Wirtschaft

Immobilienmarkt: Weitere Einbrüche drohen in den USA und China

Der weltweite Immobilien-Preisrückgang in globalen Märkten hält hartnäckig an. Es gibt keine Zeichen der Erholung – und das Risiko von Auswirkungen auf die Weltwirtschaft wächst erheblich.
13.02.2023 22:00
Lesezeit: 2 min
Immobilienmarkt: Weitere Einbrüche drohen in den USA und China
Hochhäuser und Baukräne in China. Weltweit stehen Immobilienmärkte weiterhin unter Druck. (Foto:dpa)

In wichtigen Teilen der Welt stehen globale Immobilienmärkte weiterhin ernsthaft unter Druck, hauptsächlich wegen rasant steigenden Zinssätzen, die letztes Jahr dazu geführt haben, dass private Haushalte sich einen Immobilienkauf nicht mehr leisten konnten. Die stark schwankenden Immobilienmärkte sind jetzt ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft.

Laut Bloomberg wird sich die Situation noch verschärften, weil anhaltend hohe Zinssätze die Finanzen privater Haushalte in den kommenden Monaten weiter unter Druck setzen werden. Immobilienpreise werden daher voraussichtlich noch stärker fallen.

Schwankende Weltmärkte

Aus aktuellen Bloomberg-Berichten geht hervor, dass sich der Einbruch des US-Immobilienmarktes jetzt auf den fünften Monat ausdehnt, der Rückgang der Hausverkäufe in China anhält, und Preise in Australien und Neuseeland weiter sinken. Schon gegen Mitte letzten Jahres war der US-Immobilienmarkt - traditionell eine Stütze der US-Wirtschaft - ernsthaft unter Druck geraten. Als dann die US Federal Reserve im November bekannt gab, dass sie in absehbarer Zukunft nicht aus ihrer Straffungspolitik aussteigen würde, und die Zinsen für 30-jährige US-Hypotheken die kritische Marke von sieben Prozent durchbrachen, waren das sehr schlechte Nachrichten für Hauseigentümer und potentiale Immobilienkäufer.

Bloomberg zufolge gibt es auch in China kaum Anzeichen einer Erholung des Immobilienmarktes, auch wenn Behörden sich stark bemühen, die Branche wieder anzukurbeln. Laut Daten der China Real Estate Information Corporation sind Verkäufe neuer Häuser im Januar um 32,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Chinesische Behörden haben in den letzten Monaten Schritte unternommen, um die Finanzierung von Bauträgern mit knappen Mitteln zu erleichtern, und haben damit eine Entschuldungskampagne rückgängig gemacht, die eine Welle von Zahlungsausfällen in China ausgelöst hat.

Dem Guardian zufolge sind die britischen Immobilienpreise im Januar für den fünften Monat in Folge gesunken, nach frenetischen Wachstum während der Pandemie. Der Preisrückgang ist auf eine Verlangsamung des Immobilienmarktes in Großbritannien zurückzuführen, verursacht durch eine Kombination aus galoppierender Inflation, der allgemeinen Verknappung der Lebenshaltungskosten und steigenden Hypothekenkosten.

Weltwirtschaft-Risiken doch US Fed schöpft Hoffnung

Weltweit sinkenden Immobilienpreise drohen das Verbrauchervertrauen zu untergraben und Haushaltsausgaben zu belasten, so Bloomberg. Auch Investitionen könnten leiden, weil Bauunternehmungsfirmen ihre Projekte als Reaktion auf sinkende Preise, nachlassende Nachfrage und höhere Kreditkosten einschränken könnten.

Nach Angaben von unabhängiger Wirtschaftsberatungsfirma Oxford Economics haben inflationsbereinigten Hauspreise etwa die Hälfte ihrer früheren Gewinne wieder eingebüßt nach den letzten drei großen Immobilien-Krisen. Weltweit sind Preise seit 2012 um etwa 40 Prozent gestiegen. Das Beratungsunternehmen sagte in einem aktuellen Bericht, dass die globale Immobilienmarkt-Schwäche im schlimmsten Fall das weltweite Wirtschaftswachstum dieses Jahr auf etwa Null drücken könnte.

Anfang Februar schürte die US Federal Reserve Hoffnungen auf einen weniger starken Zinsanstieg, als sie den Schlüsselsatz lediglich um einen Viertel-Prozentpunkt erhöhte, nachdem sie bereits im Dezember den Leitzins nur noch um einen halben Punkt angehoben hatte. Zuvor hatte sie ihn vier Mal in Folge um jeweils 0,75 Prozentpunkte nach oben getrieben, um die Inflationswelle zu brechen. Damit erweckte die Notenbank Hoffnung, dass etwas Normalität wieder in die Geldpolitik einkehrt, und dass der globale Immobilienmarkt auch eine gewisse Atempause bekommen könnte.

Ein weiteres positives Zeichen für globale Immobilienmärkte kommt aus Hongkong, wo sich mit der Wiedereröffnung der Grenze zum chinesischen Festland ein Aufschwung im Wohnungsbau abzeichnet. Bloomberg Intelligence zufolge könnte der Verkauf neuer Häuser in der Stadt in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent ansteigen, hauptsächlich wegen der aufgestauten Nachfrage von Festland-Käufern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen US-Regulierungspläne lösen Turbulenzen am Kryptomarkt aus: XRP legt kräftig zu – Investoren suchen neue Anlagestrategien

Frankfurt/London, Februar 2026 – Der Kryptomarkt befindet sich erneut in einer Phase erhöhter Schwankungen. Makroökonomische...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik EU beschränkt CSRD und CSDDD: Was Unternehmen zu Nachhaltigkeitsberichten und Due Diligence wissen müssen
01.03.2026

Die Europäische Union grenzt mit der Reform von CSRD und CSDDD die Nachhaltigkeitsberichtspflichten und Sorgfaltspflichten stärker auf...

DWN
Politik
Politik Selenskyj drängt auf Sicherheitsgarantien: Stehen am Anfang vom Ende des Ukraine-Kriegs
01.03.2026

Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs fordert Präsident Wolodomir Selenskyj verbindliche Sicherheitsgarantien und einen klaren...

DWN
Politik
Politik Rente mit 70? Was die Regierung diskutiert und wer betroffen wäre
28.02.2026

Rente mit 70 – dieser Plan könnte schon bald Realität werden. Die Rentenkommission und verschiedene Experten legen seit einigen Tagen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Glasfaser-Internet: Telekom peilt bei Glasfaser-Ausbau 25 Millionen Haushalte an
28.02.2026

Die Bagger der Telekom kommen gut voran, doch die Resonanz der Kunden in puncto Glasfaser-Internet ist noch ausbaufähig. Der Konzern legt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Run aufs weiße Gold: Warum Deutschland zum Lithium-Produzenten werden kann
28.02.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für die Zukunftstechnologie. Rohstoffknappheit und der anhaltende KI-Boom...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz: Entscheidet KI über Aufstieg oder Abstieg Europas?
28.02.2026

Wissen explodiert, Märkte beschleunigen, Entscheidungen müssen in Sekunden fallen. Künstliche Intelligenz wird damit zur Dampfmaschine...

DWN
Immobilien
Immobilien Ifo: Schärfere Mietpreisbremse verschärft Wohnungsnot
28.02.2026

Der Wohnungsbau in Deutschland liegt am Boden. Denn die Kosten sind so hoch, dass sich der Bau für Vermieter vielerorts nicht lohnt. Ein...

DWN
Politik
Politik Moldau im Machtkampf: Russland bekämpft EU-Annäherung mit Millionen
28.02.2026

Russland versucht mit hohen Geldsummen und gezielter Desinformation, proeuropäische Mehrheiten in Beitrittsstaaten wie Moldau zu...