachsen wird.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...

DWN
Politik
Politik Olena Zelenska über den Krieg: Was die Ukraine heute zusammenhält
05.05.2026

Olena Zelenska steht im Ukraine-Krieg für eine Form von Widerstand, die weit über Politik hinausreicht und psychische Gesundheit,...