Finanzen
Anzeige

Die Ökonomie des Glücks – Wetten auf eine bessere Zukunft

Am 1. Juli 2021 ist in Deutschland der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft getreten. Der Vertrag hat eine übergreifende Wirkung auf den gesamten Glücksspielmarkt. In der Praxis bedeutet er im Wesentlichen, dass deutsche Betreiber nun die Möglichkeit haben, eine Lizenz zu beantragen, um Spielern legal Online-Casinospiele (einschließlich virtueller Spielautomaten) anzubieten. Außerdem wurde die Regulierungsbehörde durch die Schaffung einer gemeinsamen Glücksspielbehörde gestrafft, wodurch die Rolle der einzelnen Bundesländer wegfällt.
27.05.2024 13:15
Aktualisiert: 27.05.2024 13:15
Lesezeit: 3 min
Die Ökonomie des Glücks – Wetten auf eine bessere Zukunft
Bildquelle: (freepik.com)

Die Einführung dieser Maßnahmen hat nicht nur das Zulassungsverfahren vereinfacht, sondern den Betreibern auch eine legale Plattform gegeben, auf der sie den Spielern ihre Dienste anbieten können. Dies hat zu besseren Bedingungen für Betreiber und Spieler geführt, doch die ersten Ergebnisse zeigen, dass der Markt noch einige Herausforderungen zu meistern hat. Angesichts der Tatsache, dass die deutschen Spieler jährlich mehr als 8 Mrd. Euro setzen, ist klar, dass ein Regulierungsrahmen dringend notwendig war.

Warum ein Regulierungsprozess in Deutschland notwendig ist

Die Einführung des Staatsvertrags war eine lang erwartete Maßnahme, die den deutschen Markt für Glücksspiele auf eine neue Stufe bringen wird. Da Glücksspiele in Deutschland eine weit verbreitete Freizeitaktivität sind, haben viele Spielerinnen und Spieler in der Vergangenheit auf Angebote ausländischer Anbieter zurückgegriffen. Dies birgt jedoch gewisse Risiken, da Online-Casinos mit Sitz im Ausland nicht an das deutsche Recht gebunden sind.

Die Änderungen der Glücksspielregelungen bieten den in Deutschland ansässigen Spielern eine sicherere Option, da sie Wetten mit der Sicherheit im Hinterkopf platzieren können, dass die Anbieter reguliert und lizenziert sind. Wenn sie eine Wette auf Leverkusen oder Bayern platzieren, können sie die Vorteile von lokal geprüften Seiten genießen, mit zusätzlichen Bonus Angeboten von lizenzierten Wettanbietern, ohne sich um ihre Einzahlungen sorgen zu müssen.

Darüber hinaus könnte dieses neue regulatorische Umfeld auch dazu beitragen, die Steuereinnahmen in Deutschland zu erhöhen. Schätzungen zufolge wäre ein zusätzlicher Betrag von 365 Millionen Euro jährlich möglich. Einige Experten sind jedoch der Meinung, dass der derzeitige Steuersatz von 5,3 % möglicherweise nicht ausreicht, um mit den Offshore-Anbietern konkurrieren zu können. Da bislang nur wenige Daten zu den Steuereinnahmen vorliegen, lässt sich diese Frage noch nicht abschließend beantworten.

Der "Schwarzmarkt" bedroht deutsche Betreiber

Der neue Staatsvertrag sollte sowohl den deutschen Betreibern als auch den Spielern helfen. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass es noch viel zu tun gibt. Laut einer neuen Studie von Gunther Schnabl, einem Wirtschaftswissenschaftler der Universität Leipzig, entfallen 50 % des Online-Glücksspiels in Deutschland auf den sogenannten "Schwarzmarkt".

Dies führt zu mehreren Herausforderungen für die deutsche Regierung. Zunächst einmal bedeutet dies einen beträchtlichen Verlust an potenziellen Steuereinnahmen. Basierend auf den Zahlen für 2023 besteht das Risiko, dass den deutschen Steuerkassen mehrere hundert Millionen Euro entgehen.

Zweitens bedeutet dies auch, dass es keine Aufsicht über den Spielerschutz gibt. Die deutschen Betreiber sind dazu verpflichtet, eine Reihe von softwaregesteuerten Lösungen anzubieten, um den Spielerschutz zu erleichtern. Dazu gehören beispielsweise die Festlegung von Wettlimits, Spielersperren und die Bereitstellung von Hilfe für diejenigen, die mit einer möglichen Spielsucht zu kämpfen haben.

Die Kluft zwischen den Anmeldungen bei legalen deutschen Anbietern und Offshore-Online-Buchmachern wird in diesem Sommer wahrscheinlich noch größer werden, da viele Spieler gerne Wetten auf die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft in Deutschland platzieren möchten. Sollte der deutsche Glücksspielmarkt weiterhin eine unattraktive Option für Spieler sein, kann sich die Situation nur verschlechtern.

2024 und darüber hinaus

Sowohl der Deutsche Online-Casino-Verband (DOCV) als auch der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) haben ihre Besorgnis über die auferlegten Beschränkungen zum Ausdruck gebracht, die die Fähigkeit der lokalen Anbieter, mit einem zunehmend globalen Markt zu konkurrieren, einschränken könnten.

Derzeit gibt es in Deutschland etwa 50 legale Anbieter, was ein guter Anfang ist, wenn man bedenkt, dass das neue Lizenzierungsverfahren erst vor drei Jahren eingeführt wurde. Allerdings können Glücksspieler in Deutschland derzeit auf 800 bis 900 nicht lizenzierte Websites zugreifen, was einen starken Anstieg im gleichen Zeitraum bedeutet. Dadurch entsteht ein unlauterer Wettbewerb auf dem lokalen Markt, bei dem die Spieler die scheinbar besseren Angebote anderer Anbieter nutzen.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die die Regierung ergreifen könnte, um die Situation weiter zu verbessern. Ein Aspekt ist das Genehmigungsverfahren, das derzeit relativ langsam und aufwendig ist und deutsche Anbieter davon abhält, auf den Markt zu kommen. Auch die Zusammenarbeit und der Dialog zwischen den Marktführern, der GGL und den Interessenverbänden könnten insgesamt verbessert werden.

Illegalen Anbietern ist es derzeit untersagt, in Deutschland zu werben, aber diese Verbote werden nicht immer erfolgreich überwacht oder durchgesetzt. Darüber hinaus müssen sich die lokalen Anbieter mit strengen Werbekontrollen auseinandersetzen, die einen fairen Wettbewerb mit Offshore-Buchmachern und Casinos verhindern.

Es wäre wünschenswert, wenn die deutschen Behörden das Prüfungsverfahren für illegale Anbieter verbessern würden. Eine engere Partnerschaft mit den Internetanbietern könnte beispielsweise dazu beitragen, unregulierte illegale Websites effizienter zu sperren.

Die deutschen Änderungen der Glücksspielgesetze sollten dazu beitragen, die Marktbedingungen für die Spieler zu verbessern, die Steuereinnahmen zu erhöhen und den Regulierungsprozess zu optimieren. Das anhaltende Wachstum des Schwarzmarktes und die Unzufriedenheit mit dem Niveau der Dienstleistungen der deutschen Anbieter legen jedoch nahe, dass Änderungen in Betracht gezogen werden sollten.


DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Dow Jones durchbricht die Marke von 50.000 Punkten
06.02.2026

Die US-Aktienmärkte erholten sich am Freitag nach einem einwöchigen Rückgang im Technologiesektor, da die Zurückhaltung der Investoren...

DWN
Finanzen
Finanzen Stellantis-Aktie im freien Fall: Börse reagiert schockiert – Opel-Mutter Stellantis beendet Elektro-Strategie
06.02.2026

Die Stellantis-Aktie gerät nach einer drastischen Kehrtwende in den USA massiv unter Druck. Milliardenabschreibungen, gestrichene...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Bauerfeind aus Thüringen expandiert: Mit Stützstrümpfen zum Hidden Champion
06.02.2026

Klein, aber fein: Bauerfeind, ein Familienunternehmen und „Hidden Champion“ aus Thüringen. Ob auf Reisen, im Alltag, im Job oder beim...

DWN
Politik
Politik US-Rohstoffpolitik unter Druck: J.D. Vance spricht über neue Ansätze bei seltenen Erden
06.02.2026

Die USA prüfen angesichts ihrer Abhängigkeit von China bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen neue außenwirtschaftliche Optionen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ostdeutscher Maschinenbau überrascht: Auftragseingang 2025 deutlich im Plus
06.02.2026

Während der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau insgesamt stagnierte, legte Ostdeutschland 2025 spürbar zu. Nach Angaben des VDMA...

DWN
Politik
Politik Hubig in Den Haag: Heikle Mission zwischen US-Sanktionen und Völkerrecht
06.02.2026

Nach US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof steht Justizministerin Stefanie Hubig in Den Haag vor einer heiklen Aufgabe....

DWN
Politik
Politik Russlands Aktivitäten im Orbit: Wachsende Risiken für Europas Satelliteninfrastruktur
06.02.2026

Russische Aktivitäten im Orbit rücken Europas Satelliten stärker in den Fokus der Sicherheitsbehörden. Welche Risiken ergeben sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsexporte: Bundesregierung genehmigt 12 Milliarden Euro – Kritik an Golfregion-Geschäften
06.02.2026

Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr Rüstungsexporte im Umfang von rund 12 Milliarden Euro genehmigt – leicht weniger als in den...