Unternehmen

Additive Fertigung: Wo Deutschland an der Spitze steht

In einer Zeit, in der Deutschland auf fast allen Feldern zurückzufallen scheint, meldet das Europäische Patentamt (EPA) Hoffnungsvolles: Auf dem so wichtigen Feld der additiven Fertigung, dem 3D-Druck, liegt Deutschland bei den Patentanmeldungen weltweit auf dem dritten Platz und in Europa mit weitem Abstand auf Platz eins.
Autor
20.09.2023 14:10
Aktualisiert: 20.09.2023 14:10
Lesezeit: 3 min
Additive Fertigung: Wo Deutschland an der Spitze steht
Die Siemens AG: Spitzenplatz in der additiven Fertigung. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Die additive Fertigung, auch bekannt als 3D-Druck, ist ein Verfahren, bei dem dreidimensionale Objekte durch schichtweises Auftragen von Material hergestellt werden. In nur einem Jahrzehnt hat sich das Verfahren von einer Nischenanwendung für den Prototypenbau zu einem neuen Verfahren entwickelt, das nun die Wertschöpfungsketten in einer wachsenden Anzahl von Branchen nachhaltig beeinflusst. So hat die additive Fertigung (AF) in den Bereichen wie Gesundheit, Medizin, Luft- und Raumfahrt sowie besonders auch im Maschinen- und Werkzeugbau in nur wenigen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, darüber hinaus zeichnet sich ab, dass auch der Automobilbau zunehmend von den Möglichkeiten der 3D-Technik profitiert. Insgesamt ist der Markt für additive Fertigung in der jüngeren Vergangenheit rasant gewachsen: Nach Schätzungen von Marktbeobachtern betrug der Branchenumsatz im vergangenen Jahr weltweit rund 18 Milliarden US-Dollar und hat sich damit seit dem Jahr 2016 verdreifacht.

Sprunghafte Entwicklung in der Forschung

Seit 2001 wurden weltweit mehr als 50.000 bedeutende Patentanmeldungen im Zusammenhang mit der 3D-Druck-Technilogie eingereicht, wie das Europäische Patentamt in seiner neuesten Studie „Innovationstrends in der additiven Fertigung“ darlegt. Die USA nehmen dabei mit knapp 40 Prozent aller Anmeldungen mit weitem Abstand die weltweite Spitzenstellung ein. Japan folgt mit weltweit 13,9 Prozent aller Anmeldungen, dicht gefolgt von Deutschland mit 13,4 Prozent. Dabei ist Deutschland absoluter Spitzenreiter in Europa. Dort haben die Anmeldung der Patente aus Deutschland einen Anteil von 41 Prozent, gefolgt von Frankreich und Großbritannien, mit je zwölf Prozent.

Der Ko-Autor der Studie, Ilja Rudyk, sagte gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN), dass Deutschland mit diesen Zahlen in einem Wachstumsmarkt einen internationalen Spitzenplatz eingenommen habe. Rudyk verweist darauf, dass Jahr für Jahr weltweit Dinge in einem Wert von rund 15 Trillionen Euro produziert werden. Wenn nur in einem Bruchteil davon die 3D-Druck-Technik zum Einsatz käme, würde Deutschland als absoluter Marktführer in Europa erheblich profitieren.“ Seiner Meinung nach stünden die Chancen hierfür sehr gut, da der Prozess der Automatisierung der Produktion immer weiter voranschreite und folglich die 3D-Technik dabei immer wichtiger werde.

Deutschlands starke Stellung

Für diese Annahme spricht auch die immer weiterwachsende Zahl der Patentanmeldungen auf diesem Gebiet. So sind nach Erkenntnissen des Europäischen Patentamtes die Innovationen in diesem Bereich zuletzt erheblich vorangeschritten. Davon zeuge ein sprunghafter Anstieg der weltweiten Patentanmeldungen im Bereich der 3D-Drucktechnik, die zwischen 2013 und 2020 um 26,3 Prozent gestiegen sei. Dabei zeige sich, dass Deutschland im Bereich der 3D-Technik in allen industriellen Sektoren stark vertreten sei, jedoch die Technologiefelder Werkzeugmaschinenbau, Transport, Elektronik und auch Konsumgüter klar dominieren. Weltweit ist der deutsche Industriegigant Siemens der viertgrößte Patentanmelder in der Welt, hinter den US-Konkurrenten General Electric, Raytheon und HP. In Europa folgt auf Platz zwei Rolls Royce mit etwa der Hälfte der Anmeldungen von Siemens.

Damit entwickeln sich in Deutschland die Anmeldung der Patente auf diesem Feld gegen den allgemeinen Trend, denn seit zehn Jahren stagniert Deutschland auf dem Feld der internationalen Patentanmeldungen. Rudyk sieht in der positiven Entwicklung der Patente in der 3D-Technik eine ganze Reihe von Gründen: Zuerst biete eine so breite Industrielandschaft wie Deutschland sie habe, erhebliche Möglichkeiten für jede neue Technik. Zudem verfüge Deutschland auch über eine weit gefächerte Forschungslandschaft. Komme beides zusammen, so Rudyk, ergäben sich erhebliche Potenziale.

Das deutsche System

Rudyk spricht in diesem Zusammenhang von einem besonderen „Ökosystem“ in Deutschland. Denn neben internationalen Konzernen, renommierten Forschungseinrichtungen wie der Fraunhofer-Gesellschaft gebe es auch eine ganze Reihe von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und Start-ups, die einen wichtigen Beitrag zur innovativen Weiterentwicklung dieser Technik leisten würden. Auch der Präsident des Europäischen Patentamtes, Antonio Campinos sieht in den Ergebnissen der Studie seines Hauses hoffnungsvolle Zeichen vor allem im Bereich der Forschung: Bei der Innovation im Bereich der additiven Fertigung belegen europäische Forschungseinrichtungen vier der ersten zehn Plätze. „Dies ist, so der EPA-Präsident, „ein gutes Zeichen für die Zukunft, da der technische Fortschritt in diesem Bereich oft auch Spitzenforschung zurückzuführen ist.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie KI und digitale Steuerberatung: Der Gamechanger für den deutschen Mittelstand

Die Digitalisierung verändert die deutsche Wirtschaft in rasantem Tempo. Während große Unternehmen bereits seit Jahren auf...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Rallye an der Wall Street endet, da Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis in die Höhe treiben
03.06.2026

Lesen Sie, welche überraschenden Wendungen die Finanzmärkte in Atem halten und warum Anleger jetzt besonders wachsam sein müssen.

DWN
Politik
Politik Österreich und Portugal im UN-Sicherheitsrat, Deutschland nicht - eine historische Niederlage
03.06.2026

Niederlage in New York: Deutschland ist erstmals mit seiner Bewerbung um einen Sitz im mächtigsten UN-Gremium gescheitert. Stattdessen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hat Deutschland die Lösung für Europas Stromnetz-Krise gefunden?
03.06.2026

Deutschland erlebt einen Solarboom auf Dächern, Balkonen und Parkplätzen. Während Dänemark unter einem überlasteten Stromnetz leidet,...

DWN
Politik
Politik Großbritanniens EU-Rückkehr: Realistische Option oder politischer Wunschtraum?
03.06.2026

Erst galt der Brexit als endgültig, nun spricht ein Labour-Schwergewicht offen von Großbritanniens EU-Rückkehr. Hinter der neuen...

DWN
Politik
Politik Investitionen in die Energiewende: EU-Kommission will mehr Schulden erlauben
03.06.2026

Die EU-Kommission schlägt vor, dass Mitgliedsstaaten für den Wandel zu sauberer Energie mehr Schulden machen dürfen, ohne Strafverfahren...

DWN
Finanzen
Finanzen Steigende Arbeitslosigkeit: Bundesagentur für Arbeit steuert auf Milliardendefizit zu
03.06.2026

Die schwierige wirtschaftliche Lage und der schwache Arbeitsmarkt in Deutschland haben erhebliche Auswirkungen auf den Haushalt der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis: China bremst, doch die nächste Preiswelle rollt an
03.06.2026

Chinas Ölimporte sind eingebrochen, doch Entwarnung am Ölmarkt wäre riskant. Die Straße von Hormus bleibt blockiert, Washington...

DWN
Politik
Politik Vor Wirtschaftsforum: Selenskyj lobt Drohnenangriff auf Sankt Petersburg
03.06.2026

Russische Behörden haben ukrainische Angriffe gemeldet: Ukrainische Drohnen trafen auch Energie- und Militäranlagen in St. Petersburg....