Wirtschaft

Erdbeer-Saison in Deutschland beginnt - hartes Geschäft mit süßen Früchten

Geschützt unter Folientunneln sind in Deutschland die ersten Erdbeeren der Saison gereift. Bisher zeichnet sich eine gute Ernte ab - doch die Erzeuger kämpfen mit hohen Kosten und müssen sich beim Verkauf beeilen.
20.04.2024 07:46
Aktualisiert: 20.04.2024 09:16
Lesezeit: 3 min
Erdbeer-Saison in Deutschland beginnt - hartes Geschäft mit süßen Früchten
Erste reife Erdbeeren zeigen sich in einem Folientunnel - die Erntesaison hat begonnen. (Foto: dpa) Foto: Andreas Arnold

Süß, aromatisch, saftig - frische Erdbeeren aus heimischem Anbau sind beliebt bei den Verbrauchern. Die Ernte der in Folientunneln angebauten frühen Früchte läuft derzeit in mehreren deutschen Anbaugebieten an, sodass im Direktverkauf und in Supermärkten wieder Erdbeeren aus deutschen Regionen zu haben sind. „Wenn es ein paar Tage Sonne gibt, kann es schnell gehen“, sagte Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal bei Karlsruhe der Deutschen Presse-Agentur. Maßgeblich für die frühe Ernte seien die Tunnel. Sie sicherten den Ertrag und seien auch ein guter Schutz vor Pilzerkrankungen.

Auch auf dem Hof von Maximilian Reuhl in der hessischen Wetterau sorgen jetzt und in den kommenden Monaten viele helfende Hände dafür, die Ernte einzubringen und die Erdbeerpflanzen zu pflegen. Nach dem nassen und recht milden Jahresstart hofft auch Reuhl auf Sonne satt in den kommenden Tagen, damit die Pflanzen kräftig wachsen, die Beeren sich gut ausbilden, leuchtend rot und zuckersüß werden.

Geschützter Anbau in Folientunneln nimmt zu

Die Fläche des sogenannten geschützten Anbaus in den Folientunneln wuchs im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2022 in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts um fast sechs Prozent auf rund 2043 Hektar. Verglichen mit 2015 betrug das Plus sogar fast 180 Prozent. Im Gegensatz dazu schrumpfte die ertragbringende Anbaufläche im Freiland den Daten zufolge binnen eines Jahres um knapp 6,5 Prozent und auf längere Sicht sogar um ein Drittel (33,3 Prozent) auf etwa 9325 Hektar. Ein Grund: Der Ertrag je Hektar ist im geschützten Anbau der Statistik zufolge fast doppelt so hoch wie im Freiland - doch der Anbau in den Folientunneln ist nach den Worten von Schumacher auch sehr teuer. Wichtig sei zudem ein gutes Management, etwa durch regelmäßiges und rechtzeitiges Lüften.

Auch Reuhl kultiviert mittlerweile wie viele Anbieter die Erdbeeren in Folientunneln, was mehrere Gründe habe: Die Pflanzen lassen sich darin besser vor Witterungseinflüssen schützen, und die Tunnel böten neben dem höheren Ertrag auch bessere Arbeitsbedingungen für die Erntehelfer. Außerdem könne darin mit Nützlingen wie etwa beistimmten Raubmilben gearbeitet werden, mit denen wiederum Spinnmilben an den Erdbeerpflanzen bekämpft werden. Umweltschützer sehen Folientunnel kritisch - nicht nur wegen der großen Menge an Plastikfolie, sondern auch, weil diese Anbauflächen Tieren und anderen Pflanzenarten entzogen werden. Auch der Wasserverbrauch und Düngereinsatz für die Erdbeeren werden bemängelt.

Erste Erdbeeren in den Hofläden

Die ersten Erdbeeren der Saison dürften derweil nach Schumachers Erfahrung in den Hofläden zu finden sein. Etwa eine Woche nach dem Erntebeginn in Baden und der Pfalz gehe es in der Regel in Nordrhein-Westfalen entlang des Rheins und in Bayern los. Niedersachsen und Ostdeutschland seien meist zwei Wochen später, der Norden noch eine mehr. Je nach Wetter reiche die Saison bis Juli. Ab Mai sei mit Freilandware zu rechnen, weshalb die Erzeuger am 24. Mai zum ersten Mal den Tag der deutschen Erdbeere feiern wollen.

Der Geschmack ist Schumacher zufolge extrem vom Wetter abhängig. Wenn es lange trüb sei, fehle die Süße, erklärte der VSSE-Vorstandssprecher. Sonne sei das Allerwichtigste: „Die bringt die Süße und das Aroma in die Frucht.“ Gut sei es auch, wenn die Nächte kalt seien - denn dann werde weniger Zucker abgebaut, erklärte der Fachmann. Nur Frost sei nicht gut.

Entsprechend variierten die Preise. Gerade wenn es sonnig sei, hätten die Menschen oft mehr Lust auf Erdbeertorte oder Eis mit Erdbeeren. Hingegen sinken die Preise laut Schumacher oft nach den Feiertagen, wenn die Kühlregale voll seien. „Da sind wir dankbar für den Lebensmittelhandel.“ Der helfe dabei, die Ware schnell zu verteilen. Ansonsten werde kein Obst so viel über Direktvermarktung verkauft wie Erdbeeren. Die Lohnkosten machten 50 bis 60 Prozent des Preises aus. Sie stiegen tendenziell, könnten aber nicht eins zu eins an die Kundschaft weitergegeben werden. Auch deshalb gehe die Anbaufläche zurück, erläuterte Schumacher.

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