Wirtschaft

Chinas Außenhandel: Wachstum trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten

Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen zeigt Chinas Außenhandel im Juli 2024 Wachstum: Importe steigen um 7,2 Prozent, Exporte legen um 7 Prozent zu. Der Handelsüberschuss fällt geringer aus als im Vormonat. Experten beobachten anhaltende Unsicherheiten und Herausforderungen für die Wirtschaft.
07.08.2024 14:17
Lesezeit: 2 min

Chinas Außenhandel wächst trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten weiter. Überraschend stiegen im Juli die Importe der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gemessen in US-Dollar um 7,2 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat, wie das chinesische Zollamt in Peking mitteilte. Im Juni waren die Einfuhren noch unerwartet gesunken. Die Ausfuhren der exportgetriebenen Wirtschaft legten im Juli um sieben Prozent zu und damit weniger stark als im Juni (8,6 Prozent). Mit 84,65 Milliarden US-Dollar fiel der Handelsüberschuss geringer aus als im Vormonat. Damals hatte dieser mit rund 99 Milliarden US-Dollar ein Rekordhoch erreicht.

Exporte und Importe profitieren laut Max Butek, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Ostchina, von einer niedrigen Basis aus dem Jahr 2023. Im Handel mit Deutschland stieg der Wert der China-Exporte um 9,1 Prozent im Vergleich zu Juli 2023. Die Importe gingen dagegen zurück und lagen bei einem Minus von 4,9 Prozent. Bereits im Juni brachen die Einfuhren aus der Bundesrepublik deutlich um 14,2 Prozent im Vorjahresvergleich ein.

„Die Unternehmen spüren noch keine Erholung, von einem nachhaltigen Anstieg kann nicht gesprochen werden“, sagt Butek. Ein nach wie vor starker Rückgang der Importe aus Deutschland und kaum steigende Exporte nach Deutschland sorgten weiterhin dafür, dass China derzeit nicht Deutschlands größter Handelspartner sei und es vermutlich 2024 auch nicht mehr werde.

Experten mit anderen Erwartungen

Chinas Exporte stiegen den vierten Monat in Folge. Die Importe lagen so hoch wie seit drei Monaten nicht mehr. Allerdings hatten Analysten im Vorfeld für die Ausfuhren im Juli einen stärkeren Zuwachs von im Schnitt 9,5 Prozent erwartet. Die schwächeren Zahlen führten manche auf eine gesunkene Nachfrage im Ausland zurück.

Bei den Importen hatten Analysten mit einem Plus von 3,2 Prozent gerechnet - deutlich weniger als die Zollbehörde nun mitteilte. Dies könnte Experten zufolge auch daran liegen, dass chinesische Halbleiterhersteller wegen möglicher Exportbeschränkungen aus den USA vorab ihr Lager auffüllen.

Probleme bremsen Wirtschaftsmotor

Die wirtschaftliche Lage in der Volksrepublik bleibt jedoch angespannt. Die allein regierende Kommunistische Partei peilt in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent an. Im Juli musste die Führung kurz vor einem wichtigen Treffen ihrer Top-Kader, bei dem die Wirtschaftspolitik der kommenden Jahre auf der Agenda stand, einen Dämpfer hinnehmen, als das Wachstum für das zweite Quartal mit 4,7 Prozent geringer als erwartet ausfiel.

China kämpft neben der schwachen Nachfrage im Inland weiter mit den Auswirkungen der seit Jahren wabernden Immobilienkrise und schwachen Arbeitsmarktdaten. Menschen, die ihr Geld in Wohnungen gesteckt hatten, erlebten einen Wertverlust. Auf der Jobsuche haben vor allem junge Menschen Probleme, Stellen zu finden. Viele Leute halten deshalb ihr Geld für unsichere Zeiten zusammen, anstatt es auszugeben. Außerdem haben die Lokalregierungen teilweise große Schuldenberge angehäuft, was ein Problem für weitere Investitionen und damit die Wirtschaftsleistung sein kann.

Unsichere Aussichten

Beobachter hoffen deshalb auf Impulse von der Zentralregierung und Unterstützung für die Lokalregierungen. Bislang schüttete Peking das Geld nicht mit der Gießkanne aus. Stattdessen versuchte die Regierung, mit einem Eintauschprogramm alter Haushaltsgeräte oder Fahrzeuge für neue die Nachfrage anzukurbeln. Zudem will der Staat in manchen Regionen leerstehende Wohnungen zurückkaufen, um den geschwächten Immobilienmarkt zu unterstützen.

Obendrein könnten laufende Handelsstreitigkeiten mit den USA und der EU - zwei sehr wichtige Märkte für China - für weiteren Ärger sorgen. Wegen des chinesischen Handelsüberschusses schützen die Handelspartner ihre Volkswirtschaften mit Zöllen. Auch Kanada und die Türkei wollen auf chinesische E-Autos solche Abgaben erheben. Indonesien erwägt dies für Textil-Produkte aus dem „Reich der Mitte“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie: Warum SAP im KI-Wettlauf plötzlich unter Druck gerät
14.05.2026

SAP steht mit seiner neuen KI-Offensive vor einer Bewährungsprobe, die über Wachstum, Vertrauen der Investoren und die Stärke der...

DWN
Panorama
Panorama ESC gewinnen: Gibt es eine Erfolgsformel für den Eurovision Song Contest?
14.05.2026

Der Eurovision Song Contest begeistert seit Jahrzehnten Europa – doch nach welchen Regeln wird dort wirklich gewonnen? Zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Geothermie: Deutschland bohrt sich frei
14.05.2026

Unter Deutschlands Städten liegt ein gigantischer Wärmespeicher, der kaum genutzt wird. Jetzt drängt die Geothermie in den Mittelpunkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorge: Wie Pensionsfonds funktionieren und warum Zeit ein Schlüsselfaktor ist
14.05.2026

Die zusätzliche Altersvorsorge gewinnt an Gewicht, da die gesetzliche Rente für viele Menschen den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Warum der Elektro-Ferrari alles verändern könnte
14.05.2026

Ferrari wagt den radikalsten Schritt seiner Geschichte und ersetzt ikonische Motoren durch Strom. Der neue Ferrari Luce soll nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen eBay-Deal sorgt für Zweifel: Warum Michael Burry seine GameStop-Aktien verkauft hat
14.05.2026

Michael Burry zieht bei der GameStop-Aktie die Reißleine, während Ryan Cohen mit eBay den bislang kühnsten Umbau des Konzerns anstrebt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lebenslauf verliert an Bedeutung: Warum sich der Bewerbungsprozess verändert
14.05.2026

Der Lebenslauf gilt für viele Arbeitgeber weiterhin als zentrales Instrument im Bewerbungsprozess und prägt maßgeblich die Auswahl von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Produktivität durch KI: Nobelpreisträger Philippe Aghion warnt vor Risiken für den Arbeitsmarkt
14.05.2026

Die KI-Revolution verspricht mehr Produktivität, stellt die EU-Arbeitsmärkte aber gleichzeitig vor eine politische Bewährungsprobe. Kann...