Unternehmen

Siemens Energy beendet Misere und startet Sanierungsplan für Windkraftsparte Gamesa

Beim kriselnden Energietechnikkonzern Siemens Energy scheint sich der Wind zu drehen. Nach einem guten zweiten Quartal mit schwarzen Zahlen erhöhen die Münchner ihre Prognose. Das sorgt für einen Kurssprung an der Börse.
08.05.2024 10:02
Aktualisiert: 08.05.2024 11:35
Lesezeit: 2 min

Siemens Energy scheint zurück auf Kurs zu kommen. Auch im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres hat der Energietechnikkonzern schwarze Zahlen geschrieben, wie er am Mittwoch miteilte. Zudem erhöht das Unternehmen, das in seiner kurzen Geschichte bereits zahlreiche Gewinnwarnungen abgeben musste, nun seine Prognose für das laufende Jahr und für das Sorgenkind Gamesa steht der Sanierungsplan.

Unterm Strich machte Energy im zweiten Geschäftsquartal von Januar bis März 108 Millionen Euro Gewinn. Vor einem Jahr hatte noch ein Verlust von 189 Millionen gestanden. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Die Entwicklung im zweiten Quartal zeuge „von der anhaltend starken Nachfrage nach unserer Energiewende-Technologie sowie ersten Erfolgen bei der Stabilisierung des Windgeschäfts“, sagte Konzernchef Christian Bruch. „Vor dem Hintergrund dieser positiven Entwicklung haben wir unseren Ausblick erhöht.“

Der Anstieg ist deutlich: Statt um 3 bis 7 Prozent soll der Umsatz im laufenden Jahr nun um 10 bis 12 Prozent wachsen - ein Unterschied im Milliardenbereich. Auch die Margen werden etwas günstiger erwartet. Nur bei der Vorhersage des Jahresergebnisses ändert sich nichts: Hier steht nach wie vor die Zielmarke von einer Milliarde Euro Gewinn.

Das bedeutet allerdings, dass Energy im zweiten Halbjahr wohl auch wieder rote Zahlen schreiben wird - denn nach einem sehr rentablen Verkauf im ersten Quartal steht der Gewinn nach den ersten sechs Monaten aktuell bei zusammen fast 1,7 Milliarden - also deutlich über dem für das Jahresende vorausgesagten Wert.

Windkraft-Sparte Gamesa bleibt Sorgenkind

Hintergrund sind die nach wie vor verlustreichen Windkraftgeschäfte bei Gamesa. Hier hat der Konzern nach wie vor alte Verträge abzuarbeiten, die sich nicht mehr gewinnbringend umsetzen lassen und kämpft mit Qualitätsproblemen. Auch im zweiten Quartal steuerte Gamesa deutliche Verluste bei, die allerdings von soliden Zahlen in den anderen Bereichen - insbesondere Grid Technologies - ausgeglichen werden konnten.

Hier soll ein inzwischen begonnenes Sanierungsprogramm helfen, das Gamesa bis zum Jahr 2026 zurück in die schwarzen Zahlen und auf Dauer sogar auf zweistellige positive Margen bringen soll. Dafür soll sich Gamesa im aktuell noch besonders problematischen Geschäft mit Windkraft an Land (Onshore) vor allem auf Europa und die USA konzentrieren, und seine Fertigungskapazitäten anpassen. Darüber hinaus werden dort Hierarchieebenen abgebaut und das Neugeschäft in den Bereichen Onshore und Offshore jeweils mit dem Servicegeschäft zusammengelegt.

Die Neuausrichtung wird auch Arbeitsplätze kosten. Zur Dimension äußerte sich Siemens Energy allerdings nicht näher. Angesichts des Wachstums im Offshore-Bereich werde der Personalbestand bei Gamesa insgesamt aber über die nächsten Jahre „ungefähr konstant“ bleiben. Zudem will Siemens Energy die beiden Windturbinen-Modelle 4.X und 5.X zum Ende des Geschäftsjahres beziehungsweise 2025 wieder in den Vertrieb nehmen. Die beiden Modelle hatten wegen Qualitätsproblemen vergangenes Jahr zu massiven Schwierigkeiten und Verlusten geführt.

An der Börse kamen die Nachrichten von Siemens Energy ausgesprochen gut an. Am Vormittag war die Aktie des Konzerns mit Abstand größter Gewinner im Dax und legte zwischenzeitlich zweistellig zu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
29.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street gibt nach – Alphabet, Amazon und Intel belasten Aktienmärkte
29.10.2026

Spannende Wende an der Wall Street: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse der Tech-Riesen ins Wanken bringen.

DWN
Politik
Politik Haushaltskrise der Länder: Kommunale Schulden steigen um fast zehn Prozent
29.10.2026

4.907 Euro je Einwohner: Die Verschuldung der Kommunen ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Dabei fällt die Belastung regional sehr...

DWN
Politik
Politik „Gen Z regelt“ mobilisiert: Das ist für Samstag geplant
29.10.2026

In knapp 30 Städten sind Proteste angekündigt, organisiert von einer noch jungen Gruppierung. Nach den Ausschreitungen in Frankreich...

DWN
Politik
Politik Verteidigung des Baltikums: Heereschef Freuding fordert mehr Tempo
29.10.2026

Mehr als 70 Generale und führende Offiziere aus Deutschland und den Niederlanden haben mögliche Brennpunkte im Baltikum erkundet....

DWN
Politik
Politik Umfrage: Deutsche sehen USA ähnlich kritisch wie China
29.10.2026

Kurz vor den US-Zwischenwahlen fällt das Bild der Vereinigten Staaten in Deutschland überwiegend negativ aus. In einer aktuellen...

DWN
Technologie
Technologie Testbericht: Apples erstes faltbares iPhone ist ein kostspieliges, aber überzeugendes Debüt
29.10.2026

Ich erinnere mich noch gut an die Reue, die ich beim Kauf des iPhone 3GS im Jahr 2009 empfand. Bis dahin hatte ich ein BlackBerry Pearl...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Notenbanker belassen Leitzins der Eurozone bei 2,5 Prozent
29.10.2026

Die Europäische Zentralbank lässt die Leitzinsen am 29. Oktober 2026 unverändert. Der Einlagenzins bleibt bei 2,50 Prozent. Zugleich...