Wirtschaft

Deutsche Industrieproduktion mit überraschenden Rückgang - Konjunktursorgen nehmen zu

Die Industrieproduktion in Deutschland ist im Mai deutlich gesunken. Es ist der größte Rückgang seit Ende 2022. Ökonomen sehen darin schlechte Vorzeichen für die deutsche Konjunktur.
05.07.2024 11:06
Aktualisiert: 05.07.2024 11:06
Lesezeit: 1 min
Deutsche Industrieproduktion mit überraschenden Rückgang - Konjunktursorgen nehmen zu
Ein Gießereimechaniker füllt das bei etwa 1.600 Grad Celsius geschmolzene Metall in Formen für Pumpenspiralgehäuse. Die Deutsche Industrieproduktion ging im Mai überraschend zurück (Foto: dpa). Foto: Waltraud Grubitzsch

Die deutsche Industrieproduktion hat im Mai einen kräftigen Rückgang verzeichnet. Im Vergleich zum Vormonat sank die Gesamtherstellung um 2,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Dies ist der deutlichste Rücksetzer seit Ende 2022. Analysten hatten im Schnitt mit einem leichten Anstieg von 0,1 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat brach die Produktion um 6,7 Prozent ein.

"Das deutliche Minus der Industrieproduktion zeigt klar, dass eine schnelle und deutliche Konjunkturerholung nicht in Sicht ist", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Nach einer Stagnation der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sei nur mit einer schwachen Aufwärtsbewegung zu rechnen.

Rückgang der Produktionszahlen folgt schwachen Auftragszahlen

Die schwachen Produktionsdaten folgen auf enttäuschende Auftragszahlen vom Vortag. Demnach sind die Industriebestellungen im Mai das fünfte Mal in Folge gesunken. Der Rückgang auf Monatssicht betrug 1,6 Prozent. Im Jahresvergleich gingen 8,6 Prozent weniger Aufträge ein.

Ökonomen alarmiert über Rückgang

"Eine weitere Hiobsbotschaft von der Industrie", kommentierte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg die neuen Daten. "Es scheint, als sei eine Wende zum Besseren weiter entfernt denn je." Die deutsche Wirtschaft erlebe das zweite Jahr Stagnation in Folge.

Dabei hatte es zuletzt Lichtblicke gegeben: Die Unternehmensstimmung hatte sich tendenziell verbessert, mehrere Wirtschaftsinstitute hatten ihre Wachstumserwartungen nach oben korrigiert - wenn auch von niedrigem Niveau aus. Doch all das könnte schon wieder ins Wanken geraten: "Die deutsche Wirtschaft verliert erneut an Fahrt", erklärte Chefökonom Carsten Brzeski von der Bank ING.

Das Bundeswirtschaftsministerium sprach in einem Kommentar nüchtern von einer verhaltenen Industriekonjunktur. "Erst im Zuge der weiteren Erholung des Welthandels und der allmählichen Belebung der Nachfrage nach Industrieerzeugnissen dürfte sich die Produktion stabilisieren."

Details zur Entwicklung der Produktion

Im Detail konnte im Mai nur der Energiesektor überzeugen. Er erhöhte seinen Ausstoß zum Vormonat um 2,6 Prozent. Dagegen sank die Warenproduktion in der Industrie um 2,9 Prozent. Am Bau war die Aktivität ebenfalls deutlich schwächer, das Minus betrug 3,3 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenschluss: Chipwerte ziehen Nasdaq nach untentitle
27.07.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt über die jüngsten Marktbewegungen wissen müssen.

DWN
Panorama
Panorama Cybersicherheit im Urlaub: Diese zehn Fehler machen Sie zum leichten Opfer
27.07.2026

Ein falscher QR-Code, eine überzeugende E-Mail oder ein gestohlenes Smartphone können den Urlaub abrupt beenden. Cyberkriminelle setzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota steigt bei Cellcentric ein: Wasserstoff-Offensive gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo
27.07.2026

Toyota steigt bei Cellcentric ein und mischt den Markt für Brennstoffzellen auf. Gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo soll die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
27.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten
27.07.2026

Die SAP-Aktie überrascht nach den Quartalszahlen mit einer kräftigen Erholung. Während das starke Cloud-Geschäft Anleger begeistert,...

DWN
Politik
Politik Fragen nach dem CSD-Anschlag: Warum war der verurteilte Täter Abdul B. nicht in Haft?
27.07.2026

Nach dem CSD-Anschlag in Berlin richtet sich der Blick nicht mehr nur auf den mutmaßlichen Täter. Auch Gerichte, Strafrecht und...

DWN
Politik
Politik Neuer Verkehrsminister vor gewaltigen Herausforderungen: Die größten Baustellen für Bilger
27.07.2026

Mit Steffen Bilger bekommt das Verkehrsministerium einen erfahrenen Fachpolitiker an die Spitze. Doch der Wechsel allein beseitigt keine...

DWN
Politik
Politik Plant Trump eine Bodenoffensive? Pakistan warnt vor möglichem US-Militäreinsatz im Iran
27.07.2026

Bereitet US-Präsident Donald Trump eine Bodenoffensive im Iran vor? Hinweise aus Pakistan jedenfalls sorgen für Aufmerksamkeit....