Politik

Ampel will Ukraine-Hilfen einfrieren: Wahlkampf oder Kehrtwende?

Das Vorgehen der Koalition bei der weiteren Finanzierung der Ukraine-Hilfen stößt auch intern auf Kritik. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses des Auswärtigen, der Sozialdemokrat Michael Roth, sagte: „Es ist ein fatales Signal der Bundesregierung in Richtung Ukraine, wenn in den künftigen Haushalten des Bundes keine weiteren Mittel für neue Militärhilfen eingeplant werden.“
19.08.2024 09:15
Lesezeit: 2 min
Ampel will Ukraine-Hilfen einfrieren: Wahlkampf oder Kehrtwende?
Ukraine-Hilfen: Bundeskanzler Olaf Scholz (l, SPD) trifft am Rande des Nato-Gipfels Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, zu einem bilateralen Gespräch. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Olaf Scholz und die Ampel-Regierung haben überraschend beschlossen, keine zusätzlichen Mittel für die Militärhilfe an die Ukraine bereitzustellen. Manches deutet darauf hin, ob es wirklich so kommt, blieb am Wochenende allerdings offen.

Ukraine-Hilfe eingefroren: Haushaltsentscheidung der Ampel sorgt für Kritik

Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte in einem Brief an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) geschrieben, „neue Maßnahmen“ dürften nur eingegangen werden, wenn in den Haushaltsplänen für dieses und die kommenden Jahre „eine Finanzierung gesichert ist“. Zudem: „Bitte stellen Sie sicher, dass die Obergrenzen eingehalten werden.“

Der Brief liegt der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vor. Nach entsprechenden Berichten erklärte allerdings am Samstag das Finanzministerium, dass es weiter gesprächsbereit sei. Bedarfe müssten aber konkret gemeldet und nachvollziehbar sein – bislang liege keine Bedarfsmeldung vor. Grundsätzlich setzt die Bundesregierung darauf, dass die Ukraine künftig stärker mithilfe von Zinsen aus eingefrorenem russischen Staatsvermögen unterstützt werden kann.

Was der Außenausschuss-Chef kritisiert

Außenausschuss-Chef Roth ist ein profilierter Befürworter starker Militärhilfe für das von Russland überfallene Land, das den Abwehrkampf mit einem überraschenden Vormarsch in russische Grenzgebiete getragen hat. „Die ukrainische Armee ist erstmals seit Monaten wieder in der Offensive, das Land braucht nun den vollen Rückhalt seines wichtigsten militärischen Verbündeten in Europa, Deutschland. Stattdessen wirkt die Debatte über die künftige Finanzierung der Militärhilfen wie ein verkappter Rückzug Deutschlands aus der Verantwortung“, kritisierte Roth. „Wir können unsere Sicherheit nicht von Haushaltszwängen abhängig machen.“ Die 50 Milliarden Dollar aus einem Hilfsfonds der G7-Staaten, der sich auch aus den Zinserträgen eingefrorener russischer Vermögen füllen soll, seien „bei Weitem nicht genug“.

Wo die Union Fragezeichen setzt

Der Parlamentsgeschäftsführer der Union im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), setzte außerdem ein Fragezeichen hinter die Strategie, auf diese Mittel zu setzen. „Kein Mensch weiß, ob, wann und wie viel Geld hier tatsächlich zur Verfügung stehen könnte. Auch in der Bundesregierung weiß niemand, wann die internationalen Verhandlungen dazu abgeschlossen werden können. Das ist ein weiteres Kapitel aus der Erzählung „Tarnen, Täuschen, Tricksen“, sagte Frei den Funke-Zeitungen.

Welchen Verdacht die Union hegt

Der CDU-Außen- und Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter argumentierte, dass die Zinsen ohnehin der Ukraine zustünden. Das „bedeutet de facto, dass die Ukraine im Stich gelassen wird“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) warf er vor, auf die September-Wahlen in Ostdeutschland zu schielen, wo die Ukraine-Hilfen vielfach auf Ablehnung stoßen. „So handelt keine selbsternannte Führungsnation Europas.“

Der CDU-Europapolitiker Christoph Ploß erklärte, dass es auch um die Verteidigung westlicher Werte gehe. „Wenn die Bundesregierung jetzt zögerlich und opportunistisch agiert, werden das nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder und Enkelkinder bitter bezahlen müssen“, sagte er dem Spiegel.

Was Deutschland bereitstellt

Im laufenden Jahr stellt Deutschland für die militärische Unterstützung der Ukraine knapp 7,5 Milliarden Euro bereit, für 2025 sieht die Regierung 4 Milliarden Euro vor. Das Problem ist, dass laut Medienberichten das Geld bereits weitgehend verplant ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Stopp von kasachischem Öl: Russland stoppt Lieferung zur PCK-Raffinerie in Schwedt
23.04.2026

Ab kommender Woche wird kein Öl aus Kasachstan mehr durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg belastet Energiemarkt: EU reagiert mit Krisenpaket
23.04.2026

Die EU reagiert auf steigende Energiepreise infolge des Iran-Kriegs mit einem ersten Krisenpaket und bereitet sich auf politische...

DWN
Politik
Politik Milliardenschwere Ukraine-Hilfe: EU bricht Blockade und verschärft Sanktionen
23.04.2026

Nach dem Ende des wochenlangen Widerstands aus Ungarn hat die Europäische Union den Weg für ein massives Unterstützungspaket...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Konzern drosselt China-Ziele – Fokus auf Rendite statt Volumen
23.04.2026

Der Volkswagen-Konzern zieht Konsequenzen aus dem schwierigen Marktumfeld in Fernost. Angesichts eines verschärften Preiskampfes und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenmarkt in Deutschland: Ghosting bei Bewerbungen nimmt zu
23.04.2026

Bewerber erhalten einer Umfrage zufolge oft nicht einmal eine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen. Das führt zu Frust und dazu, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektro-SUV Cupra Tavascan im Test: Viel Leistung, solide Reichweite und hoher Preis
23.04.2026

Der Cupra Tavascan positioniert sich als sportlicher Elektro-SUV mit viel Komfort und starker Reichweite. Doch trotz überzeugender Technik...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der Mittelstand im Stresstest: Bleiben, verlagern oder aufgeben?
23.04.2026

Während der Hemdenhersteller Eterna insolvent geht und der Stihl-Konzern Investitionen ins Ausland verlagert, wächst der Maschinenbauer...

DWN
Politik
Politik Öffentliche Investitionen: Bundestag beschließt Reform für schnellere Auftragsvergabe
23.04.2026

Der Staat ist ein zentraler Akteur bei der Vergabe von Aufträgen. Es geht um viele Milliarden bei den Sondervermögen für Infrastruktur....