Finanzen

Rohstoffmärkte unter Druck, Edelmetalle könnten profitieren

Eine durchwachsene Gemengelage belastet derzeit die Rohstoffmärkte. Auch das Gold wurde davon erfasst, obwohl es derzeit als sicherer Hafen interessant wird.
25.05.2023 12:32
Aktualisiert: 25.05.2023 12:32
Lesezeit: 3 min
Rohstoffmärkte unter Druck, Edelmetalle könnten profitieren
Die Rohstoffmärkte und speziell das Gold hängen immer auch an der Stärke des Dollar. (Foto: dpa) Foto: Uli Deck

Insbesondere der am vor zwei Wochen veröffentlichte Bericht über die Entwicklung der US-Verbraucherpreise gab auch den internationalen Rohstoffmärkten abermals einen Dämpfer, die Sorgen um einen möglicherweise bevorstehenden Zahlungsausfall der weltgrößten Volkswirtschaft tun derzeit ihr Übriges. Während letzteres zwar eher eine theoretische Möglichkeit darstellt – in der Vergangenheit wurde eine solche Situation stets wohlgefällig geklärt – behalten die sich wieder verstärkenden Rezessionsängste ihr Preisrutschpotenzial. König Dollar zieht derweil wieder an und lastete ebenfalls auf der in Dollar denominiertem Assetklasse.

Wird die US-Zinspause verschoben? Wohl eher nicht

Der veröffentlichte Bericht über die Entwicklung der US-Verbraucherpreise entsprach im Wesentlichen den Erwartungen. So lag die für die Fed zur Beurteilung der Wirksamkeit ihrer Geldpolitik wichtige Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) im Jahresvergleich mit 5,5 Prozent leicht unterhalb des vorigen Wertes, im Monatsvergleich unverändert bei 0,4 Prozent. Die Fed hatte ja bereits mehr als angedeutet, dass sie auf der kommenden Juni-Sitzung eine Pause einlegen und die Leitzinsen zunächst nicht weiter anheben könnte. Das Ausbleiben einer deutlicheren Abschwächung ließ daran jedoch erneut Zweifel aufkommen, und auch, dass der ein oder andere Vertreter der US-Notenbank direkt wieder hawkishe Töne anschlug trübte die Stimmung. So erklärte beispielsweise die Gouverneurin der US-Notenbank, Michelle Bowman, im Rahmen eines Symposiums der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, dass die US-Notenbank die Zinssätze wahrscheinlich weiter anheben und für einige Zeit beibehalten muss, wenn das Preiswachstum - und der Arbeitsmarkt - keine Anzeichen für eine Abkühlung zeigten. Die Ausmasse der daraufhin erfolgten Preisrutsche bei Gold, Silber, Rohöl, etc. scheinen jedoch unangemessen. Schaut man etwas tiefer in die Daten und Herrn Powells Rhetorik, bemerkt man interessanterweise, dass dieser sich immer mehr auf einen Teilbereich dieser Datensammlung konzentriert. Mehr und mehr interessant wird die Preisentwicklung im Dienstleistungssektor, da die Probleme in den Lieferketten nachlassen und die Verbraucher ihre Ausgaben auf Reisen und andere Dienstleistungen verlagern, die ihnen während der Pandemie vorenthalten wurden. Und dort, im Bereich der Kerndienstleistungspreise (ohne Wohnungsmarkt, da dessen Veränderungen nur mit einer sehr langen Verzögerung einfliessen), zeigte sich die Inflationsentwicklung sehr ermutigend so niederig wie seit Juli letzten Jahres nicht mehr. Betrachtet man den Gesamtindex, so liegt dieser zum ersten Mal seit zwei Jahren unter fünf Prozent. Alles in allem war dieser Bericht wohl gut genug, damit die Fed im Juni von einer weiteren Zinserhöhung absehen wird.

Europa setzt seine Geldpolitik fort – Edelmetalle dürften profitieren

Und während sich in den USA der Wind bereits zu drehen scheint (beziehungsweise begonnen wird, eine solche potenzielle Drehung in die Märkte einzugepreisen), bleibt man hierzulande konsistent: wie EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel verlautbarte, wird die Europäische Zentralbank ihr eigenes Straffungsprogramm möglicherweise über den Sommer hinaus fortsetzen müssen. Zwar wird auch hierzulande die Gesamtinflation dank der rasch sinkenden Energiepreise zurück gehen, die Kernrate aber vor allem auf Grund der weiter steigenden Lebensmittelpreise anhaltend hoch bleiben. Im Zuge der Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission hob diese gestern (15.05.) ihre Erwartung der jährlichen Inflationsrate im Euroraum um 0,2 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Schätzung an. Damit scheint auch dem US-Dollar nur ein kurzer Aufwärtsschub vergönnt zu sein und sich dessen Abwärtstrend, entgegen den Prognosen der Euro-Totsager, bereits in Kürze weiter fortsetzen. Infolge dessen dürfte der gesamte Rohstoffsektor wieder Rückenwind erhalten, insbesondere aber der Edelmetallbereich profitieren. Gerade hier war der US-Dollar, neben der Entwicklung der US-Anleiherenditen, in der jüngsten Vergangenheit der entscheidende Preistreiber.

Drohender US-Zahlungsausfall als Unsicherheitsfaktor

Der deutliche Rückfall vom Anfang März erreichten Hoch bei Gold, welches auf Dollarbasis bereits in Sichtweite des All-Time-Highs aus August 2020 lag, sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass das Edelmetall nach wie vor über einen berechtigten Status als „sicherer Hafen“ verfügt und sein Kurspotenzial mittelfristig noch nicht ausgeschöpft haben dürfte. Großen Raum nimmt diesbezüglich auch die Diskussion zur aktuell herrschende politische Pattsituation hinsichtlich der Abwendung des sich noch abzeichenden Zahlungsausfalls der USA ein. „Noch“ ist hier durchaus nicht unwichtig, denn je näher der Termin für das Erreichen der Schuldenobergrenze auch rückt, desto mehr werden die Märkte alarmiert und desto dramatischer erfolgt die Berichterstattung. Jamie Dimon von JPMorgan vermeldete die Einrichtung eines „War Rooms“, in welchem sein Bankhaus dann dem Armageddon begegnen würde. Der IWF äusserte sich zwar weniger theatralisch, aber inhaltlich vergleichbar. In der Tat wären die Folgen der Ereignisse fatal, würde man bis zum 01. Juni keine Lösung finden. Nur, es wird wohl nicht dazu kommen. Die Geschichte der USA ist reich an drohenden Zahlungsausfällen. Seit 1790 wurden jedoch sämtliche, darunter auch solche in sehr herausfordernden gesellschaftlichen wie politischen Epochen, stets gelöst. Die USA, und auch der Rest der Welt, wurden dadurch nie in den Abgrund gerissen.

Kleine Banken – große Risiken

Viel entscheidender hingegen dürfte die kürzliche Pleite dreier, über die Staatsgrenzen hinaus nur wenigen bekannten, US-Regionalbanken sein. Im Zuge dessen wurde mehr Vermögenswert vernichtet, als durch die 25 Bankenpleiten des Jahres 2008 zusammen, was nachdenklich stimmen und dazu veranlassen sollte, das Steuer Richtung schützender Bucht zu drehen. Dass darüber medial geflissentlich geschwiegen wird, nimmt der Sache nicht die Bedrohlichkeit. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass das Thema bereits erledigt ist und unter der Oberfläche nicht noch weitere Brände schwelen. Und Versicherungen kauft man am besten dann, wenn man sie noch nicht braucht. Bisweilen hat sich diese Einschätzung am Goldmarkt noch nicht durchgesetzt und es überwiegen die negativen Fundamentaldaten aus schwachen US-Wirtschaftszahlen, erstarkendem Dollar und globalen Rezessionssorgen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

avtor1
Markus Grüne

                                                                            ***

Markus Grüne (49) ist langjähriger professioneller Börsenhändler in den Bereichen Aktien, Derivate und Rohstoffe. Seit 2019 arbeitet er als freier Finanzmarkt-Journalist, wobei er unter anderem eigene Börsenbriefe und Marktanalysen mit Fokus auf Rohstoffe publiziert. 

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Deutsche Reeder schlagen Alarm wegen akuter Risiken für Seeleute
24.03.2026

Mitten im Iran-Krieg wächst die Unsicherheit für Reeder und Besatzungen auf hoher See. Der VDR warnt vor realen Gefahren, während immer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreisschock und physikalische Grenzen am Ölmarkt: Iranisches und venezolanisches Öl sind nicht direkt austauschbar
24.03.2026

Die europäischen Staaten haben ihre Lieferquellen seit 2022 deutlich diversifiziert, weshalb Europa vor allem Preissteigerungen ausgesetzt...

DWN
Politik
Politik CDU und SPD vor Koalitionsgesprächen in Rheinland-Pfalz – Schweitzer und Schnieder starten Verhandlungen
23.03.2026

Nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz stehen CDU und SPD vor entscheidenden Gesprächen über eine mögliche Regierungsbildung. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Imperial Brands-Aktie: Schließung von Reemtsma-Werk – 600 Jobs betroffen
23.03.2026

Nach monatelangen Verhandlungen ohne Ergebnis steht fest: Ein bedeutendes Reemtsma-Werk wird geschlossen. Die Entscheidung von Imperial...

DWN
Finanzen
Finanzen Ein weiteres systemisches Risiko: Fed schlägt Senkung der Kapitalanforderungen für Banken vor
23.03.2026

Milliarden Dollar könnten für Kredite, Dividenden und Aktienrückkäufe freigesetzt werden. Kritiker warnen jedoch, dass niedrigere...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eli Lilly-Aktie: Dieser Wirkstoff könnte den Milliardenmarkt neu ordnen
23.03.2026

Ein neuer Wirkstoff von Eli Lilly sorgt für Unruhe im globalen Pharmamarkt. Retatrutid liefert Ergebnisse, die bisherige Medikamente klar...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Steigende Energiepreise: Weltwirtschaft steuert auf Rezession zu
23.03.2026

Die zunehmenden Verwerfungen im Energiesektor infolge des Iran-Kriegs belasten bereits Unternehmen, Verbraucher und Finanzmärkte und...

DWN
Politik
Politik SPD in der Krise: Führung bleibt – Merz bremst Reformen
23.03.2026

Die SPD kämpft nach Rückschlägen um Stabilität, während Kanzler Merz vor übereilten Entscheidungen warnt. Reformen stehen an, doch...