Politik

Wie wirkt sich die Grundsteuerreform 2025 auf Immobilieneigentümer aus?

Das Jahr 2022 brachte in vielen deutschen Kommunen spürbare Anstiege bei den Grundsteuern mit sich. Doch die bevorstehende Grundsteuerreform 2025 könnte noch einschneidendere Veränderungen in petto haben. Die entscheidende Frage lautet: Werden Immobilieneigentümer ab 2025 höhere Steuerbelastungen verkraften müssen?
30.10.2023 12:55
Aktualisiert: 30.10.2023 12:55
Lesezeit: 3 min

Die Grundsteuer, eine der bedeutendsten Einnahmequellen für deutsche Städte und Gemeinden mit einem Volumen von fast 15 Milliarden Euro, belastet Immobilienbesitzer zunehmend. Laut einer Analyse der renommierten Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) stiegen die Abgaben in jeder achten deutschen Kommune im Jahr 2022 an. Etwa 40-Prozent der Gemeinden erhöhten ihre Hebesätze, während Senkungen nur in Ausnahmefällen (1-Prozent) vorkamen.

Der Anstieg der Hebesätze im vergangenen Jahr war so signifikant wie zuletzt 2016. Im Durchschnitt liegt der Grundsteuer-Hebesatz für bebaute und unbebaute Grundstücke in Deutschland bei rund 391-Prozent, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von fünf-Prozent bedeutet.

Allerdings variieren die durchschnittlichen Hebesätze erheblich von Bundesland zu Bundesland. Besonders hohe Belastungen treffen die Eigentümer in Nordrhein-Westfalen, wo nicht nur die höchsten Hebesätze (durchschnittlich 565-Prozent) verzeichnet wurden, sondern auch der stärkste Anstieg im Vergleich zum Vorjahr mit 13-Prozent. Auch in Hessen (495-Prozent), dem Saarland (446-Prozent) und Sachsen (427-Prozent) gehören die Hebesätze zu den höchsten in Deutschland. Die geringsten Hebesätze wurden in Schleswig-Holstein (347- Prozent) und Bayern (352-Prozent) registriert, wie Daten des Statistischen Bundesamts in einer Statista-Grafik zeigen.

Doch warum dieser Anstieg? Dr. Heinrich Fleischer, ein Experte bei EY, erklärt: „Die schlechte Finanzsituation vieler Kommunen erfordert häufig eine Anhebung der Hebesätze, was zu einer Mehrbelastung der Bürger führt. Die Kommunen ächzen – so wie die Bürgerinnen und Bürger auch – unter Kostensteigerungen, die sie weitergeben müssen (…).“ Dies bedeutet, dass die Kommunen zusätzliche Einnahmen benötigen, um die steigenden Belastungen bewältigen zu können.

Grundsteuerreform ab 2025

Für viele Eigentümer ist das Ende der Fahnenstange noch nicht in Sicht. Ab 2025 wird die neue Grundsteuerreform in Kraft treten, um die bisherige Regelung zu ersetzen, die das Bundesverfassungsgericht wegen ihrer Ungerechtigkeiten abgelehnt hat.

Bisher wurde die Grundsteuer auf der Grundlage veralteter Einheitswerte von 1964 (im Westen) und 1935 (im Osten) berechnet. Diese Werte entsprachen nicht mehr den aktuellen Realitäten, weshalb das Verfassungsgericht eine Reform forderte. Jetzt müssen Millionen von bebaute und unbebaute Grundstücke nach aktuellen Maßstäben bewertet werden, um sie an die heutige Entwicklung anzupassen.

Bis zum Ende des Jahres 2023 waren die Eigentümer aufgefordert, eine sogenannte Feststellungserklärung abzugeben, die den Finanzämtern als Grundlage dient, um die notwendigen Daten für die Berechnung der neuen Grundsteuerwerte zu sammeln. Diese Daten werden in einer Grundsteuerkarte zusammengeführt, die voraussichtlich 2024 an die Kommunen übermittelt wird. Die Kommunen verwenden diese Karte, um die Grundsteuer für ihre Bürger zu berechnen.

Aber was bedeutet das konkret für Hausbesitzer und auch für Mieter, die die Grundsteuer über die Nebenkosten zahlen? In vielen Fällen werden die neuen Grundsteuerwerte höher sein als nach den alten Maßstäben. Das ist verständlich, da besonders Gebäude in gefragten Lagen, die hohe Mieten erzielen, in den letzten Jahrzehnten stark an Wert gewonnen haben. Dies könnte zu erheblichen Kostensteigerungen führen, da der Grundsteuerwert die Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer bildet.

Wie beeinflusst die neue Grundsteuer die Steuerlast?

Die Grundsteuer wird auf einfache Weise berechnet: Der Wert des Grundbesitzes wird mit einer festen Steuermesszahl und dem Hebesatz multipliziert (Formel: Wert des Grundbesitzes x Steuermesszahl x Hebesatz = Zu zahlende Grundsteuer). Die Steuermesszahl ist ein gesetzlich festgelegter Faktor, der den Wert des Grundstücks für die Besteuerung repräsentiert, während die Hebesätze von den Kommunen festgelegt werden.

Angesichts dieser Fakten erscheint die Erklärung des Bundesfinanzministeriums, dass die Grundsteuerreform aufkommensneutral sein wird und keine zusätzlichen Einnahmen für die Kommunen generieren wird, wenig realistisch. In den meisten Fällen werden steigende Grundsteuerwerte nach der Neubewertung zu höheren Abgaben führen – es sei denn, die Kommunen entscheiden sich, ihre Hebesätze wieder zu senken.

Auch Dr. Fischer von EY geht aufgrund der steigenden Kosten der Kommunen nicht davon aus, dass die angestrebte Aufkommensneutralität tatsächlich erreicht wird. Er betont: „Auch wenn der politische Konsens besteht, dass es insgesamt nicht zu einer gravierenden Mehrbelastung kommen soll, bleibt für Immobilieneigentümer aktuell ein hohes Maß an Ungewissheit hinsichtlich der künftigen Grundsteuerbelastung.“

Das Finanzamt selbst hat sich bisher zurückhaltend geäußert und erklärt, dass noch nicht absehbar ist, ob die neue Grundsteuer für Grundstückseigentümer zu höheren oder niedrigeren Steuern führen wird. Dennoch zeichnet sich bereits jetzt eine klare Tendenz ab, die für Immobilienbesitzer besorgniserregend ist - insbesondere in den Kommunen, die ihre Hebesätze deutlich angehoben haben.

Ab wann wird die neue Grundsteuer 2025 fällig?

Es ist zweifellos, dass sich individuelle Steuerzahlungen verändern werden und viele Immobilieneigentümer voraussichtlich höhere Grundsteuern tragen müssen. Laut den Angaben des Finanzamts werden sie ab dem 1. Januar 2025 zur Zahlung der neuen Grundsteuer verpflichtet sein. Die bisherige Grundsteuerregelung auf Basis veralteter Einheitswerte bleibt noch bis zum 31. Dezember 2024 bestehen. Es wird voraussichtlich bis Herbst 2024 dauern, bis die exakte Höhe der künftigen Grundsteuerbelastung für die Mehrheit der Steuerpflichtigen festgelegt ist.

Möglicherweise gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Das Bundesfinanzamt informiert, dass Gemeinden ihre Hebesätze anpassen können und viele dies tun wollen, um ihre Grundsteuereinnahmen nicht drastisch steigen zu lassen. Angesichts der finanziellen Herausforderungen, vor denen die Gemeinden stehen, bleibt jedoch fraglich, ob sie diese Zusage einhalten werden.

Um sicherzustellen, dass das Wohnen bezahlbar bleibt, sollen zudem Immobilien des sozialen Wohnungsbaus, kommunale Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften unter bestimmten Bedingungen von einem Abschlag auf die Steuermesszahl bei der Grundsteuer profitieren.

Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Grundsteuerreform auf Immobilieneigentümer auswirkt. Bis dahin bleibt es wichtig, die Entwicklungen genau zu beobachten und sich gegebenenfalls rechtzeitig auf mögliche Veränderungen vorzubereiten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Ergebnisse der Tech-Giganten: Meta plant KI-Investitionen von bis zu 135 Milliarden Dollar
28.01.2026

Die Technologiegiganten Meta, Microsoft und Tesla übertrafen die Erwartungen der Analysten, insbesondere im Hinblick auf den Wettlauf um...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsen blieben nach Zentralbankentscheidung stabil
28.01.2026

Die erwartete Entscheidung der US-Notenbank, die Zinssätze stabil zu halten, ließ die Märkte auf klarere Hinweise bezüglich künftiger...

DWN
Politik
Politik Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
28.01.2026

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Trump treibt Gold-Rallye weiter an – sind bald schon 6.000 Dollar möglich?
28.01.2026

Der Goldmarkt erlebt derzeit eine historische Ausnahmesituation: Ein neues Goldpreis-Rekordhoch folgt dem nächsten. Trumps...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
28.01.2026

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Verdacht auf Geldwäsche: BKA durchsucht Deutsche Bank
28.01.2026

Erneut Ärger wegen möglicher Geldwäsche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang...

DWN
Politik
Politik Haseloff-Nachfolger: Schulze neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
28.01.2026

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Amazon streicht weltweit 16.000 Arbeitsplätze
28.01.2026

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon baut erneut Tausende Stellen ab. Was hinter den Entlassungen steckt und wie der Konzern auf die...