Deutschland

Geheimes Regierungspapier: Probleme bei Kohle und Öl

Ein geheimes Papier der Bundesregierung zeigt die Lage in der Energieversorgung auf. Kritisch sieht es vor allem bei Kohle und Öl aus.
21.10.2022 08:37
Aktualisiert: 21.10.2022 08:37
Lesezeit: 3 min
Geheimes Regierungspapier: Probleme bei Kohle und Öl
Die Situation in der Stein- und Braunkohle ist einem geheimen Regierungspapier zufolge angespannt. (Foto: dpa) Foto: Rolf Vennenbernd

Ein geheimes Papier der Bundesregierung verdeutlicht auf welche Lage sich Verbraucher in der Energieversorgung einstellen müssen. Die Bild-Zeitung veröffentlichte die wichtigsten Eckpunkte des Papiers und kommt dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Mit dem sogenannten „Lagebild Energieversorgung“ informieren das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur ihre wichtigsten Mitarbeiter über die aktuelle Situation und Prognosen in der Energieversorgung.

Gasversorgungslage stabil

Laut dem Regierungspapier bezeichnen die Experten die Gasversorgungssicherheit als gewährleistet. Die Lage ist laut dem Papier angespannt, aber stabil und die Gasspeicher zu 96 Prozent gefüllt. Die Füllstände sind damit höher als 2015, 2017, 2018 und 2021. Um Flüssiggas nach Deutschland zu holen hat die Regierung fünf „Schwimmende Regasifizierungseinheiten“ gemietet.

Knackpunkt: Nur drei Einheiten sind diesen Winter einsatzbereit. Zwei weitere sollen zum Jahreswechsel 2023/2024 einsatzbereit sein. Die Gas-Preise an den Börsen scheinen derweil laut dem Papier ihren Höchststand überwunden zu haben und fallen rapide ab.

Was den Strom angeht, soll die Versorgungssicherheit sehr hoch sein. Damit die Sicherheit weiter gewährleistet ist, bleiben die drei Atommeiler Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 bis April 2023 am Netz. Interessanter Nebenfakt: In einem Diagramm verdeutlicht das Papier den Strom-Mix der Kalenderwochen 38 bis 41, also vom 19. September bis zum 16. Oktober. Das Ergebnis: 7,2 Prozent kam aus der Kernenergie, 21,7 Prozent aus der Braunkohle. Die Zahlen belegen die Wichtigkeit beider Bereiche für die deutsche Stromversorgung.

Ölabhängigkeit zu Russland stark

Kritisch sieht es bezüglich der französischen Atomkraft aus. Laut dem Regierungspapier befindet sich die Verfügbarkeit von Frankreichs Atommeilern auf einem historischen Tiefstand. Grund dafür sind technische Probleme.

Die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium gehen jedoch davon aus, dass viele der Kraftwerke im Winter wieder an den Start gehen und so die AKW-Stromproduktion wieder stark ansteigt. Diese Vermutung der Netzagentur und des Bundeswirtschaftsministeriums deckt sich damit, dass Frankreich die Erhöhung seiner Urananreicherungskapazitäten geprüft hat.

Aktuell gleicht Frankreich die geringe Stromproduktion seiner Atomkraftmeiler durch erhöhte Stromerzeugung in Gaskraftwerken aus. Dies hat Auswirkungen auf Deutschland. Im Papier heißt es: „Auch wenn die Versorgungssicherheit im Stromsystem vollständig gewährleistet ist, steigt der Gasverbrauch zur Stromerzeugung auch in Deutschland, weil Frankreich sehr viel mehr Strom aus seinen Nachbarländern importiert.“

Im Papier wird deutlich, dass Deutschland weiter sehr abhängig von russischem Rohöl- und Diesel ist und beides weiter benötigt. 2021 lag der Anteil der russischen Importe am Rohöl-Import bei 36 Prozent. Anfang 2022 sogar bei 40 Prozent. Anfang August bezog Deutschland immer noch 34 Prozent seines Öls aus Russland. Auch 40 Prozent des Diesel Kraftstoffs kam laut dem Regierungspapier im August noch aus Russland.

Fallen die Öl-Importe bei einem möglichen Embargo im Dezember aus, dann reichen die Reserven laut Regierungspapier rechnerisch für drei Monate. Danach würde ohne Ersatz eine Ölknappheit drohen.

Lage in der Stein- und Braunkohle angespannt

Problematisch sieht es auch bei der Stein- und Braunkohle aus. Ministerium und Bundesnetzagentur sehen die Lage als angespannt, aber beherrschbar. Das bedeutet: Trotz des Kohleembargos gegen Russland sei genug Kohle da, um im Falle eines Gasmangels die Brennstoffversorgung zu ermöglichen.

Schwierig sieht es bei der Binnenlogistik aus. Das bedeutet: Der Transport der Steinkohle innerhalb Deutschlands ist kompliziert. Grund sind die niedrigen Pegelstände des Rheins, die eine Maximal-Beladung der Schiffe verhindern.

Auch bei den Füllständen ist die Lage kritisch. Die Kohlelager des süddeutschen Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW sind gut gefüllt. Das ist besonders deswegen wichtig, weil die Auswirkungen des Niedrigwassers dort am größten sind. Die neuen Lager in Deutschland können laut Papier jedoch nicht bis zum Winter befüllt werden. Sind die Lager nicht bis zum Winter befüllt, kann es zu Kraftwerksausfällen kommen.

Laut dem Papier müssen die Betreiber den optimalen Kraftwerkseinsatz für den Winter entwickeln. Die Kraftwerke sollen die Steinkohle so effizient wie möglich einsetzen. Damit verbunden seien laut Papier aber eine hohe Zahl von Lastvorgängen beziehungsweise Startvorgängen der Kraftwerke. Dies bedeute die Gefahr von Kraftwerksausfällen sei stark erhöht.

Dem Regierungspapier entnehmend sind fünf Braunkohle-Kraftwerke aus der Reserve zum Strommarkt zurückgekehrt. Es handelt sich um Neurath C (NRW), Niederaußem E und F (NRW) und Jänschwalde E und F (Brandenburg).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsenwoche endet rot: Angst vor KI schluckt Inflationsfreude
13.02.2026

Obwohl frische Inflationsdaten den wichtigsten Indizes am Freitagmorgen kurzzeitige Unterstützung boten, wurde der Ausgang des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Uvex: Wie der Skibrillen-Hersteller von den Olympischen Winterspielen profitiert
13.02.2026

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 ist Uvex auf den Pisten und im Eiskanal allgegenwärtig. Athleten wie Skispringer und...

DWN
Politik
Politik Kakaopreis unter Druck: Schwache Nachfrage und wachsende Lagerbestände belasten den Markt
13.02.2026

Der Kakaopreis ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen, weil steigende Produktion und schwächere Nachfrage den...

DWN
Politik
Politik Klimawandel: Umweltminister kritisiert US-Pläne zur Lockerung von Klimaregeln
13.02.2026

Die US-Umweltbehörde will eine zentrale Regel zur Regulierung von Treibhausgasen aufheben. Bundesumweltminister Schneider nennt das...

DWN
Politik
Politik Bürokratie-Debatte der EU: Von der Leyen kritisiert nationale Auflagen
13.02.2026

Der Streit über Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit in der EU verschärft sich, nachdem Ursula von der Leyen die Mitgliedstaaten in die...

DWN
Finanzen
Finanzen Pfandbriefbank-Aktie stürzt auf Rekordtief: Immobilienkrise belastet länger als erwartet
13.02.2026

Die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) findet keinen Boden. Trotz des teuren Rückzugs aus dem US-Markt zwingt die schleppende Erholung der...

DWN
Politik
Politik NATO-Einsatz über Island: Deutsche Eurofighter starten zur Arktis-Mission
13.02.2026

Deutschland verstärkt seine Präsenz im hohen Norden. Wie Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Münchner Sicherheitskonferenz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsstandort Deutschland: Wie Zukunftspessimismus die Wirtschaft bremst
13.02.2026

Ein düsterer Blick in die Zukunft und eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung belasten den Standort Deutschland immer stärker. Laut...