Finanzen

"Anleihekönig" Gundlach: Deflation ist jetzt die größere Gefahr

Der als "Anleihekönig" bekannte Investor Jeff Gundlach erwartet einen Rückgang an den Börsen um bis zu 25 Prozent und sagt, dass man jetzt Anleihen kaufen muss.
Autor
14.09.2022 13:54
Aktualisiert: 14.09.2022 13:54
Lesezeit: 3 min
"Anleihekönig" Gundlach: Deflation ist jetzt die größere Gefahr
Gefahr Deflation: Laut Gundlach geht es an der Börse noch kräftig nach unten. (Foto: Pixabay)

Der milliardenschwere Investor Jeff Gundlach rechnet damit, dass der US-Aktienindex S&P 500 auf 3.000 Punkte fallen wird. Dies entspricht einem Rückgang um bis zu 25 Prozent gegenüber dem derzeitigen Stand. Damit stimmt Gundlach mit den Äußerungen von Scott Minerd von Guggenheim aus der vergangenen Woche überein, der einen historischen Zusammenhang zwischen dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien und der Inflation herstellt.

"Das Verhalten des Kreditmarktes steht im Einklang mit der wirtschaftlichen Schwäche und den Problemen am Aktienmarkt", sagte der sogenannte Anleihekönig und der Chief Investment Officer von DoubleLine Capital am Dienstag in einem Interview mit dem US-Nachrichtenkanal CNBC. "Ich denke, man muss anfangen, bei Aktien pessimistischer zu werden".

Trotz der anhaltend hohen Inflation in den USA vertritt Gundlach den Standpunkt, dass die Federal Reserve eine minimale Zinserhöhung um lediglich 25 Basispunkte vornehmen sollte. Denn Gundlach befürchtet, dass die Fed die Wirtschaft überfordern könnte und noch nicht lange genug innegehalten hat, um zu sehen, welche Auswirkungen die bisherigen Zinserhöhungen gehabt haben.

Gundlach: Deflation ist die größere Gefahr

Auch wenn die Inflation weiterhin höher liegt als erwartet, glaubt Gundlach, dass eine Deflation nun die größere Gefahr darstellt. Daher würden langfristige Staatsanleihen im nächsten Jahr besser abschneiden, da die übermäßig aggressive Fed die Wirtschaft verlangsamen wird. "Kaufen Sie langfristige Staatsanleihen", so Gundlach.

Wenn die Inflation in eine Deflation umschlägt, wird die Fed gezwungen sein, ihre Geldpolitik zu ändern, was die Anleiherenditen nach unten treiben könnte. "Obwohl heute genau das Gegenteil behauptet wird, ist das Deflationsrisiko heute viel höher als in den letzten zwei Jahren. Ich spreche nicht vom nächsten Monat. Ich spreche von irgendwann später im nächsten Jahr, mit Sicherheit im Jahr 2023."

Außerdem sagte Gundlach, dass er europäische Aktien besitzt und die größten Chancen in den Schwellenländern sieht. Er werde keine Anlagen in den Schwellenländern kaufen, bis der Dollarindex (aktuell bei rund 109,5 Punkten) unter seinen 200 Tage gleitenden Durchschnitt (aktuell bei rund 101,5 Punkten) fällt, sagt der Investor und fügt hinzu: "Wenn das passiert, wollen Sie ganz groß dabei sein."

Der Markt wettet auf starken Zinsschritt

Allerdings erwartet Gundlach, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche trotz aller Warnungen eine Erhöhung um 75 Basispunkte vornehmen wird. Dies glauben derzeit die meisten Beobachter. So sagte etwa VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel am Dienstag, eine Zinsanhebung der Fed um 75 Basispunkte sei "in Stein gemeißelt".

Die Ökonomen des japanischen Finanzinstituts Nomura haben ihre Prognose für die Zinserhöhung der Fed auf der Sitzung nächste Woche von 75 auf 100 Basispunkte erhöht. Die Zentralbank müsse die Zinserhöhungen beschleunigen, um den überhitzten Arbeitsmarkt und die höheren Inflationserwartungen abzukühlen. Nomura sagt auch eine Rezession in den USA ab dem nächsten Quartal voraus.

"Eine Rezession ist wahrscheinlich, fast schon gewollt", zitiert Bloomberg Andrew Ticehurst, einen Zinsanalysten bei Nomura in Sydney. "Angesichts der Tatsache, dass sich [geld]politische Veränderungen mit langer und variabler Verzögerung auswirken, besteht eindeutig das Risiko, dass die Zentralbanken es mit der Straffung übertreiben." Die EZB hat letzte Woche die größte Zinserhöhung seit Einführung des Euro verkündet.

Swaps, die am Tag der nächsten Fed-Sitzung geliefert werden, kletterten am Dienstag auf bis zu 3,19 Prozent und lagen damit 86 Basispunkte über dem aktuellen effektiven Zinssatz der Fed. Denn einige Händler setzen nun auf eine noch aggressivere Reaktion der Zentralbank auf die Aussicht einer anhaltend hartnäckigen Inflation.

Laut Nisha Patel, Direktorin und Portfoliomanagerin für festverzinsliche Wertpapiere bei Parametric Portfolio Associates in New York, könnte die Fed gezwungen sein, die Zinsen um 100 Basispunkte anzuheben. "Der Gedanke, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat, hat sich zerschlagen, und jetzt ist die Wahrscheinlichkeit einer weichen Landung der Wirtschaft nur noch geringer geworden", sagte sie.

Andere halten einen Zinsschritt um 100 Basispunkte immer noch für unwahrscheinlich. "Die Fed wird sich an den Markterwartungen orientieren wollen, und der Markt erwartet eigentlich einen Zinsschritt von 75 Basispunkten - also wird die Fed genau das tun", sagte etwa Tom Di Galoma, Geschäftsführer bei Seaport Global in New York.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Sollte ich US-Banken kaufen? Warum ich Citigroup und Wells Fargo genauer prüfe
14.10.2026

Nach der starken Rally ist bei US-Bankaktien Ernüchterung eingekehrt. Gleichzeitig steigen die Gewinne vieler Institute weiter. Für mich...

DWN
Technologie
Technologie Kühlschränke im Auftaumodus: Cyberangriff stört Kühlanlagen französischer Handelsketten
14.10.2026

Eine Cyberattacke störte die Funktion von Kühlschränken mehrerer französischer Handelsketten. Lebensmittel müssen weggeworfen werden -...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung liegt auf Eis: Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin
14.10.2026

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Chefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer...

DWN
Immobilien
Immobilien Nach Fehlstart: „Jung kauft Alt“ wird massiv aufgestockt – lohnt sich die Eigenheimförderung?
14.10.2026

Bis zu 40.000 Euro mehr Kredit, Zinsen weit unter Marktniveau und lockerere Sanierungsvorgaben: Nach schwachem Start bessert der Bund bei...