Wirtschaft

IWF senkt globale Prognose, Deutschland ist Schlusslicht

Die Weltwirtschaft wächst historisch langsam, so der IWF. Besonders schwach ist Deutschland, das dieses Jahr als einzige große Volkswirtschaft schrumpfen wird.
10.10.2023 10:32
Aktualisiert: 10.10.2023 10:32
Lesezeit: 3 min

Die Weltwirtschaft erholt nur sich nur langsam von den Folgen der Coronapandemie, dem Ukraine-Krieg und der hohen Inflation - das Wachstum ist historisch schwach. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft verschlechtern sich dem IWF zufolge weiter. Für dieses Jahr erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) nach seiner am Dienstag vorgelegten Konjunkturprognose ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft um 0,5 Prozent - eine erneute Korrektur nach unten. Für die Weltwirtschaft insgesamt sind die IWF-Ökonomen zwar optimistischer. Doch IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas mahnt: «Die Weltwirtschaft humpelt vor sich hin, sie sprintet nicht.»

So blickt der IWF auf Deutschland

Bei der vergangenen Schätzung im Juli sagte der IWF noch einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,3 Prozent voraus - nun sind es 0,5 Prozent. Im kommenden Jahr soll die deutsche Wirtschaft hingegen wieder wachsen - und zwar um 0,9 Prozent. Das sind allerdings immer noch 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im Juli angenommen. Als Gründe nennt der Fonds die Schwäche zinsempfindlicher Sektoren, geringere Nachfrage durch Handelspartner und folglich eine Schwäche der Industrieproduktion. 2022 war die deutsche Wirtschaft noch um 1,8 Prozent gewachsen.

So blickt der IWF auf die Weltwirtschaft

Die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft für dieses Jahr liegt wie im Juli bei 3,0 Prozent. Für das kommende Jahr korrigierte der Fonds die Schätzung leicht nach unten auf 2,9 Prozent (minus 0,1 Prozentpunkte). Im Jahr 2022 war die Weltwirtschaft noch um 3,5 Prozent gewachsen. Rückblickend betrachtet sei die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft aber mit Blick auf die diversen Krisen bemerkenswert, so der IWF.

Das Wachstum habe sich zwar verlangsamt, sei aber nicht zum Stillstand gekommen. Dennoch sei das Wachstum weltweit ungleichmäßig, so IWF-Chefvolkswirt Gourinchas. Die Abschwächung ist in den Industrienationen demnach stärker ausgeprägt als in ärmeren Ländern. Eine vollständige Erholung in Richtung der vor der Pandemie herrschenden Trends scheine zunehmend außer Reichweite zu sein. Das Wachstum werde neben den Folgen der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine auch wegen der strengen Geldpolitik aufgrund der hohen Inflation und extremer Wetterereignisse gebremst, so der IWF.

Die Gewinner

Die Wirtschaft in den USA entwickelt sich deutlich besser als erwartet. Die Wachstumsprognose für dieses Jahr wurde um 0,3 Prozentpunkte auf 2,1 Prozent nach oben korrigiert. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,5 Prozent wachsen - das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als zuletzt angenommen. Die USA überraschten dabei mit einem «robusten Konsum und Investitionen», hieß es. Viele Schwellenländer hätten sich außerdem als recht widerstandsfähig erwiesen - bedeutende Ausnahme sei aber China.

Die Verlierer

Der IWF hat die Wachstumsprognose für China nach unten korrigiert. In diesem Jahr soll die chinesische Wirtschaft um 5 Prozent wachsen (minus 0,2 Prozentpunkte) und im kommenden Jahr um 4,2 Prozent (minus 0,3 Prozentpunkte). Als einen wesentlichen Grund für die Entwicklung nennt der IWF die Krise im Immobiliensektor in China, die auch für die Weltwirtschaft ein Risiko bedeute. Chinas Wirtschaft müsse sich von einem kreditgetriebenen Immobilienwachstumsmodell verabschieden.

Zwar ändert der IWF seine Prognose für die Industrienationen für die beiden kommenden Jahre nicht: Im Jahr 2023 soll die Wirtschaft dort im Schnitt um 1,5 Prozent wachsen, im Jahr 2024 um 1,4 Prozent. Allerdings hat die Wirtschaft dort 2022 noch um 2,6 Prozent zugelegt. Für den Euroraum korrigiert der Fonds seine Prognose nach unten - für dieses Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent und für 2024 um 0,3 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent. Ein Grund dafür ist der Erdgas-Preisschub infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine. Besonders die deutsche Wirtschaft schneidet dabei schlecht ab.

Das erwartet der IWF für Russland

Für dieses Jahr erwartet der IWF ein Wachstum um 2,2 Prozent (plus 0,7 Prozentpunkte) und im kommenden Jahr soll das BIP um 1,1 Prozent wachsen (minus 0,2 Prozentpunkte). Im Jahr 2022 war die Wirtschaft in Russland noch um 2,1 Prozent geschrumpft. Die westlichen Sanktionen gegen russische Rohölexporte hätten sich mittelmäßig ausgewirkt, die Exportströme seien relativ konstant geblieben. Russisches Öl werde zudem oberhalb der von den G7-Staaten auferlegten Preisobergrenze von 60 US-Dollar gehandelt. Ein Grund dafür sei, dass sich die nicht mit dem Westen verbündete Öltankerflotte größer geworden sei. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Auswirkungen der Sanktionen erst in den kommenden Jahren spürbar zeigen werden.

So entwickeln sich die Verbraucherpreise

Für dieses Jahr rechnet der IWF weltweit mit einer Teuerungsrate von im Schnitt 6,9 Prozent - das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert. Im kommenden Jahr soll sie dann bei 5,8 Prozent liegen. Es sei die oberste Aufgabe der Zentralbanken, am Ball zu bleiben und die hohen Verbraucherpreise in den Griff zu bekommen, warnt der IWF. Es sei noch zu früh, um im Kampf gegen die Inflation den Sieg zu erklären.

Das macht dem IWF Sorgen

Die Lebensmittelpreise seien nach wie vor hoch und könnten durch eine Eskalation des Krieges in der Ukraine weiter in die Höhe getrieben werden, so der IWF. Das würde viele ärmere Länder in große Schwierigkeiten bringen. Auch die Rohstoffpreise könnten wegen geopolitischer Spannungen und im Zusammenhang mit dem Klimawandel stärker schwanken. Insgesamt gilt, dass die Wirtschaft historisch langsam wächst: Von 2000 bis 2019 - also bis zur Corona-Pandemie - lag der jährliche Schnitt bei 3,8 Prozent. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Führungskräfte scheitern: Warum Unternehmen Ideen oft nicht umsetzen
09.05.2026

Viele Führungskräfte scheitern nicht an Strategie oder Marktbedingungen, sondern daran, wie sie ihre Ideen im Unternehmen vermitteln und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo EX60: Warum dieses Elektro-SUV Mercedes, BMW und Audi nervös machen dürfte
09.05.2026

Volvo baut mit dem EX60 nicht einfach ein neues Elektro-SUV, sondern eine Wette auf die Zukunft der Marke. Der Wagen soll beweisen, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Big Tech verbrennt Milliarden und muss Rendite liefern
09.05.2026

Die großen US-Techkonzerne melden starkes Wachstum, doch die Euphorie bekommt Risse. Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet pumpen enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P 500 und Nasdaq wieder auf historischen Höchstständen
08.05.2026

Ein Handelstag der extremen Kontraste: Warum an der Börse Euphorie herrscht, während die Alltagssorgen wachsen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Spleenlab: Wie ein Thüringer Startup seine Drohnensoftware in die Ukraine brachte
08.05.2026

Garage in Ostthüringen, vier Millionen Euro Landesförderung, Software im Kriegsgebiet: Spleenlab hat in sieben Jahren den Aufstieg vom...

DWN
Politik
Politik Eskalationsspirale trotz Waffenruhe: USA und Iran liefern sich Gefechte in der Straße von Hormus
08.05.2026

Die fragile Waffenruhe zwischen Washington und Teheran steht kurz vor dem Kollaps. Nach Attacken auf US-Zerstörer reagiert das US-Militär...