Deutschland

„Angriff auf die Versorgungssicherheit“: Klima-Aktivisten legen Kohlekraftwerk Jänschwalde teilweise lahm

Klima-Aktivisten sind in das Kohlekraftwerk Jänschwalde eingedrungen und haben es teilweise stillgelegt.
19.09.2022 10:00
Aktualisiert: 19.09.2022 10:01
Lesezeit: 2 min

Nach der Blockade des drittgrößten Braunkohlekraftwerks in Deutschland durch Klima-Aktivisten hat die Polizei in Jänschwalde in Brandenburg mit der Räumung begonnen. Die Beamten waren am Montag mit einem größeren Aufgebot im Einsatz und nahmen mehrere Aktivisten in Gewahrsam. Der Betreiber Leag hatte zeitweise zwei Kraftwerksblöcke runtergefahren. Gegen Mittag waren drei von vier Blöcken wieder am Netz und produzierten den Angaben zufolge Strom. Zu Stromausfällen kam es nicht. Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) verurteilte die Blockade als Sabotageakt.

Die Klima-Aktivisten waren am Morgen auf das Gelände des Kraftwerks eingedrungen. Die Gruppe „Unfreiwillige Feuerwehr“ teilte am Morgen mit, dass sich etwa 40 Menschen auf dem Gelände befänden und unter anderem den Kohlebunker und die Gleisverbindungen zum Kraftwerk blockierten. „Wir nehmen hier und heute den Kohleausstieg selbst in die Hand“, hieß es von Aktivisten vor Ort. Das Werk liegt etwa 15 Kilometer nördlich von Cottbus.

Der Sprecher des Energieunternehmens Leag, Thoralf Schirmer, bestätigte, dass sich Aktivisten am sogenannten Grabenbunker befänden, wo Kohle gelagert wird. Er sprach von einem „Angriff auf die Versorgungssicherheit“. Ihm zufolge mussten wegen der Besetzung von Kohleförderbändern zwei Blöcke komplett vom Netz genommen werden. Damit war nach Leag-Angaben die Hälfte des Kraftwerks nicht im Betrieb - das bedeutete eine Reduzierung um ein Gigawatt.

Der Einsatz gestaltete sich nach Angaben eines Polizeisprechers als zeitintensiv, weil es schwierig sei, die angeketteten Klima-Aktivisten von den Gleis- und Förderanlagen zu lösen. Zur genauen Zahl der Menschen auf dem Gelände machte die Polizei zunächst keine Angaben.

„Klar ist, es handelt sich um eine Straftat“, sagte der Polizeisprecher. Ermittelt werde wegen Störung öffentlicher Betriebe und Hausfriedensbruch.

In wenigen Tagen sollen zwei weitere Kraftwerksblöcke in Jänschwalde, die sich in Sicherheitsbereitschaft befinden, für die Energieversorgung reaktiviert werden. Eine entsprechende Entscheidung des Landesamtes für Umwelt (LfU) steht nach einer Prüfung von Einwendungen gegen eine Ausnahmegenehmigung zum Wiederhochfahren der Blöcke E und F noch aus.

Auch in Berlin setzten am Montag Klima-Aktivisten ihren Protest fort. Zunächst blockierten nach Polizeiangaben etwa 50 Männer und Frauen die Kreuzung Unter den Linden, Ecke Friedrichstraße in der Nähe des Brandenburger Tors. Wenig später versammelten sich laut Polizei rund 100 Menschen am Potsdamer Platz und stellten dort einen pinkfarbenen Turm auf, der einem Bohrturm glich. Mit den Aktionen wolle man die unzureichende Klimapolitik der Bundesregierung und deren Sucht nach Öl, Gas und Kohle anprangern, teilte die Initiative Extinction Rebellion mit.

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