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Noch vor Pandemie-Beginn: China hortete Schutzausrüstung

Neue Erkenntnisse werfen Fragen über den Ursprung des Corona-Virus auf. Gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten mahnt der Physiker Roland Wiesendanger eine politische und juristische Aufarbeitung an.
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16.10.2022 11:00
Lesezeit: 3 min
Noch vor Pandemie-Beginn: China hortete Schutzausrüstung
China hat sich vor Pandemie-Beginn im großen Stil mit Schutzkleidung eingedeckt. (Foto: dpa) Foto: Ju Huanzong

Zwei ehemalige US-Regierungsbeamte kritisieren die Nachlässigkeit der US-amerikanischen Behörden im Hinblick auf die Frage nach der Herkunft des Corona-Virus. Dabei verweisen sie auf Daten, die auffälliges Verhalten Chinas kurz vor Pandemie-Beginn dokumentieren sollen.

Schutzausrüstung: China kaufte früh westliche Lagerbestände auf

Während, wie die britische Tageszeitung The Telegraph kürzlich berichtete, Chinas Exporte persönlicher Schutzausrüstungen (PSA) in die USA zwischen August und September 2019 nämlich um rund 50 Prozent zurückgegangen seien, habe das Land etwa zur selben Zeit damit begonnen, entsprechende Lagerbestände in Europa, Australien und den USA aufzukaufen.

Weil die Wildtiermarkt-These Dr. Tom McGinn, Gesundheitsberater am für innere Sicherheit zuständigen US-Ministerium Department of Homeland Security (DHS) und Colonel John Hoffman, Forschungsbeauftragter am DHS-finanzierten Food Protection and Defence Institute, nicht überzeugt habe, seien die beiden Ex-Regierungsbeamten auf der Suche nach einer passenderen Erklärung auf eine Auffälligkeit gestoßen.

Ex-Regierungsbeamter: Daten zeigen nicht „das normale Auf und Ab“

Eine Auswertung der Datenbank der Zoll- und Grenzschutzbehörde, die in die USA eingeführte Waren verfolgt, habe demnach ergeben, dass China schon lange vor dem offiziellen Ausbruch der Corona-Pandemie damit begonnen hätte, medizinische Kittel und Masken zu horten. Bei den Schwankungen handle es sich nicht um „das normale Auf und Ab, das es gibt“, wie Hoffman betont.

Auf eine diesbezügliche Nachfrage der beiden Ex-Regierungsbeamten habe das DHS-Büro für die Bekämpfung von Massenvernichtungswaffen jedoch nur mit Ablehnung reagiert. Eine Untersuchung habe die Behörde unter Verweis darauf, dass der Rückgang lediglich normale Versorgungsschwankungen widerspiegeln würde, abgelehnt.

Krankenhausvertreter sollen Knappheit bestätigt haben

Ein Vertreter des US-Krankenhausnetzwerkes HCA habe gegenüber Hoffman jedoch bestätigt, sich nicht daran erinnern zu können, jemals von so vielen Nachbestellungen von medizinischen Kitteln und Masken gehört zu haben wie im September 2019. Mit David Asher äußert sich im Telegraph-Artikel auch ein ehemaliger Beamter des US-Außenministeriums dahingehend, dass es einen „anhaltenden Anstieg“ der chinesischen Käufe gegeben habe.

Dieser sei so signifikant gewesen wäre, dass Ashers Kollegen beim DHS damals von US-Krankenhäusern erfahren hätten, die berichtet hatten, nicht die übliche Menge an Masken, Handschuhen, Kitteln und Schutzbrillen bekommen zu können. Weil das DHS nicht angemessen reagiert habe, wirft Hoffman dem US-Ministerium nun vor, infolge eigener Untätigkeit entstandene Pflichtverletzungen vertuscht zu haben.

Thesen McGinns und Hoffmans dürften Herkunftsdebatte neu entfachen

Die Thesen McGinns und Hoffmans dürften die brisante Debatte um die Herkunft des Corona-Virus neu entfachen. Zuletzt griffen mehrere deutsche Medien Ende Juli zwei in der Fachzeitschrift Science erschienene Studien auf, die gezeigt hätten, dass die sogenannte Laborthese nicht wahrscheinlich sei.

Als prominenter Vertreter der Gegenseite gilt der Hamburger Physikprofessor Roland Wiesendanger. Im Februar 2021 veröffentlichte der renommierte Nanowissenschaftler eine medial vielbeachtete Studie, die den Ursprung des Corona-Virus in einem Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan verortete. Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten ordnet er die Thesen McGinns und Hoffmanns ein.

Bis heute kein Zwischenwirtstier identifiziert

Die Erkenntnisse der beiden ehemaligen US-Regierungsbeamten befänden sich „im Einklang mit dem Wissen, dass die gegenwärtige Pandemie spätestens im August oder Anfang September 2019 durch einen Laborunfall in Wuhan ausgelöst wurde und nicht erst Ende 2019“. Wiesendanger betont zudem, dass bis heute trotz zahlreicher Untersuchungen kein Zwischenwirtstier einer Zoonose identifiziert werden konnte.

Zu den beiden Science-Artikeln erklärt Wiesendanger: „Die beiden zuletzt erschienenen Artikel basieren ausschließlich auf einer Analyse der ,offiziellen‘ Covid-Krankheitsfälle, wobei der Kontakt mit dem Tiermarkt in Wuhan als Voraussetzung für diese ,offiziellen Fälle‘ galt." Es sei daher also nicht verwunderlich, dass die Autoren der Science-Artikel einen Zusammenhang mit dem Tiermarkt feststellten. Dabei seien jedoch, so Wiesendanger, die früheren Corona-Fälle nicht in die Analyse einbezogen wurden.

War die Pandemie laborgemacht?

Zudem verweist der Physiker darauf, dass in den letzten eineinhalb Jahren zahlreiche Artikel weltweit erschienen seien, welche die Schlussfolgerungen seiner Studie erhärtet hätten. In britischen und US-amerikanischen Parlamenten habe es bereits Anhörungen zu dem Thema gegeben und in den USA werde es im Rahmen von „Freedom of Information Act“-Prozessen auch auf juristischer Ebene angegangen.

„Es gibt eine überwältigende Zahl von Hinweisen, welche die gegenwärtige Pandemie als Folge gefährlicher ,Gain-of-function-Forschung‘ in Wuhan unter Mitfinanzierung und Transfer von Know-how aus den USA entlarven, unter anderem ein Forschungsantrag aus dem Jahr 2019, der quasi eine ,Bauanleitung‘ für die Konstruktion eines SARS-CoV-2 Virus darstellt“, erklärt Wiesendanger.

Diese hoch risikoreiche Forschung müsse schnellstmöglich weltweit überwacht und reglementiert werden, auch in Deutschland. „Wenn nichts geschieht“, warnt der Physiker, „so werden wir schon bald mit der nächsten laborgemachten Pandemie zu tun haben“.

„Keine detaillierte Ursachenforschung“

Auch in Deutschland wäre es längst an der Zeit, die Frage nach dem Ursprung der Pandemie politisch, etwa durch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, und juristisch aufzuarbeiten. Die Begründung dafür liegt laut Wiesendanger auf der Hand: Nicht nur gäbe es nach der offiziellen Statistik mittlerweile über 150.000 Corona-Tote in Deutschland. Bislang hätte auch niemand beweisen können, dass die gegenwärtige Pandemie natürlichen Ursprungs ist.

„Wie bei jedem Unglück mit Todesfolge ist es normalerweise eine Selbstverständlichkeit, eine detaillierte Ursachenforschung zu betreiben. Diese hat bis heute in Deutschland nicht stattgefunden, was für alle Hinterbliebenen nicht nur schmerzhaft, sondern unverständlich ist“, so Wiesendanger.

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