Politik

FDP blockiert Gesetz zum Heizungsverbot

Die FDP fordert Änderungen am Gesetz zum Heizungsverbot. Innerhalb der Koalition wächst der Unmut.
23.05.2023 16:52
Aktualisiert: 23.05.2023 16:52
Lesezeit: 2 min

Die FDP befeuert mit der Blockade des umstrittenen Heizungsgesetzes den Streit in der Koalition. Die Fraktionen der Ampel-Koalition aus Liberalen, Grünen und SPD verständigten sich am Dienstag in Berlin darauf, die Vorlage von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grünen) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD) in dieser Woche nicht wie ursprünglich geplant in den Bundestag einzubringen.

Vor allem zwischen FDP und Grünen gibt es Streit über das weitere Vorgehen. "Ich kann nur an die FDP appellieren, ihre Blockadehaltung aufzugeben", sagte Grünen-Co-Fraktionschefin Britta Haßelmann. "Alles andere grenzt ja an Arbeitsverweigerung." In SPD-Kreisen hieß es, die FDP stelle sich damit auch gegen Kanzler Olaf Scholz, der noch am Montag auf eine zügige Umsetzung des Gesetzes gepocht hatte. Er gehe davon aus, dass die Substanz des Gesetzentwurfs in den parlamentarischen Beratungen erhalten bleibe, hatte Scholz gesagt.

FDP plädiert für Technologieoffenheit

FDP-Fraktionschef Christian Dürr betonte dagegen, das Gesetz müsse gut und richtig gemacht werden. Die Koalition dürfe die Menschen "nicht in eine Kostenfalle laufen lassen". Das Gesetz müsse praktikabel für die privaten Haushalte sein, es müsse wirtschaftlich sein und umsetzbar für die Versorger. "Die Heizung muss zum Haus passen und nicht umgekehrt." Deshalb müsse in dem Gesetz Technologieoffenheit garantiert sein. Es könne in Deutschland nicht alles elektrifiziert werden, sagte Dürr auch mit Blick auf E-Autos. Das deutsche Gasnetz umfasse eine halbe Million Kilometer und habe einen Wert von 270 Milliarden Euro. "Das darf man nicht einfach so wegwerfen." Vielmehr sollte es auch weiterhin für klimaneutrale Wärmeversorgung genutzt werden.

Der jetzige Entwurf sieht im Kern vor, dass neue und ausgetauschte Heizungen ab 2024 mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden müssen. Die Grünen setzen dafür vor allem auf die Wärmepumpe, die mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben wird. Sie dringen zudem darauf, dass das Gesetz zum 1. Januar 2024 in Kraft tritt, was mit der jetzigen Verschiebung fraglich sein dürfte. Die FDP sieht indes keinen Zeitdruck.

Aktuelle Stunde am Mittwoch

Grünen-Co-Fraktionschefin Haßelmann forderte, der Bundestag müsse schnell in die Beratung zum Heizungsgesetz einsteigen. Die Arbeitsfähigkeit der Ampel-Koalition nehme sonst Schaden, wenn vereinbarte Zusagen nicht eingehalten würden. Haßelmann warf namentlich FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner vor, unzuverlässig zu sein. Sie rechne trotzdem damit, dass das Gesetz noch vor der parlamentarischen Sommerpause im Bundestag beraten und beschlossen werde.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck warf der FDP vor, das Gesetz verzögern zu wollen. Anders als Haßelmann sagte er, mit der jetzigen Verschiebung werde es nicht mehr möglich sein, das Gesetz noch vor der Sommerpause durch das Parlament zu bringen. "Ich nehme zur Kenntnis, dass sich die FDP nicht an das gegebene Wort hält an dieser Stelle."

Dürr wollte darüber nicht spekulieren. Noch im Lauf der Woche werde es weitere Gespräche innerhalb der Koalition geben. In Kreisen der Ampel hieß es, nun sollten die Fraktions-Stellvertreter Matthias Miersch (SPD), Julia Verlinden (Grüne) und Lucas Köhler (FDP) weiter beraten. "Die Menschen sind zunehmend genervt vom Gezanke um die Heizungen und wollen Klarheit, wie es beim Heizen weitergeht", sagte Miersch der Funke-Mediengruppe.

Die Fraktion von CDU/CSU beantragte eine Aktuelle Stunde im Bundestag zu den Entwicklungen, die für Mittwochnachmittag angesetzt wurde. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei, warf Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) vor, er halte die Zusage einer ausführlichen Beratung über das Gesetz nicht ein. Ihm sei schleierhaft, wie die Ampel-Fraktionen noch vor der Sommerpause eine Lösung im internen Streit finden wollten.

Die mittelständischen Familienunternehmen warnten vor neuen Belastungen der Bürger bei dem geplanten Heizungsgesetz. Die Regierung dürfe die Konjunkturprobleme durch das geplante Gebäudeenergiegesetz nicht weiter verschärfen, sagte die Präsidentin des Verbandes der Familienunternehmen, Marie-Christine Ostermann, der Augsburger Allgemeinen. Es müsse den Bürgern die Entscheidung überlassen werden, wann für sie der beste Zeitpunkt sei, eine moderne Heizung einzubauen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Elektronische Patientenakte: Hausärzte warnen vor Kassen-Zugriff auf Patientenakten
22.10.2026

Werden Patienten mit einem neuen Digitalgesetz besser vor Krankheiten geschützt - oder werden sie neuen Risiken anderer Art ausgesetzt?...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: CoreWeave und Sandisk im Tech-Ausverkauf schwer getroffen
22.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Auslöser die Wall Street in Aufruhr versetzen und was das für die Märkte bedeutet.

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
22.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbrenner-Aus in der EU: Lockerung nimmt erste Hürden im Europaparlament
22.10.2026

Das geplante Verbrenner-Aus könnte weniger strikt ausfallen als bislang vorgesehen. Im Europaparlament haben sich erste Ausschüsse für...