Politik

Erleichterungen für angehende Ärzte aus der Ukraine geplant

Warum müssen so viele bestens qualifizierte Fachkräfte aus der Ukraine bei uns im Land Däumchen drehen, statt am Arbeitsmarkt unterzukommen? Eine Umfrage unter ukarainischen Medizinern zeigt, dass Verwirrung bei den Zulassungen herrscht -unnötigerweise, wie es scheint
05.08.2024 06:15
Lesezeit: 2 min
Erleichterungen für angehende Ärzte aus der Ukraine geplant
Geht doch: Beatrice Bosse (von l. nach r.), Medizinprodukt-beraterin im Bereich Narbentherapie, Julia Huk, ukrainische Rehabilitationärztin, und Jenny Dornberger (r), Oberärztin im Zentrum für Schwerbrandverletzte mit Plastischer Chirurgie, bei einer Visite. (Foto: dpa) Foto: Annette Riedl

Die Bundesregierung will angehenden Ärzten aus der Ukraine den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Der Bund prüfe aktuell eine Rechtsänderung, die eine Fortsetzung nicht abgeschlossener ukrainischer ärztlicher Ausbildungen in Deutschland ermöglichen solle, erklärte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage. Eine entsprechende Änderung der Approbationsordnung für Ärzte werde derzeit vorbereitet.

Für die Erteilung von Berufserlaubnissen durch die Länder an ukrainische Ärztinnen und Ärzte mit abgeschlossener Ausbildung sei allerdings keine Rechtsänderung durch den Bund notwendig, betonte das Ministerium. Es reagierte damit auf entsprechende Forderungen aus den Ländern - und auf einen Bericht der "Welt am Sonntag", wonach seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine mehr als 1.400 aus dem Land geflohene Ärztinnen und Ärzte in Deutschland auf eine Zulassung warten.

Nach einer Umfrage haben seit Kriegsbeginn im Februar 2022 mindestens 1.674 geflüchtete ukrainische Ärztinnen und Ärzte einen Antrag auf Approbation gestellt, um in Deutschland praktizieren zu dürfen. Lediglich 187 Anträge seien bisher bewilligt worden, 1.402 befänden sich noch in Bearbeitung, heißt es in dem Bericht. Die Zahlen basieren den Angaben zufolge auf Rückmeldungen aus 14 Bundesländern, Bremen und Hessen konnten demnach nur unvollständige Daten liefern. Die Wartezeiten seien nicht allein für Ukrainer so lang: Zwischen der Antragstellung von Medizinern aus Ländern außerhalb der Europäischen Union und der Bewilligung ihrer Approbation lägen typischerweise zwischen 15 Monaten und drei Jahren, so der Bericht.

Ein Problem der Länder?

Susanne Johna, Vorsitzende der Medizinervereinigung Marburger Bund, verwies darauf, dass sich Ärztinnen und Ärzte aus Drittstaaten immer häufiger für andere europäische Länder entschieden. "Schuld an der Misere sind vor allem bürokratische Hürden und personell ausgezehrte Landesbehörden", so Johna.

Der Gesundheitsminister von Niedersachsen, Andreas Philippi, (SPD) nahm hingegen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (ebenfalls SPD) in die Verantwortung. "Wir appellieren an den Bundesgesundheitsminister, die Bundesärzteordnung und Approbationsordnung so zu ändern, dass Anerkennungsverfahren digital, standardisiert und somit deutlich schneller erfolgen", sagte er. Deutschland könne es sich nicht leisten, Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland bürokratische Steine in den Weg zu legen. Eine ähnliche Empfehlung hatte auch der Bundesrat Anfang Juli ausgesprochen.

Thema der Gesundheitsreformen

Lauterbach wies die Kritik auf der Plattform X zurück. "Leider ist es so, dass viele Länder sowohl zu wenige Deutsche ausbilden als auch zu wenige Ausländer zulassen", schrieb er. Das Thema sei aber Teil der Gesundheitsreformen im Herbst und schließe auch die Anerkennung ausländischer Pflegekräfte ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...