Finanzen

LME: Russische Metalle bei Kunden weltweit weiter gefragt

Die Londoner Metallbörse meldet zwar einen Anstieg russischer Metalle in ihrem globalen Lagerhausnetz. Doch die Kunden akzeptieren das Metall weiterhin, so die LME .
Autor
11.02.2023 18:04
Aktualisiert: 11.02.2023 18:04
Lesezeit: 2 min
LME: Russische Metalle bei Kunden weltweit weiter gefragt
Kupfer und andere Metalle aus russischer Produktion füllen die Lagerhäuser der Londoner Metallbörse. (Foto: dpa) Foto: Yakovlev Ilya

Im letzten Jahr hatten der US-amerikanische Aluminiumhersteller Alcoa und andere große Lieferanten gefordert, russisches Metall von der Londoner Metallbörse (LME) auszuschließen, nachdem eine wachsende Zahl von Kunden russisches Metall in ihren Verträgen ausdrücklich ausgeschlossen hatte. Die geltenden Sanktionen des Westens gegen Russland verbieten russisches Metall bisher nicht.

Daraufhin leitete die LME im Oktober eine formelle Diskussion mit Branchenvertretern ein, entschied sich dann aber im November gegen ein Verbot neuer Lieferungen von russischem Metall. Für die großen westlichen Aluminiumproduzenten und einige Rohstoffhändler war dies eine Enttäuschung. Doch mit der Entscheidung konnte die Börse das drohende Chaos auf den Rohstoffmärkten vorerst abwenden.

Ein Verbot von russischem Metall von der Londoner Rohstoffbörse hätte bedeutet, dass Metall aus Russland nicht mehr in die weltweiten Lagerhäuser des LME-Netzes hätte geliefert werden können, wo die Metalle gelagert werden, die zur Erfüllung von Terminkontrakten verwendet werden, wenn diese auslaufen. Der Einschnitt wäre erheblich gewesen. Denn auf Russland entfallen:

  • 9 Prozent der weltweiten Nickelproduktion,
  • 5 Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion und
  • 4 Prozent der weltweiten Kupferproduktion.

Am Donnerstag hat die Londoner Metallbörse nun Daten veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass die Bestände an russischem Metall in ihrem Lagernetz in den letzten Monaten deutlich angestiegen sind, wie Bloomberg berichtet. Demnach macht Metall aus Russland inzwischen 94 Prozent der Kupferbestände aus, 41 Prozent des Aluminiums und 16 Prozent des Nickels.

Die LME erklärte, dass der Anstieg ihren Erwartungen entspreche und dass russisches Metall von den Kunden weiterhin akzeptiert werde. Doch der Anstieg der Bestände russischen Metalls könnte die Debatte über ein Verbot russischer Metalle wieder anheizen. Ende letzten Jahres hatte die Metallbörse angekündigt, ab Januar jeden Monat Daten zum Lagerbestand zu veröffentlichen, um die Transparenz zu erhöhen.

Einige große westliche Aluminiumhersteller, die sich im letzten Jahr für das Verbot russischen Metalls einsetzten, warnten vor einem Trend zur "Selbstsanktionierung" durch die Käufer, der dazu führen könnte, dass unerwünschtes russisches Metall zu Dumpingpreisen an die LME geliefert wird, was die Preise an der Börse verzerren würde.

Die Metallbörse erklärte damals, dass viele Verbraucher weiterhin russisches Metall akzeptierten und sogar darauf angewiesen seien. In der LME-Mitteilung vom Donnerstag heißt es nun: "Die Schlussfolgerung der LME (basierend auf Marktrückmeldungen), dass russisches Metall weiterhin konsumiert wird, wird durch Daten über den Abfluss von russischem Metall aus den LME-Lagerhäusern gestützt."

Obwohl die USA und Europa weitreichende Sanktionen gegen Russland verhängt haben, sind die an der LME gehandelten Metalle von pauschalen Beschränkungen bisher weitgehend verschont geblieben. Doch nach einem Bericht von Bloomberg, wonach die USA Zölle in Höhe von 200 Prozent auf in Russland hergestelltes Aluminium vorbereiten, ist das Thema diese Woche wieder in den Fokus des Marktes gerückt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik NATO-Rüstungsproduktion: Warum Europas Milliarden keine Raketen stoppen
02.07.2026

Die NATO gibt immer mehr Geld für Verteidigung aus, doch Europas Rüstungsindustrie kommt kaum hinterher. Beim Gipfel in Ankara zeigt sich...

DWN
Politik
Politik Merz lobt Reformpaket, wirbt um Unterstützung und verschärft Krankschreibungen
02.07.2026

Krankschreibungen sollen strenger werden, gleichzeitig verspricht die Koalition Steuerentlastungen und weniger Bürokratie. Kanzler...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit: Niederlagen im Fußball, Alarm in den Unternehmen
02.07.2026

Deutschland war Exportweltmeister, Fußballweltmeister und Vorbild für industrielle Stärke. Heute scheiden Nationalmannschaften früh...

DWN
Politik
Politik Koalition einigt sich auf Steuerentlastungen
02.07.2026

Zum 1. Januar 2027 soll eine Reform der Einkommensteuer in Kraft treten. Steuerzahler sollen dadurch insgesamt um 10 Milliarden Euro pro...

DWN
Finanzen
Finanzen Rüstungsaktien: Der Hype ist vorbei, jetzt zählt der Gewinn
02.07.2026

Europas Rüstungsindustrie galt lange als großer Gewinner der Zeitenwende. Bei Rheinmetall und anderen Verteidigungswerten bröckelt die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chinesische Übernahme von MediaMarktSaturn: Ministerium genehmigt Angebot
02.07.2026

Der chinesische Handelskonzern JD.com will sich MediaMarktSaturn sichern. Das Bundeswirtschaftsministerium erteilt die Freigabe unter...

DWN
Immobilien
Immobilien Mietrechtsreform: Die neue Indexmiete
02.07.2026

Ab 01. Juli 2026 tritt eine vom Kabinett beschlossene Mietrechtsreform in Kraft, welche die Rechte und Möglichkeiten von Mietern und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt in letzter Minute nach, trotz Warshs Inflationsoptimismus
01.07.2026

Überraschende Kehrtwende kurz vor Handelsschluss: Erfahren Sie, welche Faktoren die US-Märkte am Abend bewegten.