Wirtschaft
Anzeige

Prognose: Wie sich Öl- und Gaspreise in diesem Jahr entwickeln werden

Die Öl- und Gaspreise sind durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen kräftig gestiegen. Wie werden sich die Preise in diesem Jahr entwickeln?
25.03.2023 09:06
Lesezeit: 3 min

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen waren der Auslöser für erhebliche wirtschaftliche und finanzielle Markt-Turbulenzen weltweit. Die Auswirkungen des Krieges auf Öl- und Gaspreise waren – und sind immer noch – weitreichend.

Hintergrund zu Öl und Gaspreis-Prognosen

Experten weisen darauf hin, dass im vergangenen Jahr eine beispiellose Unsicherheit in Bezug auf die weltweite Energieversorgung nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine entstand. S&P Global sagt, dies geschah vor dem Hintergrund einer schwächeren Makroökonomie und einer hohen Inflation. „Wir gehen davon aus, dass sich die Märkte im Jahr 2023 auf einem längeren Weg der Rekalibrierung befinden werden, da sich die Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage an die gestiegenen Preise und die Angebotsunsicherheit anpassen werden.“

Laut der internationalen Kredit-Ratingagentur war Chinas Covid-Politik der wichtigste fundamentale Faktor für Energiemärkte im Jahr 2022 war. S&P Global Commodity Insights zufolge waren die COVID-Beschränkungen, die zu einem unterdurchschnittlichen Wachstum der Energienachfrage und schwächeren chinesischen Energieimporten führten „ein wichtiges Sicherheitsventil“ für die Öl-, Gas- und Kohlemärkte letztes Jahr.

Ohne diese Nachfrageschwäche wären die Preise für Rohstoffe höher gewesen. Wenn Chinas Energienachfrage und -importe im Jahr 2023 stark ist, werden Rohstoffpreise gut gestützt sein, aber noch ein Jahr mit gedämpfter Nachfrage aus China wäre eine deutlich rückläufige Entwicklung für Rohstoffpreise.

Razan Nasser, Credit-Analystin bei US-Finanzdienstleistungsunternehmen T. Rowe Price kommentierte, dass die Energie-Krise in Europe letztes Jahr zwar abgewendet wurde, aber viele Herausforderungen noch vor uns liegen.

„Es ist den europäischen Ländern weitgehend gelungen, ihre Gasspeicher vor dem Winter zu füllen. In Verbindung mit dem milden Winter hat dies dazu beigetragen, dass die Großhandelspreise für Gas gegenüber ihren Höchstständen von 2022 deutlich gesunken sind“, so Nasser. Auch wenn dies ermutigend sei, bliebe die Abkehr Europas vom russischen Gas bis 2023 und darüber hinaus eine große Herausforderung, sodass es ein Fehler wäre anzunehmen, dass die Energiekrise vorbei sei. „In vielerlei Hinsicht fängt die Krise gerade erst an“, sagte Nasser.

Die europäische Gasinfrastruktur sei darauf ausgelegt, Importe aus Russland über Pipelines aufzunehmen, und es erfordere Zeit und Geld dies umzustellen. „Die Einfuhr von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus den USA und Katar bietet eine potenzielle Alternative, aber es ist unwahrscheinlich, dass das Angebot ausreicht, um den europäischen Bedarf über einen kurzen Zeitraum hinaus zu decken.“

Zudem gebe es in Europa nur begrenzte Kapazitäten für die Verarbeitung von LNG-Importen. Obwohl der Bau neuer Verarbeitungs-Infrastrukturen geplant sei, würde dies wahrscheinlich mehrere Jahre dauern. „Langfristig werden erneuerbare Energieträger die russischen Importe als Hauptlieferanten für den europäischen Energiebedarf ablösen, aber es wird viele Jahre dauern, bis die dafür erforderliche Infrastruktur aufgebaut ist,“ so Nasser.

Ihre Prognose für das Jahr 2023: „Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass die europäischen Länder wahrscheinlich weiterhin vor der Herausforderung stehen werden, genügend fossile Brennstoffe zu erhalten, um die Nachfrage im Winter 2023 bis 2024 und darüber hinaus zu decken. Dies könnte zu höheren (Energie)-Preisen führen, was die Regierungen wahrscheinlich dazu zwingen wird, die Energierechnungen weiterhin zu subventionieren.“


DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...

DWN
Panorama
Panorama Elon Musk als Technokönig: Warum Muskismus mehr ist als Tesla und SpaceX
24.05.2026

Elon Musk ist längst mehr als ein Unternehmer. Eine neue Analyse beschreibt Muskismus als Projekt, das Technologie, Macht und...

DWN
Technologie
Technologie Handynutzung: Prepaid-Handys kommen in Deutschland aus der Mode
24.05.2026

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten...

DWN
Politik
Politik Kann Europa Weltmacht werden? Eine Analyse
24.05.2026

Die alte Weltordnung bricht weg, und Europa steht plötzlich allein zwischen den streitenden Machtblöcken. Jetzt entscheidet sich, ob der...

DWN
Technologie
Technologie Rekordabsatz bei Wärmepumpen: Fast jede zweite neue Heizung läuft elektrisch
24.05.2026

Der Markt für neue Heizgeräte erholt sich schneller als erwartet: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtabsatz um 16 Prozent....

DWN
Politik
Politik EU-USA-Abkommen: Brüssel bekommt nicht, was es wollte, aber was es braucht
24.05.2026

Bernd Lange, Chef des Ausschusses für den Außenhandel des Europäischen Parlaments, glaubt, dass die EU ein Sicherheitsnetz gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neuer EQT-Vorsitzender Salata: „Mit Geld kommt Verantwortung“
24.05.2026

Der chilenische Milliardär Jean Eric Salata hat nun den Vorsitz bei der schwedischen Private-Equity-Gesellschaft EQT übernommen....

DWN
Politik
Politik Russischer Topökonom: „Putin wird bald begreifen, dass die Zeit nicht auf seiner Seite ist“
24.05.2026

Sergej Guriev, russischer Ökonom im Exil, gilt als einer der weltweit führenden Experten für Russlands Wirtschaft. Im Interview schätzt...