Immobilien

Zukunft der deutschen Shopping-Center: „New Look“ Hotspots mit Palette von Angeboten 

Digitalisierung und verändertes Einkaufsverhalten rütteln schon seit einiger Zeit an den Grundlagen der traditionellen deutschen Einkaufszentren: Shopping Malls müssen sich heute in einer sehr anderen Welt behaupten als früher. Die Erwartung? Mehrere Angebote unter einem Dach, Hotspots für Einzelhandel, Co-Working Spaces, Entertainment, Food-Hubs, Wellness und mehr. Wir verraten, welche „neuen“ Center schon ein Hit sind!
25.07.2024 13:00
Aktualisiert: 01.01.2030 17:45
Lesezeit: 2 min
Zukunft der deutschen Shopping-Center: „New Look“ Hotspots mit Palette von Angeboten 
Weit mehr als nur die Möglichkeit zum Einkaufen: Shopping Mall The Playce, Potsdamer Platz, Berlin. (Foto: dpa) Foto: Schoening

Ein Treffpunkt für Anwohner, Büroangestellte und Touristen, wo man essen, arbeiten, sich austauschen, einkaufen, Sport treiben und noch viel mehr machen kann - das ist die Herausforderung für deutsche Shopping-Center.

Wo in Deutschland kann man das bereits erleben? In Berlin ist das „The Niu Hide” ein Beispiel für diese neue Entwicklungsrichtung im Einzelhandel, und auch „The Playce“ - früher bekannt als Potsdamer-Platz-Arkaden. In Weiterstadt, nahe Frankfurt am Main, hat sich das „Loop5“ neu erfunden und ein „Retailtainment“-Konzept umgesetzt: Eine Mischung aus Einzelhandel (Retail) und Entertainment.

Mit anderen Worten: Viel mehr als nur Einkaufen, mit dem Fokus auf die täglichen Bedürfnisse der Menschen durch gemeinschaftliche Räume, sei es Co-Working Spaces, Fitnessstudios, Bereiche zum Entspannen, Restaurants, Wellnessbereiche, Pop-Up Stores und sogar Angebote wie Schwimmschulen oder Bibliotheken.

Routinen der Menschen in die Shopping-Center integrieren

Die „neuen“ Bedürfnisse von Shoppern müssen angesprochen werden, so ein Bericht von Immobilien-Beratungs- und Investment-Management Firma JLL. „Denn Handel kann nur dort stattfinden, wo sich Menschen gerne aufhalten“, erläutert eine der Autorinnen, Sandra Ludwig, und fügt hinzu, man müsse die Frage stellen: „Wie können wir die Routinen der Menschen integrieren?“

Der Trend der Transformation des traditionellen Einzelhandelskonzepts in Europa ginge inzwischen weit über das einfache Einkaufen hinaus zu multifunktionalen, gemeinschaftlich genutzten Orten, so Ludwig. „Der Wandel hin zum Erlebniseinzelhandel hat sich schon seit Jahren abgezeichnet, aber jetzt sehen wir tatsächlich, wie er an vielen Orten in Europa Fahrt aufnimmt. Damit beginne eine neue Ära für das stationäre Geschäft der Einkaufszentren.

Hintergrund: Pandemie-Tief jetzt überwunden

Viele deutsche Shopping-Center wurden während der Corona-Krise in die Passivität gedrängt und erlebten ein Tief, doch die Trendumkehr sei geschafft, sagt Iris Schöberl, Vizepräsidentin des ZIA. Dies sei hauptsächlich durch ein professionelles Center-Management und einen individuellen Angebots-Mix zurückzuführen.

Die Besucherfrequenz in den verschiedenen deutschen Einkaufszentren habe zwar noch nicht überall das Vor-Corona-Niveau erreicht, doch die Pandemie habe einen Entwicklungsprozess beschleunigt, in dem sich immer mehr Shopping-Center zu Mittelpunkten des Zusammenlebens entwickelt hätten, sagte Schöberl. „Dieses soziale Plus ist auch eine entscheidende Antwort des stationären Handels auf die digitale Konkurrenz.“

Studie: Es gibt schon einen guten Mix

Laut einer kürzlich durchgeführten Studie von ZIA und EY Real Estate bieten deutsche Shopping-Center schon eine gute Mischung aus verschiedenen Shopping-Möglichkeiten, beispielsweise Dienstleistungs- und Gesundheitsangebote, Lebensmitteleinzelhandel, Mode, Drogerien sowie Freizeit- und Unterhaltungsangebote, unter einem Dach an.

Der Mix sieht so aus:

  • Dienstleistungs- und Gesundheitsangebote finden sich mittlerweile in fast allen Centern (89 Prozent)
  • Freizeit- und Unterhaltungsangebote sind auch gut vertreten (52 Prozent)
  • Der Lebensmitteleinzelhandel hat sich als typischer Ankermieter etabliert (75 Prozent)
  • Auch Drogerien haben einen hohen Stellenwert (35 Prozent)

Erfolgreich neu erfundene Center

Das „The Niu Hide”in Berlin ist das weltweit erste Hotel, das auf dem Dach eines Einkaufszentrums, dem Ring-Center II an der Frankfurter Allee, errichtet wurde. JLL zufolge könnte die Kombination aus Hotel und Einkaufszentrum ein Beispiel für ähnliche Projekte in anderen Städten sein.

„The Playce“ in Berlin soll mit 90 Geschäften, 22 Gastronomieeinheiten, drei Bars, ein Videospiel-Paradies und ein „Food-Hub-Konzept“ verschiedene Zielgruppen ansprechen – Touristen, nahegelegene Büroangestellte und Einwohner.

In der Nähe von Frankfurt am Main, hat das „Loop5“ ein außergewöhnliches „Retailtainment“-Konzept umgesetzt: Die Verknüpfung von Einzelhandel (Retail) mit und Entertainment, und daher ein Magnet für Einkaufs- und Unterhaltungserlebnisse.

Shopping-Center „zukunftsfähig“ machen

Laut Ludwig liegt die Zukunft des Einzelhandels in diesen neu gestalteten Einkaufszentren, die weit mehr bieten als nur die Möglichkeit zum Einkaufen. „Shopping-Center haben dann eine Zukunftschance, wenn sie sich neu erfinden. Unternehmen und Systeme müssen zukunftsfähig gemacht werden. Dies erfordert mitunter umfangreiche Investitionen und einen langen Atem ... aber es wird sich lohnen, wenn jetzt damit begonnen wird.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen Shein an der Börse: Wer bei Fast Fashion jetzt vorn liegt
05.09.2026

Der chinesische Konzern Shein hat sich an der Börse den größten Namen der Fast Fashion angeschlossen. Doch wie läuft es bei seinen...

DWN
Politik
Politik 37 Jahre alt und rund 15 Milliarden Euro schwer: Das ist Mario Draghis neuer Partner
05.09.2026

Der frühere EZB-Chef und ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich mit einem irischen Tech-Milliardär...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Sanierung ohne monatelange Vollsperrungen: VCD legt Gegenentwurf vor
05.09.2026

Die Bahn will ihr marodes Schienennetz mit groß angelegten Generalsanierungen zuverlässiger machen. Doch das bisherige Konzept bringt...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
05.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deepal S05 im Test: Der Chinese, der keiner sein will
05.09.2026

Der Deepal S05 kommt aus China, trägt aber deutlich europäische Züge. Entworfen wurde der Elektro-SUV in Turin, und genau das merkt man...

DWN
Politik
Politik Landtagwahl in Sachsen-Anhalt: Was Sie über die Sachsen-Anhalt-Wahl wissen sollten
05.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über Magdeburg hinausreichen könnten. Die AfD liegt vorn, mögliche Mehrheiten...

DWN
Finanzen
Finanzen Anleihen: Warum Schulden so teuer sind wie lange nicht
05.09.2026

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen großer Volkswirtschaften sind auf Niveaus gestiegen, die teils seit der Finanzkrise nicht mehr...

DWN
Technologie
Technologie Biometrie-Panne: Die gefährlichste Rolle ist der Zwilling
05.09.2026

Manche Dinge sind offenbar selbst für die klügsten Systeme eine zu große Herausforderung. Und dies ist eine Glosse genau über diese...