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Gentechnik: Super-Unkraut resistent gegen Vernichtungsmittel

Zahlreiche US-Bauern stehen vor dem Problem, nichts mehr gegen Unkraut auf ihren Feldern ausrichten zu können. Die Pflanzen sind resistent gegen das Vernichtungsmittel Roundup von Monsanto. Millionen Hektar sind betroffen. Die Industrie setzt nun auf ältere Vernichtungsmittel, die jedoch noch gesundheitsgefährdender sein sollen.
02.02.2014 00:22
Lesezeit: 2 min

Der Einsatz von Genpflanzen und dem weit verbreiteten Unkrautvernichtungsmittel Roundup von Monsanto fordert seinen Tribut. Mittlerweile sind 60 Millionen Hektar von dem Super-Unkraut betroffen, warnt der amerikanische Forscherverband Union of Concererned Scientists in einer aktuellen Studie. Das  bedeutet eine „unheilvolle Umweltzerstörung, da die Kosten für die Bauern steigen und sie sich veranlasst sehen, noch giftigere Unkrautvernichtungsmittel einzusetzen“, so die Wissenschaftler.

Gentechnik in Nahrungsmitteln

Hintergrund ist die Gentechnik in der Landwirtschaft. Unternehmen wie Monsanto haben Bauern (nicht nur in den USA) genverändertes Saatkorn verkauft. Dieses sollte schneller wachsen und die Pflanzen zugleich resistent gegen die ebenfalls von den Unternehmen wie Monsanto vertriebenen Vernichtungsmittel machen. Roundup heißt der Verkaufsschlager von Monsanto, dessen Hauptbestandteil Glyphosat ist. Die Kombination aus einem vielversprechenden Vernichtungsmittel und resistenten Nutzpflanzen schien für viele Bauern eine attraktive Alternative zur herkömmlichen Landwirtschaft und trieb die Monokulturen voran.

Auch in Europa sind die gentechnisch veränderten Pflanzen zumindest in Produkten verarbeitet. Etwa 36 Millionen Tonnen überwiegend Gen-Sojabohnen und –schrot werden jedes Jahr in die EU eingeführt, erklärt das Umweltinstitut München. „Allein Deutschland importiert etwa Dreiviertel der Eiweißfuttermittel, überwiegend Gen-Soja. Über Eier, Milch und Fleisch gelangt Glyphosat auf unsere Teller.“

Mutation machte resistent

Durch eine Mutation entstanden nun aber immer mehr Unkrautpflanzen, die gegen Roundup resistent sind. Mindestens 150 Millionen Hektar werden jährlich von US-Bauern mit dem Vernichtungsmittel behandelt. Ende 2013 waren 24 Unkrautarten bekannt, die gegen Glyphosat resistent waren. Am schlimmsten ist es der Studie zufolge im Nordosten der Vereinigten Staaten, hier sind 92 Prozent der Baumwoll- und Sojafelder betroffen. Ein Unkraut, das Fuchsschwanzgewächs Amaranthus Palmeri, zum Beispiel kommt dort vor. Hierbei handelt es sich um ein schnell wachsendes Unkraut. Es kann bis zu 2,5 Meter groß werden – mehr als Baumwolle und Soja – und besitzt einen harten Stiel, der landwirtschaftliche Maschinen beschädigen kann.

Giftige Vernichtungsmittel

Die Industrie reagiert auf die Situation mit einem neuen gentechnisch veränderten Saatgut, das gerade auf die Zulassung wartet. Dieses soll nicht nur gegen Glyphosat, sondern auch gegen die früheren Unkrautvernichter Dicamba und 2,4-D resistent sein. 13 verschiedene Saatgutarten dieser Art sind kurz vor der Zulassung. „Wenn diese Saat zugelassen wird und sich verbreitet, wird sich das aktuelle Problem nur verschlimmern“, so die Forscher. Außerdem seien beide Vernichtungsmittel möglicher Weise gefährlich für Mensch und Natur. Beide werden mit dem so genannten Non-Hodgkin-Lymphon (bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems) in Verbindung gebracht. Dadurch, dass sie leichter über die Luft verteilt werden könnten, sind benachbarte Ackerflächen nicht geschützt.

Das Super-Unkraut ist derzeit aber nicht das einzige Problem von Monsanto. Einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zufolge zeigt die Studie eines internationalen Forschungsteams um Andrés Carrascvo von der Universität Buenos Aires, dass Roundup auch schon in noch geringeren Dosen als in der Landwirtschaft eingesetzt, Geburtsschäden verursachen kann. Die Forschungen gingen auf Beobachtungen in Argentinien zurück, wo Monsanto mit gentechnisch verändertem Saatgut forscht. Die Untersuchungen der Wissenschaftler fanden zwar an Frosch- und Hühnerembryonen statt. Die „die Laborergebnisse sind jedoch mit den Fehlbildungen bei Menschen, die während der Schwangerschaft mit Glyphosat in Kontakt kamen, kompatibel“, so Carrasco.

 

 

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