Politik

EU beschlagnahmt Milliardenreserven der russischen Zentralbank

Die EU hat Milliarden Devisenreserven der russischen Zentralbank eingefroren. Zusammen mit den beschlagnahmten Milliarden russischer Oligarchen sollen damit Reparationen des Krieges in der Ukraine beglichen werden.
Autor
05.12.2022 15:00
Lesezeit: 3 min
EU beschlagnahmt Milliardenreserven der russischen Zentralbank
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (li.) will die eingefrorenen Reserven der russischen Zentralbank für den Wiederaufbau der Ukraine nutzen. (Foto: dpa) Foto: Sarsenov Daniiar

Die Europäische Union hat 300 Milliarden Euro an Reserven der russischen Zentralbank beschlagnahmt. Das sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Videobotschaft auf Twitter. Dazu hat die EU auch Gelder russischer Oligarchen im Umfang von 19 Milliarden Euro eingefroren. Das Geld solle zunächst am Finanzmarkt angelegt werden, um später damit die Schäden zu bezahlen, die Russland in der Ukraine verursacht hat.

„Russland muss auch finanziell für die von ihm verursachten Zerstörungen aufkommen. Der Schaden, den die Ukraine erlitten hat, wird auf rund 600 Milliarden Euro geschätzt“, so von der Leyen auf Twitter. „Russland und seine Oligarchen müssen die Ukraine für den Schaden entschädigen und die Kosten für den Wiederaufbau des Landes übernehmen. Und wir haben die Mittel, um Russland zur Kasse zu bitten“, so die EU-Kommissionspräsidentin weiter.

EU beschlagnahmt Reserven der russischen Zentralbank

„Wir haben 300 Milliarden Euro der Reserven der russischen Zentralbank blockiert. Und wir haben 19 Milliarden Euro an russischen Oligarchengeldern eingefroren“, so von der Leyen. „Kurzfristig könnten wir mit unseren Partnern eine Struktur schaffen, um diese Mittel zu verwalten und zu investieren. Die Erlöse würden wir dann für die Ukraine verwenden.“

Sobald die Sanktionen aufgehoben seien, würden diese Gelder so eingesetzt werden, dass Russland die Ukraine vollständig für den entstandenen Schaden entschädigt, ergänzte von der Leyen. „Wir werden mit unseren Partnern an einem internationalen Abkommen arbeiten, um dies zu ermöglichen. Und gemeinsam können wir legale Wege finden, um dies zu erreichen. Die grausamen Verbrechen Russlands werden nicht ungestraft bleiben.“

Die angekündigten Reparationszahlungen setzen allerdings voraus, was aktuell in weiter Ferne liegt: einen Friedensvertrag. Denn die Freigabe dieser Mittel an Russland könnte von einem Friedensabkommen abhängig gemacht werden, das auch russische Reparationszahlungen umfassen würde, erklärten EU-Beamte am Mittwoch.

Ukraine irritiert über EU-Angaben zu Verlusten

Doch davon sind beide Seiten in der Ukraine jedoch noch weit entfernt. Auch mehr als neun Monate nach Beginn des Krieges ist kein Waffenstillstand – geschweige denn ein Friedensvertrag – in Sicht. Die Verluste auf beiden Seiten steigen täglich. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach sogar von 100 000 angeblich getöteten ukrainischen Soldaten. Diese Aussage sorgte in Kiew für Irritationen und wurde kurz darauf von der EU aus dem Video gelöscht.

Gegenüber dem ukrainischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen hob der ukrainische Präsidentensprecher Serhij Nykyforow hervor, dass nur der Oberkommandierende der Streitkräfte, der Verteidigungsminister oder der Präsident belastbare Zahlen über Verluste veröffentlichen können. Präsident Wolodymyr Selenskyj werde offizielle Daten publik machen, „wenn der richtige Moment“ gekommen sei, da das eine sensible Information sei.

Kiew habe bereits in Brüssel angefragt, woher von der Leyen ihre Informationen habe, sagte Nykyforow. Die Ukraine veröffentlicht bisher nur äußerst selten Informationen über Verluste in den eigenen Reihen.

Russischer Oligarch beklagt hohe Verluste

Der Milliardär Alexej Mordaschow, vor dem Krieg der reichste Mann Russlands, bestätigte die Beschlagnahmung von Teilen seines Vermögens und beklagt sich über hohe Verluste durch die westlichen Sanktionen.

„Wir bei Severstal haben etwas mehr als 400 Millionen Dollar (400 Millionen Euro) verloren – die sind in Europa hängengeblieben, wurden als Waren- und Geldreserven beschlagnahmt“, sagte der 57-Jährige am Mittwoch der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Es sei derzeit sehr schwer, Exporteinnahmen ins Land zurückzuführen, klagte er zugleich.

Inwieweit die eingefrorenen Gelder russischer Oligarchen Teil der Reparationszahlungen an die Ukraine sein werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Zwar erwähnt von der Leyen die blockierten Vermögen explizit. Doch an der Rechtssicherheit dieses Vorgehens gibt es erhebliche Zweifel.

Nicht so bei der EU-Kommissionspräsidentin. Sie sagte im Hinblick auf mögliche Rechtskonflikte, die EU arbeite derzeit zusammen mit anderen Partnerstaaten an einer Lösung. „Zusammen können wir rechtsichere Wege finden“, so von der Leyen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...

DWN
Politik
Politik Protest gegen EU-Bürokratie: 13 EU-Staaten wollen Brüssel einbremsen
23.09.2026

Österreich macht gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Staaten Druck auf Brüssel: Ein Jahr lang soll bei neuen EU-Gesetzen weitgehend auf die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie unbeeindruckt: Grünes Licht für Stahl Parent-Übernahme
23.09.2026

Der Konsumgüterkonzern Henkel darf den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Parent für 2,1 Milliarden Euro übernehmen....

DWN
Politik
Politik Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
23.09.2026

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
23.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie vor der Patentklippe: 112 Milliarden Euro stehen auf dem Spiel
23.09.2026

Ozempic und Wegovy haben Novo Nordisk mehr als 112 Milliarden Euro Umsatz beschert und den Pharmakonzern in die Weltspitze katapultiert....