Politik

Wagenknecht fordert Kanzleramts-Gipfel wegen Ausländer-Straftaten

Kann Sahra Wagenknecht Kanzlerin? Einige Parteikollegen trauen ihr das zu. Fakt ist: Laut verschiedener Umfragen hat ihre Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) das Potenzial in den Bundestag einzuziehen. Jetzt fordert Wagenknecht einen Kanzleramts-Gipfel wegen Ausländer-Straftaten.
26.03.2024 16:57
Lesezeit: 2 min
Wagenknecht fordert Kanzleramts-Gipfel wegen Ausländer-Straftaten
Die Politikerin Sahra Wagenknecht fordert einen Kanzleramts-Gipfel wegen Straftaten von Ausländern (Foto: dpa). Foto: Soeren Stache

Sahra Wagenknecht war jahrzehntelang Mitglied der Linken. Jetzt fährt sie bei einigen Themen einen ganz anderen Kurs und fordert nun gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern gegen Straftaten von Ausländern. Außerdem drängt sie auf eine bessere Ausstattung der Polizei.

Nötig sei ein „Innenministergipfel im Kanzleramt“, bei dem es auch um „das Problem der unkontrollierten Migration gehen“ solle, sagte die Vorsitzende der neuen Partei Bündnis Sahra Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Damit schärft die frühere Linken-Politikerin weiter ihr Profil mit Positionen in der Nähe von Union und AfD.

„Wenn die Kriminalstatistik zeigt, dass Straftaten überproportional von Menschen aus bestimmten Einwanderungsmilieus begangen werden, darf eine Innenministerin dieses Problem nicht tabuisieren und herunterspielen“, sagte Wagenknecht. „Die neuen Zahlen sollten die Innenministerin veranlassen, ihre Ministerkollegen aus den Ländern sofort an einen Tisch zu holen.“

Die Polizei brauche eine bessere Ausstattung, fügte Wagenknecht hinzu. „Zudem fördert die gesellschaftliche Herabsetzung von Polizisten ein Klima, in dem Kriminelle unseren Rechtsstaat faktisch auslachen. Anstatt Polizisten in vielen Debatten unter Generalverdacht zu stellen, halbe Nazis zu sein, verdient die Arbeit unserer Polizei deutlich mehr Respekt und gesellschaftliche Anerkennung.“

Faeser sorgt sich und droht mit Konsequenzen

Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten zuletzt von einem gestiegenen Anteil ausländischer Straftäter berichtet. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) wuchs ihre Zahl 2023 in dem Bundesland um 10,4 Prozent. Schon 2022 erreichte nach offiziellen Angaben bei einem Bevölkerungsanteil der Nichtdeutschen von 15,6 Prozent in NRW der Anteil an den Tatverdächtigen 32,8 Prozent - ausländerrechtliche Straftaten nicht mitgezählt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, dass die Zahl der Straftaten insgesamt steige, sei ein „bundesweiter Trend, für den besonders Ausländer und Zuwanderer verantwortlich sind“.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) äußerte daraufhin Sorge und drohte mit Konsequenzen bis hin zur Abschiebung. In beiden Bundesländern gab es von SPD und Grünen aber auch die Warnung vor einem Generalverdacht gegen bestimmte Gruppen. Der Kriminologe Dirk Baier ordnete im „Spiegel“ die Kriminalstatistik so ein: „Von 100 Deutschen werden ungefähr zwei bis drei tatverdächtig. Bei den Ausländern sind es circa fünf bis sechs. Das macht klar: Wer auf Basis dieser Zahlen pauschale Maßnahmen gegen ganze Gruppen fordert, trifft damit auch die 94 Prozent, die hier nach Recht und Gesetz leben.“ Es sei auch „vollkommener Unsinn“, dass das Thema Ausländerkriminalität tabuisiert werde.

Wagenknecht als Kanzlerkandidatin?

In den anstehenden Wahlkämpfen dürften Migration und innere Sicherheit in jedem Fall eine Rolle spielen - und es fällt auf, wie Wagenknecht sich dabei positioniert. Zuletzt hatte sie bereits die weitreichende Forderung aufgestellt, abgelehnten Asylbewerber ohne Schutzstatus sämtliche Geldleistungen zu streichen.

Die 54-Jährige war im Oktober aus der Partei die Linken ausgetreten und hatte das BSW gegründet, das bei der Europawahl am 9. Juni erstmals kandidiert. Während Wagenknecht bei Sozial- und Wirtschaftspolitik nah an den Positionen der Linken bleibt, vertritt sie bei Migration und innerer Sicherheit ähnliche Forderungen wie CDU/CSU und zum Teil auch die AfD.

In Umfragen hat die sehr junge Partei mit dieser Mischung Erfolg. Bundesweit steht das BSW bei etwa fünf Prozent. In Thüringen, Sachsen und Brandenburg, wo im September neue Landtage gewählt werden, waren die Werte für das BSW schnell zweistellig. Zugleich sank die Zustimmung für die AfD vor allem in Thüringen spürbar.

Im BSW löst der Anfangserfolg Euphorie aus - so sehr, dass der BSW-Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich jetzt auch eine Kanzlerkandidatur Wagenknechts ins Gespräch bringt. „Bei den Beliebtheitswerten kann Sahra Wagenknecht locker mit Scholz, Merz, Baerbock und Habeck mithalten“, sagte Ulrich der dpa. „Die Menschen erkennen auch, dass Sahra Wagenknecht mit ihren Positionen zur Migration, Corona-Maßnahmen, Energiepolitik oder Ukrainekrieg recht hatte.“ Die Umfragewerte und die Geschlossenheit der neuen Partei seien Wagenknechts Verdienst. „Daher ist Sahra Wagenknecht für jedes politische Amt geeignet“, meinte Ulrich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lynk & Co 02 im Marktcheck: Wie überzeugend ist das Gesamtpaket?
23.03.2026

Kompakte Elektroautos im Bereich um 35.000 Euro stehen zunehmend im Fokus von Herstellern und Käufern, da Förderung, Ausstattung und...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rally bleibt aus – trotz Iran-Krieg: Schweizer Privatbank Julius Bär erklärt die Gründe
23.03.2026

Der Goldpreis reagiert trotz des Iran-Kriegs, steigender Energiepreise und wachsender Inflationssorgen ungewöhnlich verhalten und bleibt...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Räte warnen vor Inflation – steigen die Leitzinsen bald wieder?
22.03.2026

Unsichere Märkte, steigende Inflation und wachsende Risiken: Die EZB-Leitzinsen rücken erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mehrere...

DWN
Politik
Politik Spritpreise in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
22.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Goldpreis reagiert kaum auf den Iran-Krieg: Warum der Anstieg ausbleibt
22.03.2026

Der Goldpreis reagiert trotz Iran-Krieg und steigender Spannungen im Nahen Osten bislang überraschend verhalten. Welche Faktoren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg verändert Anlagestrategien: Investoren trennen sich von Tech-Aktien
22.03.2026

Der Iran-Krieg und der Ölpreisschock bringen die bisherige Dominanz von KI-Investments ins Wanken und verschieben die Kapitalströme in...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögen aufbauen: Warum Investoren eine Anlagestrategie und Mut brauchen
22.03.2026

Deutschland klammert sich an ein Sicherheitsgefühl, das ökonomisch nicht mehr trägt. Während die nominalen Geldvermögen Rekorde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Risiko für die Weltwirtschaft: Wie Energie, KI und Schulden zur globalen Bedrohung werden
22.03.2026

Mehrere globale Risiken bauen sich gleichzeitig auf: Geopolitische Krisen verursachen steigende Energiepreise, Finanzmärkte geraten unter...