Finanzen

Wertvollstes Unternehmen im Dax will Deutsche Börse verlassen

Der Industriekonzern Linde will Frankfurter Börse verlassen. Der Dax würde damit seinen größten Wert verlieren. Doch genau das scheint auch das Problem zu sein.
25.10.2022 11:59
Aktualisiert: 25.10.2022 11:59
Lesezeit: 2 min
Wertvollstes Unternehmen im Dax will Deutsche Börse verlassen
Die Linde AG will sich von der Deutschen Börse zurückziehen. (Foto: dpa) Foto: Matthias Balk

Der Deutschen Börse droht der Abgang des wertvollsten Mitglieds in ihrem Leitindex Dax. Vier Jahre nach der Fusion will sich der amerikanisch-deutsche Industriegase-Konzern Linde von der Frankfurter Börse zurückziehen und seine Aktien nur noch in New York handeln lassen.

Die doppelte Börsennotierung in New York und Frankfurt habe nach Ansicht des Linde-Managements einen negativen Einfluss auf die Bewertung und verursache einen Mehraufwand, sagte Vorstandschef Sanjiv Lamba am Montagabend. Das letzte Wort sollen aber die Aktionäre haben: Sie sollen bis Mitte Februar 2023 darüber abstimmen. Wenn mehr als 75 Prozent für den Rückzug aus Frankfurt stimmen, könne er im März vollzogen werden.

Bei Investoren kamen die Pläne aber zunächst schlecht an: An der New Yorker Börse verloren Linde am Montag 3,5 Prozent, in Frankfurt am Dienstag sogar fünf Prozent auf 282 Euro. Die Aktie wird bisher an beiden Börsen gehandelt, fast drei Viertel des Handelsvolumens entfallen laut Linde aber auf die New York Stock Exchange. Linde ist mit einem Börsenwert von rund 140 Milliarden Euro der schwerste Wert im Dax, noch vor SAP.

"Wir sind sehr stolz auf unsere reiche Geschichte und starke Präsenz rund um die Welt, einschließlich unserer Wurzeln in Deutschland", sagte Samba, der Linde seit gut einem halben Jahr führt. Das Doppel-Listing habe gute Dienste geleistet, es habe aber aufgrund der Beschränkungen in Europa die Kursentwicklung gebremst. Überdies seien US-Werte grundsätzlich höher bewertet als europäische, hieß es in einer Präsentation. Bisher müsse Linde seine Geschäftszahlen nach dem US-Standard GAAP und den internationalen IFRS-Regeln berechnen.

LINDE-AKTIE WIRD AN DER BÖRSE REGELMÄSSIG ZU SCHWER

Linde überschreitet regelmäßig die Kappungsgrenze von zehn Prozent, mit der die Deutsche Börse das Index-Gewicht eines einzelnen Dax-Wertes bei jeder Neuberechnung des Index begrenzt. So lange sich die Aktie besser entwickelt als der Dax, müssen Indexfonds, die den deutschen Leitindex abbilden, immer wieder Linde-Aktien verkaufen, was die Papiere laut Linde drückt. Investoren hatten eine Erhöhung der Kappungsgrenze auf 15 Prozent im Frühsommer abgelehnt. Solche Maximalwerte sind nur bei europäischen Indizes üblich, im S&P-500-Index mit seinen 500 Werten spielen sie keine Rolle. Die Deutsche Börse äußerte sich zu den Plänen von Linde zunächst nicht.

Offizieller Firmensitz des Gasekonzerns ist seit der Fusion der Münchner Linde AG mit dem US-Rivalen Praxair in Irland, weshalb die Aktie Dax-Mitglied bleiben konnte. Der steuerliche Sitz der Linde plc und das offizielle Hauptquartier ist in Woking bei London. Das Machtzentrum ist aber die ehemalige Praxair-Zentrale in Danbury im US-Bundesstaat Connecticut.

Der Rückzug aus Frankfurt soll nach den Plänen des Vorstands bewerkstelligt werden, indem die Linde-Aktionäre ihre Papiere in Aktien einer neuen Dachgesellschaft in Irland tauschen. Auf die Organisationsstruktur, die Mitarbeiter, Kunden oder die Präsenz von Linde habe der Vorschlag keine Auswirkungen, sagte Samba. Deutschland werde "ein wichtiger Markt für uns bleiben". (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich vor Einigung?
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente: Bundestag entscheidet über zehn Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Politik
Politik Wer ist wer in den Kriegen im Nahen Osten
16.10.2026

Zehn Punkte zu Staaten, Rebellen und politischen Gruppen, die für Kriege, Lieferwege und Energiepreise entscheidend sind.

DWN
Politik
Politik Energiewende: CO2-Preis soll stabil bleiben im nächsten Jahr
16.10.2026

Der CO2-Preis, der Heizen und Tanken teuer macht, soll mit dem Jahreswechsel nicht steigen. Das soll Verbraucher vor Preissprüngen...

DWN
Finanzen
Finanzen Unicredit: EZB genehmigt Übernahme von Commerzbank-Anteilen
16.10.2026

Seit zwei Jahren pirscht sich die Unicredit an die Commerzbank heran. Mit einem Übernahmeangebot im Sommer verfehlte sie eine Mehrheit nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Reform Erbschaftsteuer: Firmenerben bevorzugt? Karlsruhe prüft Steuervorteile
16.10.2026

Die Erbschaftsteuer soll reformiert werden, zumindestens in dem Punkt ist sich die schwarz-rote Koalition einig. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dow schließt deutlich höher, während sich die Wall Street erholttitle
15.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren und Einzelwerte die jüngste Erholung an den US-Börsen angetrieben haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerbesteuer auf Rekordhoch: Warum Kommunen trotzdem Milliarden fehlen
15.10.2026

Deutschlands Gemeinden haben 2025 so viel Gewerbesteuer eingenommen wie nie zuvor. Allerdings stiegen die Einnahmen nur geringfügig, die...