Politik

Argentiniens Präsident kündigt finanzpolitische Schock-Therapie an

Argentiniens Präsident Milei hat eine wirtschaftliche Rosskur und eine finanzpolitische Schocktherapie angekündigt. Allerdings gibt er sich pragmatischer als im Wahlkampf.
11.12.2023 09:59
Lesezeit: 1 min

Argentiniens neuer Präsident Javier Milei hat sein Volk in seiner Antrittsrede auf eine wirtschaftliche Rosskur eingestimmt. Es gebe keine Alternative zu einer finanzpolitischen Schocktherapie, sagte der rechtslibertäre Ökonom am Sonntag nach seiner Vereidigung. Die Vorgängerregierung habe leere Kassen hinterlassen und das Land auf einen Pfad hin zur Hyperinflation geschickt. Wenn die Teuerung nicht gebändigt werde, könne sie 15.000 Prozent erreichen. Milei versprach, "mit Zähnen und Klauen" gegen die Inflation zu kämpfen. Er warnte zudem vor einer "Bombe" in Form von Staatsschulden in Höhe von 100 Milliarden Dollar. Der Haushalt müsse angepasst werden. "Es ist kein Geld da."

Der 53-Jährige hatte die Stichwahl im November gewonnen. Im Fokus seines Wahlkampfs stand die anhaltende Wirtschaftsmisere. Bereits damals kündigte er eine Schocktherapie an. Für Aufsehen sorgten seine Pläne, etwa die Zentralbank zu schließen oder die Landeswährung Peso zugunsten einer Bindung an den US-Dollar abzuschaffen. Seit seinem Sieg zeigt Milei jedoch eine pragmatischere Haltung. Er will sich demnach vor allem auf den Abbau des Haushaltsdefizits konzentrieren. Zudem hat er sein Kabinett mit gemäßigten Konservativen besetzt statt libertären Verbündeten. Auf einen Wechsel zum Dollar ging er in seinen Reden am Sonntag nicht ein.

Argentinien kämpft seit Jahren mit einer schweren Wirtschaftskrise. Die Teuerungsrate lag zuletzt bei mehr als 140 Prozent. Analysten sehen die Inflationsrate einer Umfrage der Zentralbank zufolge bis Jahresende auf 185 Prozent steigen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach in diesem Jahr um zwei Prozent schrumpfen. Dazu trägt die Dürre bei, welche die Mais- und Sojaernte um die Hälfte reduziert hat. Zusammen mit der dreistelligen Inflationsrate dürfte dies zu einem Anstieg der Armut führen. Bereits jetzt leben zwei Fünftel der Argentinier unterhalb der Armutsgrenze, da ihre Gehälter und Ersparnisse von den enormen Preissteigerungen aufgezehrt werden. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Dax vor Rekordhoch: Technologie-Erholung gibt dem Markt Rückenwind
31.07.2026

Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Freitag mit Gewinnen in den Handel starten. Eine deutliche Erholung der Technologieaktien in den USA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hensoldt-Aktie: Rüstungskonzern profitiert von Rekordaufträgen
31.07.2026

Die Hensoldt-Aktie gehört seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu den großen Gewinnern unter den deutschen...

DWN
Politik
Politik Verschärfte Asylregeln: EU erschwert ukrainischen Männern Flucht vor Krieg
31.07.2026

Fast 4,4 Millionen Menschen aus der Ukraine haben bisher in der Europäischen Union Schutz gefunden. Nun erschwert die EU wehrfähigen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lidl greift in Polen an: 1.500 Filialen sind erst der Anfang
31.07.2026

Die Expansion der deutschen Discounterkette in Polen wird sich deutlich beschleunigen. Obwohl Morgan Stanley vor einem Überangebot an...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Nasdaq legt kräftig zu, während Chip-Ausverkauf zum Stillstand kommt
30.07.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street am Donnerstag in Bewegung versetzten.

DWN
Finanzen
Finanzen Chip-Aktien: China könnte den Markt verändern
30.07.2026

Ein weiterer neuer chinesischer KI-Akteur hat den Markt im Sturm erobert. Investoren glauben, dass er den Markt unter Druck setzen könnte,...

DWN
Politik
Politik Wahlen im Osten: AfD bleibt in Sachsen-Anhalt klar vorn – kleinere Parteien legen zu
30.07.2026

Mehrere Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt behauptet die AfD ihren deutlichen Vorsprung. Eine neue Umfrage zeigt zugleich: Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Zinsen bleiben stabil: Kommt die Erhöhung im September?
30.07.2026

Die US-Zinsen bleiben vorerst unverändert, doch die Debatte über eine mögliche Erhöhung im September läuft bereits. Der KI-Boom macht...