Wirtschaft

Zu viele LNG-Tanker wollen entladen: Stau vor Europas Küste

Die starken Lieferungen von Flüssiggas nach Europa bringt die Infrastruktur zur Entladung an ihre Grenzen. Vor der Küste Spaniens stauen sich nun die LNG-Tanker.
Autor
18.10.2022 22:23
Lesezeit: 2 min
Zu viele LNG-Tanker wollen entladen: Stau vor Europas Küste
Flüssigerdgasterminal im Hafen von Cartagena. (Foto: dpa) Foto: Javier Carrión

Nach Angaben des spanischen Gasnetzbetreibers Enagas strömt so viel Flüssiggas (LNG) nach Europa, dass die Importanlagen Schwierigkeiten haben, mit den ankommenden Tankern Schritt zu halten.

Enagas könnte nun eigenen Angaben zufolge bis zur ersten Novemberwoche weniger LNG-Ladungen abwickeln. Das Unternehmen weist auf einen „signifikanten“ Rückgang der industriellen Nachfrage seit August und auf hohe Lagerbestände hin, die wenig Spielraum für die Aufnahme überschüssiger Importe ließen.

„Diese Situation ist kein isoliertes Ereignis im spanischen Gassystem, sondern findet auch in anderen Ländern um uns herum statt“, zitiert Bloomberg aus einer Erklärung des Unternehmens.

Die Warnung Spaniens, dessen sechs LNG-Terminals das größte Regasifizierungsnetz Europas bilden, verdeutlicht die unbeständigen Bedingungen auf dem europäischen Gasmarkt in diesem Jahr.

Nach dem Ansturm auf LNG, um die Winterreserven aufzufüllen, haben steigende Gaspreise die Industrie gezwungen, den Verbrauch zu reduzieren, und relativ warmes Wetter dämpft zudem die Heizungsnachfrage, was zu Staus in der Infrastruktur führt.

Mindestens sieben mit LNG beladene Tanker liegen vor der spanischen Südwestküste vor Anker, während in Großbritannien zwei weitere Tanker in der Nähe des Milford-Haven-Terminals vor Anker liegen, wie Bloomberg-Daten zur Schiffsverfolgung zeigen.

Dies hat dazu beigetragen, den Bloomberg-Index für beladene Tanker, die 20 Tage oder länger auf dem Wasser sind, auf den höchsten Stand seit mindestens 2017 zu steigern - und auf mehr als das Doppelte des Fünfjahresdurchschnitts.

Laut BloombergNEF erreichten die Importe nach Nordwesteuropa und Italien in der Woche vom 10. bis 16. Oktober insgesamt 1,9 Millionen Tonnen, etwa 58 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vormonats.

Die ungewöhnlich hohe Auslastung der europäischen Wiederverdampfungsterminals führt zu einer bescheidenen Schwemme, welche die Gaspreise unter Druck setzt, schreiben die Analysten von Morgan Stanley letzte Woche.

Die Differenz zwischen dem nordwesteuropäischen LNG-Preis und der regionalen Gas-Benchmark lag in den letzten Wochen bei bis zu 20 Dollar pro Million britischer Wärmeeinheiten, während sie im letzten Jahr noch bei nahezu Null lag, so die Analysten.

Alle LNG-Tanker, die einen Platz an den Enagas-Terminals gebucht haben, werden entladen können, sagte ein Sprecher des in Madrid ansässigen Versorgungsunternehmens. Sie müssen demnach lediglich länger als üblich auf das Entladen warten.

Die Staus könnten sich mit dem Herannahen des Winters und dem Anstieg der Nachfrage entspannen, so dass die Terminals mehr Kapazitäten zur Verfügung stellen können.

Außerdem arbeitet Deutschland, Europas größter Gasverbraucher, mit Hochdruck daran, noch für diese Heizperiode mindestens zwei eigene LNG-Terminals zu installieren, um die Abhängigkeit von seinen EU-Nachbarn zu verringern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Brutale Woche für Tech-Branche endet mit kurzer Verschnaufpause, doch KI-Zweifel bleiben
06.11.2026

Erfahren Sie, wie Schnäppchenjäger die Märkte kurzzeitig stabilisieren und welche unberechenbaren Risiken die Börsen weiterhin bedrohen.

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
06.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Politik
Politik Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier: Union und SPD für Ilse Aigner als Bundespräsidentin
06.11.2026

Ein Versorgungsposten zwischen den Unionsparteien und der SPD? Es herrscht anscheinend Einigung zwischen Union und SPD, dass Aigner...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt West Transport: Mit 22 Lastwagen gegen die Krise der Transportbranche
06.11.2026

Die Transportbranche kämpft mit steigenden Kosten, Fahrermangel und wachsendem Wettbewerbsdruck. Doch ein kleines Familienunternehmen aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold vs. Bitcoin: Welcher Vermögenswert schützt in der Krise?
06.11.2026

Ende August bewegten sich Bitcoin und Gold so stark im Gleichlauf wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Dr. André Dragosch, Head of...

DWN
Politik
Politik Arbeitslosenversicherung: Milliardenloch steigt und immer mehr Arbeitslose: Kommen höhere Beiträge?
06.11.2026

Im Oktober gibt es knapp drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung gerät...

DWN
Technologie
Technologie Der größte Kryptowährungsdiebstahl der Geschichte begann mit einem gefälschten Vorstellungsgespräch
06.11.2026

Ein vermeintliches Vorstellungsgespräch, manipulierte Software und ein internes KI-System wurden der Kryptobörse Binance zum Verhängnis....

DWN
Finanzen
Finanzen Ausverkauf von Tech-Aktien: Südkoreas Börse bricht ein
06.11.2026

Der Ausverkauf von Tech-Aktien in den USA belastet auch die Börsen in Asien. Besonders betroffen ist der südkoreanische Aktienmarkt. In...