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Zombie-Firmen: Wie sich Anleger und Lieferanten schützen können

Eine Firmeninsolvenz kann Anleger oder Lieferanten empfindlich treffen. Wie findet man heraus, ob ein Unternehmen in Finanznöten steckt?
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16.04.2023 08:12
Aktualisiert: 16.04.2023 08:12
Lesezeit: 3 min
Zombie-Firmen: Wie sich Anleger und Lieferanten schützen können
Eine Zombiefirma wirkt nach außen finanziell gesund, aber ist tatsächlich schwer angeschlagen. (Foto: iStockk.com/Andrii Yalanskyi) Foto: Andrii Yalanskyi

Die Zahl der Zombieunternehmen ist laut Studien in Deutschland und weltweit hoch. Etwa schätzte die Unternehmensberatung Kearney im vergangenen Herbst, dass 4,7 Prozent aller Aktiengesellschaften weltweit Zombies sind. Die Firmen sind also bereits mindestens zehn Jahre am Markt und konnten drei Jahre infolge die Zinsverbindlichkeiten nicht aus dem Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) decken.

Besonders betroffen ist Kearney zufolge der börsennotierte Mittelstand. Rund 6 Prozent aller AGs mit weniger als 500 Millionen US-Dollar Umsatz seien Zombies. Bei den größeren AGs seien es bloß rund 1 Prozent.

Creditreform gelangt sogar zu noch höheren Zahlen. Die Wirtschaftsauskunftei aus Nordrhein-Westfalen untersuchte die Jahresabschlüsse von über 6000 Unternehmen aus Deutschland. 19,3 Prozent der fremdfinanzierten Firmen wiesen im Zeitraum von 2019 bis 2021 „keine ausreichende Schuldentragfähigkeit“ auf, berichtete Creditreform im Dezember. „Das heißt, zur Finanzierung der Kreditzinsen reicht der operative Gewinn bei weitem nicht aus.“

Geschäftszahlen sind oft veraltet

Anleger und Lieferanten sollten also genau hinschauen, mit wem sie Geschäfte machen. Doch Zombiefirmen sicher zu identifizieren ist schwierig. Ohne interne Kenntnisse des Betriebes sei das „kaum möglich“, erklärt der Unternehmensberater Jörgen Erichsen gegenüber DWN. Erichsen leitet den Arbeitskreis Controlling beim Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller.

Alle Informationen, die etwa über die Bilanz und somit auch von Auskunfteien vorliegen, würden sich auf die Vergangenheit beziehen, führt der Leverkusener aus. Zwischen der Erstellung einer Bilanz und der eventuellen Weiterleitung an den Bundesanzeiger und Co. lägen oft mehrere Monate oder sogar über ein Jahr. „In der Zeit kann sich die Lage vollständig geändert haben, zum Guten wie zum Schlechten“, erklärt Erichsen.

Allenfalls gebe es Indizien, die auf Probleme hindeuten könnten, es aber nicht müssten. Etwa sollten Anleger oder Lieferanten beim Lesen der Bilanz darauf achten, wie hoch der Anteil der Fremdmittel (Schulden und Kredite) an der Bilanzsumme oder dem Gesamtkapital sei. „Banken wünschen sich einen Anteil von maximal 80 Prozent“, erklärt Erichsen und fügt hinzu: „Höhere Werte können ein Indikator für anstehende Schwierigkeiten sein.“

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) solle mindestens reichen, um die Zinsen ohne Probleme bezahlen zu können. „Sehr grobe Faustregel: Die Zinsen sollten möglichst weniger als 20 bis 30 Prozent des EBIT ausmachen“, erklärt der Betriebswirt. Auch geringe Reserven an flüssigen Mitteln (Bankguthaben) könnten auf Schwierigkeiten hindeuten.

Ratings prüfen

Daneben können Anleger, Kunden oder Lieferanten die Ratings überprüfen, etwa über Auskunfteien. „Zombiefirmen haben meist ein schlechtes Rating, also Bonitätsnoten im Bereich ausreichend oder schlechter“, erklärt Erichsen. Die Auskunft bei einer Wirtschaftsauskunftei wie Creditreform oder der Schufa sei meist erschwinglich. Die Kosten lägen oft bei 8 bis 10 Euro. „Interessenten müssen aber oft ein 'berechtigtes Interesse' nachweisen, etwa dass sie eine Geschäftsbeziehung aufbauen oder ausweiten möchten.“

Ein weiteres Indiz: Zombiefirmen verhalten sich häufig seltsam. „Sie zahlen zum Beispiel häufiger nicht pünktlich, bitten um Stundungen oder bieten von sich aus höhere Skonto an, wenn man als Kunde früher zahlt als im Vertrag vereinbart“, erklärt Erichsen. Solches Verhalten sei meist ein echtes Warnsignal.

Eine weitere Informationsquelle ist die Bankauskunft. Hier gibt eine Bank Informationen über die finanziellen Verhältnisse eines Kunden an eine andere weiter. Dabei muss ein Privatkunde der Auskunftserteilung über ihn explizit zustimmen. Bei einem gewerblichen Kunden muss eine Verweigerung bereits vorliegen, damit eine Auskunft nicht erteilt wird. Konkrete Angaben zu Kontoständen, Kreditsalden oder Depotinhalten geben die Banken aber nicht weiter. „Banken haben, ähnlich wie Personalabteilungen, ihre Codes, um Dinge schweigend zum Ausdruck zu bringen“, erklärt die Verbraucherseite Verivox.

Doch auch die Bankauskunft bietet etwa Vermietern oder Lieferanten keine hundertprozentige Sicherheit. Die Banken würden ebenfalls vor allem auf Daten aus der Vergangenheit zurückgreifen, erklärt Unternehmensberater Erichsen. Häufig kämen vor allem Privatpersonen nicht an eine Bankauskunft heran, denn Interessenten müssten ein berechtigtes Interesse nachweisen – etwa die Absicht, mit dem Betrieb ein Geschäft anbahnen zu wollen.

Erichsen zufolge gehört es zum guten Geschäftsgebaren von Unternehmen, sich über mögliche Geschäftspartner ausführlich zu informieren. Wenn zwei bis drei Indizien zusammenkämen, dass ein Unternehmen in Finanzschwierigkeiten stecke, „sollte man von einem Kontakt absehen oder ihn absichern“, erklärt Erichsen.

Bürgschaften und Referenzen einholen

Eine Lösung könnten etwa Bürgschaften sein. Außerdem könnten sich Unternehmen Referenzen von Kunden und Lieferanten des möglichen Zombies einholen. Außerdem könne man auf Zahlungsmethoden wie Vorkasse oder Lastschrift bestehen.

Die steigenden Zinsen der Notenbanken bringen Zombieunternehmen unter Druck. Etwa steigt der Anteil der Zombie-AGs in Europa von 5,5 Prozent im Jahr 2021 auf 7,1 Prozent, wenn die EZB die Höhe des Leitzinses verdoppelt, wie ein Stresstest von Kearney ergeben hat.

Auch Creditreform sieht dunkle Wolken am Horizont. Die restriktivere EZB-Geldpolitik erhöhe den Zinsaufwand der Unternehmen. Gleichzeitig erodierten die Erträge aufgrund einer Rezession und hoher Energiepreise. „Damit ist ein hohes Potenzial für Zahlungsausfälle erwachsen, das sich in den kommenden Jahren in der Insolvenzstatistik niederschlagen könnte“, erklärt ein Creditreform-Mitarbeiter.

Das billige Geld der EZB und hohe Staatssubventionen, etwa Kurzarbeitergeld, Corona-Gelder und Kredite der staatlichen Bank KfW, haben in den vergangenen Jahren die Zahl der Zombies in Deutschland und Europa erhöht. Die Zahl der Insolvenzen war infolge sehr gering.

Etwa gingen zwischen 2020 und 2022 nur noch 14.000 bis 16.000 Unternehmen pro Jahr bankrott. In den Vorjahren waren es noch etwa 20.000 pro Jahr gewesen. Zwischen 2000 und 2012 lag die Zahl sogar immer über 28.000 und meist zwischen 30.000 und 40.000 pro Jahr. Die EZB hatte im Jahr 2012 den Leitzins erstmals unter die 1-Prozent-Marke gedrückt und in den Folgejahren bis auf null gesenkt.

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Elias Huber

Elias Huber arbeitet als freier Journalist und Honorar-Finanzanlagenberater. Der studierte Volkswirt schreibt vor allem über die Themen Wirtschaft und Geldanlage. 

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