Finanzen

Warum Flugtickets noch lange teuer bleiben werden

Trotz der Sorgen um die Weltwirtschaft boomt die Reise-Nachfrage. Die Ticketpreise schnellen dabei in neue Höhen. Was steckt dahinter?
14.05.2023 09:36
Aktualisiert: 14.05.2023 09:36
Lesezeit: 2 min
Warum Flugtickets noch lange teuer bleiben werden
Lufthansa-Maschinen und Flugzeuge anderer Airlines stehen am Abend am Flughafen Hamburg. (Foto: dpa)  Foto: Bodo Marks

Die Pandemie ist vorbei, Länder sind wieder zugänglich, und Fluggesellschaften erwarten jetzt, wo Geschäfts- und Urlaubsreisen wieder möglich sind, saftige Gewinne. Warum schießen die Flugticket-Preise dann immer noch durch die Decke?

Es gibt verschiedene Erklärungen, die von fehlenden Flugzeugen über die Bereitschaft der Fahrgäste, teure Preise zu zahlen, bis hin zu Personalmangel, hohe Öl-Preise und den Kosten - die die Branche zahlen muss, um bis 2050 klimaneutral zu werden - reichen.

Bloomberg zufolge ist die schlechte Nachricht, dass die Ticketpreise wahrscheinlich noch mehrere Jahre lang teuer bleiben werden. Denn es fehlt an Flugzeugen, nachdem die Airlines während der Pandemie große Teile ihrer Flotten stillgelegt haben und sie diese jetzt nicht schnell genug wieder in Betrieb nehmen können. Gleichzeitig sind Verbraucher bereit, happige Summen für Flugtickets zu bezahlen nachdem sie in einigen Fällen bis zu drei Jahre lang nicht reisen durften. Zudem hat die Branche mit Personalmangel zu kämpfen, denn gut ausgebildete ehemalige Mitarbeiter haben während und nach der Pandemie ihre Berufe komplett gewechselt um stabilere Arbeitsplätze anzunehmen.

Hohe Öl-Preise und Klima-Ziele

Hinzu kommt das Problem der hohen Öl-Preise: Während Treibstoffpreise sich im vergangenen Jahr abgekühlt haben, ist Rohöl immer noch mehr als 50 Prozent teurer als im Januar 2019 - eine erhebliche Herausforderung für die Fluggesellschaften, denn Treibstoff ist der größte Kostenfaktor für die Konzerne. Und die Branche hat das Ziel, bis zum Jahr 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen und damit den Klimawandel zu begrenzen. Nach Angaben der International Air Transport Association wird der Sektor zwei Billionen Dollar zahlen müssen, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Fluggesellschaften werden die Ticket-Preise anheben müssen, um dem gerecht zu werden, und das Fliegen wird noch teurer werden.

Laut der Financial Times hat sich der Sektor verpflichtet, durch einen Mix aus neuen Technologien - insbesondere alternative Kraftstoffe sowie Kohlenstoffkompensationen und effizienteren Flugzeugen, Triebwerken und Flugverkehrsmanagement - eine Netto-Null-Emission zu erreichen. Dies würde „beträchtliche zusätzliche Anstrengungen im Vergleich zum Geschäft wie üblich erfordern“ und zwischen 2018 und 2050 rund 820 Milliarden Euro kosten, heißt es in einem Bericht der Forschungsgruppen SEO Amsterdam Economics und dem Königlichen Niederländischen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Weitere teure Preise in den nächsten Jahren

Kapazität sei eine Herausforderung, sagte Michael O'Leary, Vorstandsvorsitzender der Ryanair Holdings vor Kurzem auf einer Bloomberg-Konferenz und fügte hinzu, dass Ticketpreise wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren teuer bleiben würden. „Mittelfristig bedeutet die Unfähigkeit von Airbus und Boeing, die Produktion in nennenswertem Umfang zu steigern, dass die Kapazitäten in den nächsten zwei, drei und fünf Jahren weiterhin eine Herausforderung darstellen werden“.

O'Leary rechnete damit, dass die Flugpreise in diesem Sommer zweistellig steigen würden, nachdem sie im letzten Jahr um bis zu 15 Prozent gestiegen sind.

Manager aus der Branche führen die starke Reise-Nachfrage auf den Wunsch zurück, nach den Pandemie-Einschränkungen zur Normalität zurückzukehren. Johan Lundgren, Geschäftsführer von easyJet, sagte der Financial Times, es sei in diesem Jahr immer deutlicher geworden, dass Verbraucher nach der Pandemie dem Reisen Priorität einräumten. Er verwies auf eine kürzlich durchgeführte Studie des Branchenverbands European Travel Commission. Diese zeigte, dass Reisen die einzigen Ausgaben sind, die viele Menschen trotz der aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen aufrechterhalten wollen.

Investoren zögern

Trotz der robusten Reisenachfrage sei es schwierig Investoren davon zu überzeugen, den Branchen-Aufschwung voll zu unterstützen, so die Financial Times. Die Aktien vieler großer europäischer Airlines liegen immer noch weit unter ihrem Vor-Pandemie-Niveau. Der legendäre Investor Warren Buffett bezeichnete Airlines schon vor der Pandemie als "eine Todesfalle für Investoren", weil das Schicksal der Konzerne normalerweise eng an den globalen Wirtschaftszyklus gebunden und externen Schocks ausgesetzt sei. Buffet verkaufte im Mai 2020 alle seine Fluggesellschaften-Anteile.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...