Unternehmen

Kununu-Bewertungen: Wie Ihr Unternehmen auf negative Rückmeldungen reagieren sollte

Kununu: Ihr Unternehmen unter Beobachtung. Negative Bewertungen auf dem führenden Arbeitgeber-Bewertungsportal können Ihre Reputation gefährden. Erfahren Sie, wie Sie effektiv reagieren und Ihr Unternehmen vor Reputationsschäden schützen.
31.08.2024 16:03
Lesezeit: 2 min
Kununu-Bewertungen: Wie Ihr Unternehmen auf negative Rückmeldungen reagieren sollte
Ähnlich wie es auf ebay eine viel genutzte Bewertungsfunktion gibt, hat sich Kanunu als Bewertungsplattform für Unternehmen etabliert (Foto: dpa). Foto: Monika Skolimowska

Kununu hat sich als zentrale Plattform etabliert, auf der Arbeitnehmer anonym ihre Erfahrungen teilen. Während positive Bewertungen Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber positionieren können, sind negative Rückmeldungen ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor. Schon eine einzige schlechte Bewertung kann genügen, um Ihre Marktposition zu schwächen und potenzielle Mitarbeiter, Kunden oder Geschäftspartner abzuschrecken.

Die Folge: Ein Vertrauensverlust, der nicht nur zu sinkenden Umsätzen, sondern auch zu steigenden Kosten in der Mitarbeiterrekrutierung führen kann. In Branchen mit akutem Fachkräftemangel kann das den wirtschaftlichen Druck auf Ihr Unternehmen erheblich verstärken.

Schlechte Bewertungen – Eine unterschätzte Bedrohung für Ihr Geschäft

Ein praxisnahes Beispiel verdeutlicht die Tragweite: Ein mittelständisches IT-Unternehmen geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Ehemalige Mitarbeiter warfen dem Unternehmen vor, Verbesserungsvorschläge systematisch zu ignorieren und keinerlei transparente Kriterien für Beförderungen oder Boni zu haben. Zudem bemängelten sie das fehlende Interesse des Managements an den individuellen Bedürfnissen der Angestellten und die Abwehrhaltung gegenüber kritischem Feedback.

Das IT-Unternehmen hielt die Vorwürfe für unbegründet und betonte, dass die geschilderten Missstände nicht die Realität der internen Abläufe widerspiegelten. Doch der Schaden war bereits entstanden: Die negative Bewertung beeinträchtigte den Ruf des Unternehmens und beeinflusste sowohl potenzielle Bewerber als auch Geschäftspartner. Wie kann das Unternehmen in einer solchen Situation angemessen reagieren?

Die rechtliche Gratwanderung: Wann können negative Bewertungen entfernt werden?

In bestimmten Fällen besteht die Möglichkeit, Kununu-Bewertungen löschen zu lassen – etwa, wenn sie auf falschen Behauptungen oder Fake-Bewertungen beruhen. Doch der Teufel steckt im Detail: Der Nachweis solcher Unwahrheiten erweist sich oft als schwierig und langwierig.

Ein Fall aus Hamburg verdeutlicht die Komplexität des Themas: Eine Arbeitgeberin wollte negative Bewertungen löschen lassen, konnte jedoch nicht nachweisen, dass diese tatsächlich von ehemaligen Mitarbeitern stammten. Das Landgericht Hamburg entschied zunächst zugunsten von Kununu. In der Berufung fällte das Oberlandesgericht Hamburg jedoch ein anderes Urteil: Bei berechtigten Zweifeln an der Echtheit müssen die Anonymität der Verfasser aufgehoben und die Bewertungen gelöscht werden.

Dieser Fall verdeutlicht, dass selbst eine erfolgreiche Löschung oft mit erheblichen Hürden verbunden ist. Unternehmen können nicht darauf zählen, dass negative Bewertungen einfach verschwinden.

Besonnene Reaktion statt Panik: So vermeiden Sie Imageschäden

Daher ist es umso wichtiger, auf Kritik besonnen zu reagieren. Eine Antwort, die Wertschätzung ausdrückt und Kritik konstruktiv aufgreift, kann drohende Imageschäden abwenden. Kununu selbst empfiehlt: „Sie dürfen anderer Meinung sein als der Feedbackgeber, aber versuchen Sie dennoch, sich in seine Lage zu versetzen und Entgegenkommen zeigen. Damit signalisieren Sie der Person und potenziellen Kandidaten, dass Sie ein offenes Ohr für sie haben und Ihnen die Zufriedenheit der Mitarbeitenden am Herzen liegt. Auch wenn die Bewertung unfreundlich und abweisend wirkt, untersuchen Sie kritisch, ob nicht doch ein Körnchen Wahrheit in ihr steckt und überlegen Sie, was Sie aus der Rückmeldung lernen können.“

Das IT-Unternehmen aus unserem Beispiel entschied sich, aktiv auf die Kritik einzugehen und auf eine Löschung der Bewertung zu verzichten. Es führte regelmäßige Feedback-Runden ein und etablierte ein transparentes Kommunikationssystem. Diese Maßnahmen, ergänzt durch ein Belohnungssystem, steigerten die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich, was sich in neuen, positiven Kununu-Bewertungen niederschlug.

Wie starke Mitarbeiterbindung negative Bewertungen verhindert

Sollte dennoch eine Löschung angestrebt werden, ist es ratsam, rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen. Experten raten davon ab, direkt Kontakt mit Kununu aufzunehmen, da eine anwaltliche Intervention in der Regel erfolgversprechender ist.

Unabhängig davon gilt: Unternehmen sollten frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um negative Kununu-Bewertungen zu vermeiden. Wie das geht? Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen Investition in die emotionale Mitarbeiterbindung. Laut dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup ist diese Bindung entscheidend, um Begeisterung und Leistungsbereitschaft bei den Mitarbeitern zu fördern. Eine starke emotionale Bindung erhöht nicht nur die Mitarbeiterleistung, sondern steigert auch die Wahrscheinlichkeit positiver Online-Bewertungen – ein unschätzbarer Vorteil für das langfristige Unternehmensimage.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

avtor1
Anika Völger

Freie Wirtschaftsjournalistin, Autorin, Bankkauffrau, Verwaltungswirtin, Dozentin für Recht. Anika Völger verbindet juristisches und wirtschaftliches Fachwissen mit journalistischer Klarheit. Die Hannoveranerin ordnet wirtschaftliche und politische Entwicklungen ein, analysiert rechtliche Zusammenhänge und erklärt Wirtschafts-, Finanz-, Technologie- und Kryptothemen für ein breites Publikum. Sie schreibt u. a. für die Deutschen Wirtschaftsnachrichten, für Kanzleien sowie für Finanz- und Technologieunternehmen.
DWN
Politik
Politik Fünf politische Dauerbaustellen: Was aus großen Reformversprechen wurde
14.06.2026

Von Ehegattensplitting bis Familienstartzeit: Diese fünf Reformprojekte sollten Deutschland verändern. Heute prägen sie vor allem eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Er ist dabei, Maersk zu überholen – nun gibt CMA-Chef Saadé eine aufsehenerregende Prognose ab
14.06.2026

CMA-Chef Rodolphe Saadé sieht eine Weltwirtschaft auf Speed und warnt vor neuen Schocks im Welthandel. Seine Botschaft trifft auch Maersk,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Startups suchen Geldgeber: Wer finanziert Deutschlands Zukunft?
14.06.2026

Deutschland hat kein Startup-Problem, sondern ein Kapitalproblem. Während innovative Gründer neue Technologien entwickeln, fehlt häufig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rebecca Harding im Interview: Konflikte haben die Funktionsweise der Weltwirtschaft unwiderruflich verändert
14.06.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten hat gezeigt, was ein Wirtschaftskrieg ist und wie er funktioniert, erklärt Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wandert die Industrie ab? Fakten statt Ideologie
13.06.2026

Die Industrie verschwindet nicht über Nacht. Gefährlicher ist, was leiser passiert: Investitionen entstehen anderswo, Produktlinien...

DWN
Finanzen
Finanzen Rechenzentren: Warum Energieaktien zur Nebenwette auf künstliche Intelligenz werden
13.06.2026

Der Energiesektor könnte zu einem der Gewinner beim Bau der Rechenzentren werden, die für künstliche Intelligenz benötigt werden.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bahn: Familientickets ab 60 Euro – worauf Sie unbedingt achten müssen
13.06.2026

Die Deutsche Bahn bringt ein neues Familienticket zum Festpreis an den Start und verspricht attraktive Konditionen für Reisende. Doch das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lexus LBX im Test: Hybrid-SUV erinnert an die besten Diesel-Zeiten
13.06.2026

Der Lexus LBX setzt nicht auf reinen Elektroantrieb, sondern auf einen effizienten Hybrid. Im Test überzeugt der kleine SUV mit Verbrauch,...