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Sollte man Gold versichern – und was sind die günstigsten Tarife?

Lesezeit: 4 min
12.09.2023 16:09  Aktualisiert: 12.09.2023 16:09
Gold lässt sich gegen Diebstahl versichern. Hausratversicherungen entschädigen ohne Tresor bis zu 50.000 Euro. Check24 hat die günstigsten Tarife für DWN ermittelt.
Sollte man Gold versichern – und was sind die günstigsten Tarife?
Gold aufzubewahren sei teuer, schreibt die Verbraucherzentrale. Stimmt das? (Foto: iStock.com/LightFieldStudios)
Foto: LightFieldStudios

Anleger, die Gold als Geldanlage kritisch sehen, verweisen manchmal auf die angeblich hohen Lagerungskosten. „Gold aufzubewahren, ist nicht ohne Risiko und teuer“, führt etwa die Verbraucherzentrale als eines von fünf Hauptargumenten gegen Gold als Geldanlage an.

Doch Verbraucher können bereits zu relativ geringen Kosten Gold gegen Diebstahl versichern. Das zeigt eine Auswertung, die das Vergleichsportal Check24 für DWN erstellt hat. Demnach gibt es mehrere Tarife, die Edelmetalle im Wert von bis zu 50.000 Euro außerhalb des Tresors versichern und Beiträge unter 80 Euro pro Jahr erheben (weniger als 7 Euro pro Monat).

Die zehn günstigsten Tarife

Check24 hat die zehn günstigsten Tarife ermittelt, die ohne Tresor mindestens 25.000 Euro entschädigen und eine exzellente Tarifnote aufweisen. Diese sind:

  • ConceptIF, Tarif „CIF4ALL best advice (QM)“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 40.000 Euro, 46,46 Euro pro Jahr
  • Ammerländer Versicherung, „Exclusiv“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 50.000 Euro, 56,91 Euro pro Jahr

  • Docura Versicherungen, „Protect +“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 25.000 Euro, 58,08 Euro pro Jahr

  • Friday, „Relax“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 30.000 Euro, 59,32 Euro pro Jahr

  • Die Bayrische, „Prestige Plus“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 50.000 Euro, 60,30 Euro pro Jahr

  • Ammerländer Versicherung, „Excellent“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 50.000 Euro, 62,14 Euro pro Jahr

  • AXA, „Online L“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 25.000 Euro, 74,49 Euro pro Jahr

  • Docura Versicherung, „PROTECT-SmartHome“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 30.000 Euro, 75,50 Euro pro Jahr

  • AXA, „Online L mit Best-Leistungs-Garantie”, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 25.000 Euro, 76,98 Euro pro Jahr

  • MVK Versicherung, „Premium“, Wertsachen/Gold außerhalb des Tresors: 25.000 Euro, 77,82 Euro pro Jahr

Check24 ging dabei von einer 50-Quadratmeter-Wohnung in Frankfurt aus (Postleitzahl: 60327) und einer allgemeinen Versicherungssumme von 50.000 Euro. Diese umfasst neben den Wertsachen wie Gold auch anderen Hausrat wie Möbel.

Die allgemeine Versicherungssumme enthalte auch die Entschädigungssumme für Wertsachen beziehungsweise Gold, erklärt Check24. „Somit sollten Kunden die Versicherungssumme entsprechend nach oben anpassen, wenn sie einen hohen Anteil an Wertsachen besitzen.“

Laut einer Sprecherin wird die Höhe der Beiträge unter anderem vom Wohnort, der Wohnungsgröße, der Deckungssumme und einer etwaigen Selbstbeteiligung bestimmt. Beim Wohnort seien die Einbruchsraten und die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen entscheidend. „Die Beitragshöhe der Hausratversicherung wird nicht beeinflusst durch Einkommen, Beruf oder Familienstand“, teilt Check24 weiter mit.

Versicherung ist „grundsätzlich empfehlenswert“

Tim Schieferstein vom Edelmetallhändler Solit hält es grundsätzlich für empfehlenswert, die eigenen Edelmetallbestände zu versichern. „Teilweise ist dies ohne oder nur mit geringem finanziellen Mehraufwand über die Hausratversicherung möglich“, erklärt er schriftlich gegenüber DWN. Letztendlich hänge die Entscheidung aber von der persönlichen Bereitschaft zum Risiko ab und davon, ob man den Verlust finanziell tragen könne.

„Gerade bei höheren Werten können schnell Versicherungsgrenzen erreicht sein, die kostspielige Sicherheitsmaßnahmen, wie die Installation einer Alarmanlage oder die Anschaffung eines Tresors, notwendig machen“, schreibt Schieferstein. Dann könne es wirtschaftlicher sein, auf eine externe Verwahrlösung zu setzen.

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2022 rund 66.000 Wohnungseinbrüche registriert. Im Corona-Jahr 2021 waren es etwas weniger (54.000). Im Schnitt wurde im Jahr 2021 jeden Tag 148 Mal eingebrochen, wie aus dem Deutschlandatlas hervorgeht.

Statistisch gesehen kommen Wohnungseinbrüche durchaus häufig vor. Im Jahr 2021 waren es 53 Einbrüche pro 100.000 Einwohner. Hochgerechnet auf 40 Jahre und angesichts einer Haushaltsgröße von durchschnittlich zwei Personen liegt die Wahrscheinlichkeit bei über 4 Prozent. Bei jedem 24. Haushalt wird also rechnerisch innerhalb von 40 Jahren einmal eingebrochen.

Regional schwankt die Wahrscheinlichkeit aber enorm. Konkret pendelte sie zwischen 3 und 256 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner. Höher ist sie in den großen Metropolen, in vielen Gebieten Ostdeutschlands, des Saarlands und des Ruhrgebiets. Geringer ist sie in Bayern und Baden-Württemberg.

Laut der Ammerländer Versicherung können die Beiträge denn auch deutlich schwanken. Wer etwa in einer 50-Quadratmeter-Wohnung wohnt und 50.000 Euro Edelmetalle sowie 10.000 Euro weiteren Hausrat besitzt (allgemeine Versicherungssumme von 60.000 Euro), würde im Tarif „Exclusiv“ der Ammerländer relativ wenig in Mainz bezahlen (47,39 Euro pro Jahr). Mittelhoch wäre der Beitrag in Rostock (59,93 Euro) und relativ hoch in Duisburg (85,72 Euro), erklärt eine Sprecherin.

Tipps zum Lagern von Gold

Die laufenden Kosten des Goldbesitzes können somit relativ gering ausfallen. Wer etwa Edelmetalle im Wert von 40.000 Euro besitzt und zwischen 50 und 100 Euro pro Jahr für eine Hausratversicherung bezahlt, kommt auf laufende Kosten von 0,13 bis 0,25 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Die laufenden Kosten von Gold-ETCs liegen zwischen 0 und 0,6 Prozent. Bei Schweizer Gold-ETFs beträgt die TER 0,2 bis 0,4 Prozent.

Gold sollte man indes laut Tim Schieferstein nicht an erwartbaren Orten lagern. „Einbrecher haben meist nur wenige Minuten Zeit – ein gutes Versteck sorgt dafür, dass der Einbrecher leer ausgeht“, erklärt der Edelmetallhändler. Außerdem sollten Anleger die Verstecke dokumentieren und die Dokumentation nicht zuhause aufbewahren. „Die Dokumentation dient dazu zu wissen, wo sich das Gold befindet, wenn man dies vergisst oder man verstirbt.“

Sinnvoll können auch eine Inventarliste und Fotos der einzelnen Objekte und des Gesamtbestands sein. Ein vertrauenswürdiger und verschwiegener Zeuge kann den Bestand schriftlich bestätigen.

Etwa nimmt die Ammerländer grundsätzlich eine Einzelfallprüfung vor, wie eine Sprecherin auf Nachfrage erklärt. Im Kundeninformationsblatt des Exclusiv-Tarifs heißt es dazu: „Im Versicherungsfall ist bei Wertsachen, insbesondere Schmuckstücken und Uhren, darauf zu achten, dass Einzelstücke mit einem Wert von über 1.000,- Euro mit Nachweisen in Bezug auf Hersteller, Fabrikat, Typenbezeichnung, Verkäufer, Anschaffungspreis zu belegen sind. Angaben zu Spezifikationen können unter anderem Fotos und Expertisen sein.“

Der Exclusiv-Tarif deckt laut der Sprecherin alle Sachen aus Gold, Silber, Platin und Palladium – einschließlich Münzen und Barren. Versichert sind Edelmetalle und andere Wertsachen im Wert von bis zu 50.000 Euro außerhalb des Tresors.

***

Elias Huber arbeitet als freier Journalist in Frankfurt am Main und schreibt vor allem über Konjunktur, Edelmetalle und ETFs sowie die ökonomische Lehre der Österreichischen Schule. 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.
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