Deutschland

Razzia: Staatsanwaltschaft durchsucht Deutsche Bank

Lesezeit: 1 min
25.03.2014 13:20
Die Staatsanwaltschaft hat Büros der Deutschen Bank in Frankfurt durchsucht. Zudem ist die Anwaltskanzlei, welche die Bank im Kirch-Prozess beraten hat, ins Visier der Ermittler geraten. Sie wird verdächtigt, der Deutschen Bank Beihilfe zum Prozessbetrug geleistet zu haben.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht im Zusammenhang mit ihren Ermittlungen wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess ein weiteres Mal die Deutsche Bank. Es würden Räume des Instituts in Frankfurt sowie de Privaträume eines Beschuldigten in Hessen durchsucht, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag. Die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit dem vierten Ermittlungsverfahren im Fall Kirch, das die Ermittler zuvor bestätigt hatten.

Bei den Ermittlungen gegen Manager der Deutschen Bank wegen Prozessbetrugs sind nun auch deren Anwälte ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Kanzlei Hengeler Mueller, die die Bank im Verfahren um die Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch von Anfang an beraten hatte, bestätigte am Montag eine Durchsuchung ihrer Geschäftsräume in Frankfurt in der vergangenen Woche. Dabei seien auch Unterlagen beschlagnahmt worden. Die Kanzlei hatte die Deutsche Bank und ihren Ex-Vorstandschef Rolf Breuer in dem Fall bis kurz vor dem Vergleich mit den Erben Kirchs begleitet und die Manager auch auf ihre Auftritte vor Gericht vorbereitet.

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft den Bankern vor, sich in dem Verfahren um eine Mitschuld der Deutschen Bank an der Pleite von Kirchs Medienimperium abgesprochen und dabei die Unwahrheit gesagt zu haben. Sie hatte deshalb auch die Zentrale der Deutschen Bank durchsucht. Die Anwälte könnten der Beihilfe zum Prozessbetrug beschuldigt werden. Die Behörde wollte sich nicht dazu äußern, ob es ein Ermittlungsverfahren auch gegen Hengeler Mueller gebe. Die Ermittlungen gegen Breuer, seinen Nachfolger Josef Ackermann und weitere Ex-Vorstände sowie gegen den derzeitigen Co-Chef des Branchenprimus, Jürgen Fitschen, liefen weiter. Ob es zu einer Anklage kommt, ist offen. Einem Bericht des Magazins Der Spiegel zufolge hat Fitschen das Angebot abgelehnt, das Verfahren gegen ihn gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen.

Die Deutsche Bank hatte sich kurz vor dem 925 Millionen Euro teuren Vergleich mit den Erben Kirchs im Februar von Hengeler Mueller getrennt (mehr hier).

Mehrere Anläufe, sich mit Kirch außergerichtlich zu einigen, hatte die Bank platzen lassen, unter anderem, weil sie Regress-Forderungen ihrer Aktionäre fürchtete. Inzwischen fühlen sich die Manager Finanzkreisen zufolge von ihren Rechtsvertretern schlecht beraten. Die Deutsche Bank wollte sich dazu am Montag nicht äußern. Hengeler Mueller hatte über die Jahre eine zweistellige Millionensumme von der Bank kassiert. Im Zuge des Vergleichs gingen zudem rund 40 Millionen Euro an Anwalts- und anderen Kosten an die Kirch-Seite.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Brandbrief an Merkel: Deutschland spielt mit dem Verlust seiner mittelständischen Basis

Vertreter des Mittelstands warnen in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel vor einer mutwilligen Zerstörung der wirtschaftlichen...

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Deutschland
Deutschland Flugsicherung läuft gegen geplante Abtretung von Teilen des deutschen Luftraums Sturm

Die Deutsche Flugsicherung sowie die Gewerkschaft der Flugsicherung laufen gegen Pläne der Beratungsgesellschaft Deloitte Sturm.

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Corona-Überraschung: Funktionär der Kommunistischen Partei China ist Mitglied der Leopoldina

Ein Top-Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas ist seit Juli 2020 auch Mitglied der Leopoldina, die die Bundesregierung in der...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Russen glauben mehrheitlich, das Corona-Virus sei eine von Menschen geschaffene Biowaffe

Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass zwei Drittel der Russen glauben, das Virus sei eine Biowaffe, und zwei Drittel sich nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Greensill-Bank in Schieflage, Bafin schickt Sonderbeauftragten

Die Bremer Greensill-Bank ist in Turbulenzen geraten. Das Geldhaus gehört zu einem britisch-australischen Konzern, der seinerseits derzeit...