Unternehmen

Flugtaxis laut Studie zu teuer und auch nicht unbedingt CO2-ärmer

Sie haben sich noch gar nicht durchsetzen können, nun kommen E-Hubschrauber und Flug-Taxis auch aus Umwelterwägungen in Verruf. Die Zweifel wachsen, ob sich die Technologie im Alltag der Menschen durchsetzt, sagt das Leibniz-Zentrum.
13.09.2024 08:23
Aktualisiert: 13.09.2024 09:02
Lesezeit: 3 min

Flugtaxis schneiden in einer Studie deutlich schlechter ab als ihr Ruf. Laut einer Analyse des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim von elf Untersuchungen verkürzen sich Reisezeiten kaum, während die Kosten und im Vergleich zu E-Autos auch die CO2-Emissionen steigen. „Nützlich kann urbane Luftmobilität vor allem bei Notfalleinsätzen sowie zum Anbinden entlegener Regionen sein.“

Die sogenannte Urban Air Mobility (UAM, städtische Luftmobilität) wird häufig als nachhaltig, schnell und günstig angepriesen, wie ZEW-Forscherin Anna Straubinger sagte. „Unsere Studien zeigen aber, dass die tatsächlichen Vorteile sehr begrenzt sind.“

Höchstens geringer Beitrag zu Dekarbonisierung zu erwarten

So stießen die elektrischen Flugtaxis nur im Vergleich zu Verbrenner-Autos weniger CO2-Emissionen aus. Gegenüber Fahrten mit E-Autos benötigten sie sogar mehr Energie. „Daher leisten sie keinen positiven Beitrag zur Energiewende im Verkehrssektor.“

Der hohe Energieverbrauch der senkrecht startenden und landenden Fluggeräte im Vergleich etwa zu Auto, ÖPNV oder Fahrrad führt laut der Analyse dazu, dass UAM höchstens einen geringen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssystems leisten kann. Sie bräuchten darüber hinaus spezielle Start- und Landeplätze, was Wartezeiten, An- und Abfahrtswege verursache. „Berechnet man diese ein, führt dies nur selten zu einer Zeitersparnis.“

Vorteile für wenige, Nachteile für Nichtnutzer

Zudem seien sie recht teuer und eher etwas für Wohlhabende: Kurz- bis mittelfristig peilen Hersteller und mögliche Betreiber laut Straubinger einen Kilometerpreis von fünf Euro an. Das sei etwa 2,5 Mal so teuer wie beim Taxi und ungefähr 15 Mal teurer als ein Auto. „Die negativen Folgen wie Lärm und visuelle Beeinträchtigungen am Himmel betreffen jedoch alle, auch den voraussichtlich großen Anteil der Bevölkerung, der UAM nicht nutzen wird.“

Einen wirklichen Mehrwert bieten die Fluggeräte Straubingers Analyse zufolge hingegen bei Notfalleinsätzen sowie bei der Anbindung abgelegener Regionen. „Für diese Einsatzzwecke können wir auch eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung erwarten." In Deutschland beispielsweise ist die ADAC-Luftrettung an einem Einsatz der Fluggeräte interessiert.

Die Forscherin kommt zu dem Schluss, dass UAM ein privatwirtschaftlich tragfähiger Beitrag zum zukünftigen Verkehrssystem werden könnten. Kommunen und Entscheidungsträger sollten Nutzen und Kosten des Einsatzes der neuen Technologie jedoch sorgfältig abwägen, um regulatorische Rahmenbedingungen für die Einführung in Europa zu schaffen.

Volocopter: Neue Technologien brauchen Zeit, um sich durchzusetzen

Eine Sprecherin des Herstellers Volocopter aus dem badischen Bruchsal verwies darauf, Ziel sei, die „lange Reise zur Dekarbonisierung der Luftfahrtindustrie zu beginnen“ und Kunden in bestimmten Städten und Märkten ein sichereres, leiseres und schnelleres Transportmittel zu bieten. Das Unternehmen hat vor allem Großstädte mit hohem Verkehrsaufkommen wie Rom und Paris im Blick, wo man selbst bei kurzen Strecken im Stau steht. Eine Studie habe 2022 für San Francisco gezeigt, dass ein UAM-System die Metropole entlasten kann.

Ferner kritisierte sie den Vergleich mit Autos, Bussen und Co. als nicht fair, „denn nach den Gesetzen der Physik wird das Fliegen immer mehr Energie verbrauchen als das Rollen, insbesondere beim Start, beim Schweben und bei der Landung“. Zu berücksichtigen sei auch der Platz, den ein Elektrofahrzeug auf der Straße einnimmt im Vergleich zu einem fliegenden Fahrzeug mit der gleichen Anzahl von Passagieren. „Diese Art der Beförderung ist neu, und neue Technologien brauchen Zeit, um sich in der breiten Masse durchzusetzen“, sagte sie. Man verstehe die Bedenken und arbeite weiter am Verständnis der Menschen.

Zulassung für Passagierflüge fehlt

Für den Transport von Menschen fehlt Herstellern wie Volocopter und Lilium aus Oberpfaffenhofen bei München eine Musterzulassung der Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit Easa. Zumal die Unternehmen immer wieder mit Geldproblemen hadern. Erst Mittwoch hatte die bayerische Staatsregierung eine Staatsbürgschaft für Lilium von 100 Millionen Euro in die Wege geleitet, die sie zu gleichen Teilen mit dem Bund übernehmen will.

Volocopter hatte zwar mit Flügen seiner Flugtaxis zu den Olympischen Spielen in Paris einen werbewirksamen Coup gelandet. Anfang September folgte dann aber die Ankündigung, dass Geschäftsführer Dirk Hoke das Unternehmen Ende Februar verlassen will. Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche soll als neuer Beiratsvorsitzender nun einen Nachfolger suchen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelstand vor Umbruch: Viele Firmen stehen ohne Nachfolger da
09.01.2026

Der deutsche Mittelstand steht vor einem grundlegenden Wandel: Zahlreiche Unternehmen sehen sich mit einer Herausforderung konfrontiert,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kälte zehrt an den Reserven: Wie sicher ist die Gasversorgung im Winter?
09.01.2026

Anhaltende Minusgrade lassen den Gasverbrauch in Deutschland deutlich steigen, die Speicher leeren sich schneller als in den vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarifkonflikt spitzt sich zu: Verdi erhöht Druck auf Autobahn GmbH
09.01.2026

Im Tarifstreit bei der Autobahn GmbH wächst der Druck auf die Arbeitgeberseite. Die Gewerkschaft Verdi fordert ein deutliches Lohnplus und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Protest mit Traktoren und Feuer: Bauern verschärfen Widerstand gegen Mercosur
09.01.2026

Mit brennenden Barrikaden und blockierten Verkehrsachsen erhöhen französische Landwirte den Druck auf die Politik. Unmittelbar vor der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unerwarteter Auftrieb: Deutsche Industrie trotzt den Prognosen
09.01.2026

Entgegen den Erwartungen vieler Ökonomen setzt die deutsche Industrie ihren Erholungskurs fort. Bereits zum dritten Mal in Folge legt die...

DWN
Technologie
Technologie Start-up-Gründungen: KI treibt Boom auf Rekordniveau
09.01.2026

Deutschland steckt wirtschaftlich fest, doch ausgerechnet jetzt wagen so viele Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit wie nie zuvor....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Autoproduktion legt zu: Elektromobilität prägt den Aufschwung
09.01.2026

Die deutsche Autoindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus Strukturwandel und Standortdruck. Ist der jüngste Aufwärtstrend ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street von zyklischen Aktien gestützt, Technologie gibt nach
09.01.2026

Die Wall Street bewegte sich am Donnerstag uneinheitlich. Technologieaktien standen unter Druck, während die Märkte auf die...