Unternehmen

KI-Hype und Nvidia lassen nach: Globaler Kursrutsch im Technologiesektor

An der Börse stand der Dax gerade wieder hoch oben im sommerlichen Zenit. Da folgte die klassische Gegenreaktion der Anleger mit den zittrigen Händen. Vor allem im Technologiesektor halten viele Anleger die Rallye für ausgereizt.
04.09.2024 10:57
Aktualisiert: 04.09.2024 10:57
Lesezeit: 2 min
KI-Hype und Nvidia lassen nach: Globaler Kursrutsch im Technologiesektor
Was passiert an der Nasdaq? Dilip Patel, Spezialist an der New Yorker Börse, bei der Arbeit. Setzt sich die Talfahrt der Aktienmärkte heute an den US-Börsen fort? (Foto: dpa) Foto: Richard Drew

Im Technologiesektor nehmen Anleger zu Beginn des saisonal eher schlechten Börsenmonats September weiter Gewinne mit. Am Vortag schon waren europäische Branchenwerte unter Druck geraten im Sog der New Yorker Nasdaq-Börse, an der vor allem Halbleiterwerte verkauft wurden. Diese Tendenz setzte sich nun am Mittwoch im europäischen Handel fort. Auch in Asien korrigierten Chipwerte bei etwas ernüchtertem Hype um Künstliche Intelligenz (KI).

Auch ASML in den Niederlanden heftig gebeutelt

In New York war der Halbleiterindex SOX am Vorabend um fast acht Prozent abgerutscht, was laut einem Händler der größte Tagesverlust seit dem Corona-Ausbruch im März 2020 war. Allein der KI-Liebling, die Nvidia-Aktie, hatte am Dienstag an einem Tag gut 280 Milliarden US-Dollar an Wert verloren. Anleger wurden dabei auch wieder sensibler für eine drohende Konjunkturabschwächung in der größten Volkswirtschaft der Welt, den USA. Ein viel beachteter amerikanischer Frühindikator hatte erneut die Prognosen verfehlt.

In Europa traf es die Aktien von ASML am Mittwoch besonders stark. Nachdem die UBS ihre bisherige Kaufempfehlung aufgegeben hatte, fielen sie um mehr als fünf Prozent. Analyst Francois-Xavier Bouvignies traut dem Chipindustrie-Ausrüster ab 2025 im Schnitt eine deutliche geringere Ergebnissteigerung zu als in der jüngsten Zeit gewohnt. Er geht von jährlich durchschnittlich plus 13 Prozent aus nach zuletzt 24 Prozent. Dies sollte auch eine Normalisierung des Bewertungsmaßstabs nach sich ziehen, so der Experte. ASML war in den vergangenen Jahren zum drittwertvollsten europäischen Unternehmen aufgestiegen nach Novo Nordisk und LVMH.

Der gesamteuropäische Sektorindex Stoxx Europe 600 Technology setzte vor diesem Hintergrund seine Talfahrt fort. Am Mittwoch büßte er 2,6 Prozent ein und damit in etwa so viel wie die Aktien der großen Chipkonzerne Infineon und STMicroelectronics.

Auch im Ausrüsterbereich wurden Aktien in Mitleidenschaft gezogen. Im MDax erwischt es Aixtron mit einem Abschlag von knapp über vier Prozent. Analystin Olivia Honychurch vom Investmenthaus Jefferies wird in einer am Mittwoch vorliegenden Studie vorsichtiger für die Perspektiven des Anlagenbauers für 2025. Sie kappte daraufhin deutlich das Kursziel auf 27 Euro, was bei einem Kurs von aktuell 15 Euro aber immer noch viel Luft nach bedeutet.

Hat der Hype seine Grenzen erreicht?

Anleger dürften nun gespannt sein, wie die Nasdaq am Mittwoch reagiert. Der Hype um Nvidia scheint in den vergangenen Wochen an seine Grenzen gekommen zu sein, denn der Rekord vom Juli bei 140 Dollar wirkt aktuell nicht wirklich greifbar. Anfang August hatte sich der Kurs in einer großen Verkaufswelle, die erst bei 90 Dollar endete, von diesem Niveau sogar um mehr als ein Drittel entfernt. Am Mittwoch dürfte nun zunächst die 100-Dollar-Marke in den Fokus rücken.

"Die Gläubigen an in den Himmel wachsende Bäume in Sachen Künstliche Intelligenz hinterfragen langsam, aber sicher ihre teils naive Einstellung zu Bewertungen und den entsprechenden Kursen", sagte am Mittwoch der Marktbeobachter Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets. Auch weil die Befürchtungen zunähmen, die Zukunftsvision könnte immer stärker reguliert werden. Auch der Wahlkampf in den USA dürfte dabei für Unsicherheit sorgen. Die Wahlen sind nur noch zwei Monate entfernt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue EU-Regeln und wie sie den europäischen Online-Unterhaltungsmarkt verändern

Die europäische Glücksspielbranche steht vor einer der größten Umbruchphasen ihrer Geschichte. Neue gesetzliche Regelungen innerhalb...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street feiert nach Nvidia-Zahlen Comeback, während Ölpreis wegen Iran-Hoffnungen nachgibt
21.05.2026

Ein turbulenter Handelstag voller unerwarteter Wendungen hält die Anleger in Atem und offenbart neue Chancen am Markt.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Düngemittelpreise explodieren und Brüssel liefert nur erste Hilfen
21.05.2026

Erst Energiekrise, dann Nahost-Krieg, jetzt die nächste Kostenwelle auf den Feldern. Europas Bauern sollen vor der kommenden Aussaat...

DWN
Politik
Politik Kreml signalisiert Gesprächsbereitschaft gegenüber Europa
21.05.2026

Russland zeigt sich nach Angaben des Kremls offen für direkte Gespräche mit europäischen Staaten. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von...

DWN
Panorama
Panorama Schuldspruch im Berufungsprozess: Air France und Airbus nach Absturz verurteilt
21.05.2026

Wende im Fall des Absturzes von Flug AF 447 im Jahr 2009 mit 228 Todesopfern: Ein Pariser Berufungsgericht hat Air France und Airbus der...

DWN
Politik
Politik EU-Asylwende: Abschiebezentren in Drittstaaten vor der Umsetzung
21.05.2026

Die Europäische Union steht vor einer grundlegenden Reform ihrer Abschiebepolitik. Die Verhandlungen über die neue, verschärfte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krise der Autoindustrie: Eberspächer zieht die Reißleine in Deutschland
21.05.2026

Der Esslinger Autozulieferer Eberspächer kämpft mit Umsatzrückgängen und geopolitischen Spannungen. Als Reaktion auf die weltweite...

DWN
Politik
Politik Debatte um späteren Renteneintritt: Regierung weist Gerüchte um Rente mit 70 zurück
21.05.2026

Kurz vor dem Abschlussbericht der Rentenkommission sorgen Spekulationen über ein mögliches höheres Renteneintrittsalter für politische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stagnation: Bundesbank warnt vor Konjunkturstillstand durch Iran-Krieg
21.05.2026

Deutschlands Wirtschaft verliert nach Einschätzung der Bundesbank spürbar an Schwung. Vor allem die Auswirkungen des Iran-Krieges...